Neues Vertrauen nach US-Rettungspaket?

29. September 2008

In den vergangenen Wochen überschlugen sich die Ereignisse an den Kapitalmärkten. Die durch den Einbruch des US-Immobilienmarktes ausgelöste Kreditkrise führte zu einem schweren Vertrauensverlust unter den Banken, in deren Folge sich die Refinanzierungskosten drastisch erhöhten. Resultat: die fünf grossen US-Investmentbanken der Wall Street existieren heute nicht mehr. Sie sind entweder insolvent verkauft oder mussten ihren Status als Investmentbank aufgeben.

Eine weitere Erhöhung der Risikoprämien an den Kreditmärkten, welche zu hohen Kursvolatilitäten an den internationalen Aktienmärkten führte, veranlasste das US-Finanzministerium mit dem grössten steuerfinanzierten Rettungsplan der Geschichte einzugreifen. Ein am 18. September präsentiertes Massnahmenpaket sieht im Wesentlichen vor, für USD 700 Mrd., illiquide und unter Wertverfall leidende strukturierte Wertpapiere aufzukaufen. Ziel ist es, deren Preise schnellstmöglich zu stabilisieren und somit das Vertrauen in die Kreditmärkte wieder herzustellen.

Fundamentales Bild weiterhin schwach

Die geplanten Hilfsmassnahmen zielen in erster Linie auf die Stabilisierung des Bankensystems. Damit wird jedoch der Auslöser der aktuellen Krise nicht bekämpft, denn die Häuserpreise drohen weiter zu fallen. Die sich abzeichnende Konjunktureintrübung wird den US-Arbeitsmarkt schwächen, womit weitere Zwangsversteigerungen von Eigenheimen drohen. Damit dürfte auch der für die US-Wirtschaft wichtige Binnenkonsum weiterhin auf wackligen Füssen stehen und den negativen Effekt auf den Arbeitsmarkt verstärken. Ein rasches Ende dieser Abwärtsspirale ist nicht zu erwarten. Stimulierende Interventionen seitens der USNotenbank (Zinssenkungen) sowie öffentliche Investitionsprogramme (Budgetdefizit) sind nur begrenzt möglich.

Reduzierungen der Gewinnprognosen zu erwarten

Die Folgen der Finanzkrise werden sich negativ auf der Realwirtschaft auswirken. Zuletzt wurden die Wachstumsprognosen für die bedeutendsten Wirtschaftsregionen wiederholt reduziert. Für das laufende und kommende Jahr ist mit einem geringeren Umsatz- und Gewinnwachstum der Unternehmen zu rechnen. Vor diesem Hintergrund erscheinen die aktuellen Schätzungen, trotz bereits erfolgter Reduzierungen, nach wie vor zu hoch. Insbesondere in Europa sehen wir aufgrund des nach wie vor robusten Euro sowie der geringeren Flexibilität des Wirtschaftssystems Revisionsbedarf. Vor diesem Hintergrund sind die aktuell günstigen fundamentalen Bewertungskennzahlen zu relativieren.

Fazit: Beruhigung der Märkte abwarten

Wir erwarten in den kommenden Wochen weiterhin hohe Kursschwankungen an den Aktienmärkten. Neue Tiefstände sind möglich. Für Spekulation ist jetzt nicht die richtige Zeit. Für eine nachhaltige Bodenbildungsphase sind u.E. folgende zwei Faktoren notwendig: eine durch das US-Hilfspaket herbeigeführte Entspannung an den Kreditmärkten sowie eine nochmals deutliche Reduzierung der Gewinnschätzungen. Für langfristige Investoren empfehlen wir gut kapitalisierte Unternehmen, die im derzeitigen Umfeld strategische Zukäufe tätigen. Sie können mit Hilfe von Kostensynergien und Aktienrückkäufen den Gewinn je Aktie weiterhin steigern. Im eintrübenden globalen Konjunkturumfeld wird sich dies als einer der zentralen Erfolgsfaktoren auszeichnen.

Dieser Beitrag der LGT Capital Management erschien im Rahmen der Serie „LGT berät“ in der Basler Zeitung vom 29.9.2008.