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Alex Durrer: Verlässliche Unberechenbarkeit oder unberechenbare Verlässlichkeit?

12. Mai 2021

Lesezeit: 5 Minuten

von Dr. Alex Durrer, LGT Capital Parners

Dr. Alex Durrer

Vor etwas mehr als einem Jahr freuten wir uns noch darauf, in ein neues Jahrzehnt zu starten: dabei möglichst viele Altlasten hinter uns zu lassen, um mit neuen, vielversprechenden Themen und Konzepten hoffentlich Richtung «goldene Zwanzigerjahre» aufzubrechen…

Und dann hat uns die Covid-19-Pandemie unvorbereitet und mit der Wucht eines Faustschlages mitten ins Gesicht getroffen. Nicht uns als Firma, aber uns als Gesellschaft. Mittlerweile ist klargeworden, dass die Perspektiven noch eine Weile unberechenbar bleiben: nicht primär Corona-bedingt, sondern als Folge einer vielenorts unverhältnismässigen «Lockdown»-Narkotisierung des gesamten sozioökonomischen Lebens. Die langfristigen Nebenwirkungen und Folgeschäden davon werden wie bei jeder «Medizin» umso schlimmer, je stärker die Dosierung erfolgt.

Wie bei Maschinen oder Autos, so gelten auch hinsichtlich der menschlichen Typologie Verlässlichkeit und Berechenbarkeit als Tugend, während Unzuverlässigkeit und Unberechenbarkeit als Makel wahrgenommen werden – im Privatbereich genauso wie in Unternehmen: etwa bei Lieferanten, Kunden oder auch Schuldnern. Man weiss gern, woran man ist – der einstige VW-Werbeslogan «Da weiss man, was man hat» klingt bis heute zumeist positiv, nur in Ausnahmefällen vielleicht etwas langweilig…

Entscheidungsträger aus der Bahn geworfen

Entsprechend belastend, ja schockierend wirkte und wirkt, bereits über ein Jahr lang, die bis vor kurzem unvorstellbare Erfahrung, wie mikroskopisch kleine Erreger die mächtigsten politischen Entscheidungsträger regelrecht aus der Bahn werfen konnten. Von medialen Alarmsirenen aufgebracht und von vermeintlichen Experten bedrängt, haben viele nach dem Prinzip «Versuch und Irrtum», sprich: im Dunklen tappend, immer unverhältnismässigere Massnahmen angeordnet, was für manche Betroffene immer unberechenbarere Kollateralschäden mit sich bringt. Und «Big Government» lässt grüssen: Die per Saldo vehement verstärkte Tendenz zu mehr Staatseinfluss, einschliesslich typisch planwirtschaftlicher Attribute, dürfte wohl auch nach dem erhofften Abklingen der Pandemie nur schwerlich zurückgedreht werden können.

Umgekehrt haben sich aus der Warte von Wirtschaft und Finanzmarkt die Mainstream-Prinzipien der Geldpolitik in eine diametral entgegengesetzte Richtung verschoben. Früher waren, ja mussten oder wollten die geldpolitischen Akteure als unberechenbar wahrgenommen werden. Kein Zentralbank-Gouverneur hätte sich je im Voraus für längere Zeit festgelegt, an dem einen oder anderen Zins-Regime festzuhalten, mit der – nach alter Schule – nachvollziehbaren Begründung, den zukünftigen monetären Kurs stets in Abhängigkeit vom einstweiligen Konjunkturverlauf festzulegen. In der (nicht erst seit gestern angebrochenen) Neuzeit gilt das Gegenteil: Verlässlich wird den heutigen Wirtschaftssubjekten garantiert, an einem ultra-expansiven Kurs festzuhalten – ohne Wenn und Aber, und damit auch ohne Ablaufdatum. Was aller berechenbaren sog. «Forward Guidance» zum Trotz umso unberechenbarer erscheint, ist die neue Prämisse, dass das Phänomen Inflation nie mehr aufkeimen kann…

Konstanz in Zeiten der Veränderung

In Zeiten, wo sehr viele, für manche zu viele Veränderungen auf uns zukommen, schätzt man gewisse Konstanten umso mehr. LGT Capital Partners verwaltet die Fürstliche Strategie, unser Flaggschiff-Portfolio aus traditionellen und alternativen Anlagen, seit zweiundzwanzig Jahren mit einem fast unverändert zusammengesetzten Investment-Team langfristig, global diversifiziert und mit diszipliniertem Risikomanagement. In der strategischen Vermögensallokation setzen wir uns mithilfe des Szenario-Ansatzes systematisch mit sehr unterschiedlichen – positiven wie negativen – Zukunftspfaden und deren Einfluss auf die Finanzmärkte auseinander: mit dem Ziel, ein weitgehend robustes Portfolio zu schaffen. Und in unsere taktischen Anlageprozesse beziehen wir seit der Produkt-Lancierung explizit Erkenntnisse der Behavioral Finance mit ein.

Damit können und wollen wir keine Begeisterungsstürme auslösen. Unser über mehr als zwanzig Jahre und somit auch schon einige Wirtschafts- und Börsenzyklen bewährter Ansatz will vielmehr für eine fortgesetzt nachhaltige Wertsteigerung sorgen. Und so für eine Verlässlichkeit verbürgen, die zwar ex ante keine exakte Berechenbarkeit versprechen kann, aber nie Züge von Unberechenbarkeit aufweist.

Dr. Alex Durrer (1964) leitet den Bereich Economic Research bei LGT Capital Partners und ist als Mitglied des Investment-Strategieteams an der Festlegung der Anlagepolitik des Fürstlichen Portfolios beteiligt.

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Die LGT Experten analysieren laufend die globale Markt- und Wirtschaftsentwicklung. Mit unseren Research-Publikationen zu den internationalen Finanzmärkten, Branchen und Unternehmen treffen Sie fundierte Anlageentscheide.

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