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Attraktive Renditen mit Emissionshandel?

25. Oktober 2022

Lesezeit: 4 Minuten

von Andreas Vetsch (LGT Capital Partners)

Attraktive Renditen mit Emissionshandel?

Durch den Emissionshandel soll der Ausstoss von Treibhausgasen gesenkt werden. Das ist aus Investitions- und Nachhaltigkeitsperspektive attraktiv.  

Am Anfang steht oft ein Zweifel: Können marktwirtschaftliche Mechanismen tatsächlich für den Klimaschutz eingesetzt werden? Und wenn ja - wie können Anleger profitieren? Um diese Frage zu beantworten, nähern wir uns dem Thema in einem ersten Schritt aus Perspektive der Volkswirtschaftslehre. 

Die Schädigung unbeteiligter Marktteilnehmer durch eine ökonomische Entscheidung wird in dieser Wissenschaftsdisziplin als negative Externalität bezeichnet. Die Schädigung wird nicht vom Verursacher getragen und dadurch kommt es zu einem Marktversagen. Ein klassisches Beispiel sind Treibhausgasemissionen. Die Kosten der Umweltverschmutzung werden oft nicht vom Emittenten getragen, sondern gehen zulasten des gesamten Planeten.

Grundidee des Emissionshandels: CO2 einen Preis geben

Die Kosten der Umweltverschmutzung werden oft nicht vom Emittenten getragen, sondern gehen zulasten des gesamten Planeten.

Um diesem Marktversagen entgegenzuwirken, müssen Emissionen bepreist werden. Eine Möglichkeit dies zu erreichen, bietet der Handel mit Emissionsrechten, sogenannten Kohlenstoffzertifikaten. Diese CO2-Zertifikate werden von Regierungen ausgegeben und erlauben dem Besitzer beispielsweise eine Tonne Kohlenstoffdioxid zu emittieren. Sie sind ein bedeutendes politisches Instrument zur Reduzierung von Emissionen.

Diese CO2-Programme gibt es in einigen Ländern seit Jahren und ihre Verbreitung nimmt weltweit zu. China lancierte im letzten Jahr ein CO2-Programm und Indien bereitet sich auf die Einführung eines nationalen Programms vor.

Derzeit decken insgesamt 65 regionale, nationale und multinationale CO2-Initiativen 23 Prozent der weltweiten Emissionen ab. Davon sind 32 Initiativen sogenannte Emissionshandelssysteme (ETS), der Rest sind Kohlenstoffsteuer-Initiativen: Mehr dazu im Carbon Pricing Dashboard der Weltbank

In Europa werden mittlerweile rund die Hälfte der Treibhausemissionen mit CO2-Zertifikaten geregelt. Es gibt unterschiedliche Emissionshandelssysteme, wie das System des EU-Emissionshandels (EU-ETS), das Emissionshandelssystem Grossbritanniens (UK-ETS) oder das Emissionshandelssystem der Schweiz (CH-ETS).

Energieintensive Zementproduktion (Photo: © KEYSTONE/Laurent Gillieron).
Energieintensive Zementproduktion (Photo: © Keystone / Laurent Gillieron).

An all den Systemen partizipieren Firmen, die in energieintensiven Branchen wie der Stromerzeugung, der Zementproduktion oder der Luftfahrt tätig sind. Sie dürfen kein Kohlenstoffdioxid mehr in die Atmosphäre ausstossen, ohne dafür die entsprechenden CO2-Zertifikate vorzulegen. Wenn ein Unternehmen seine Emissionen reduziert, kann es die überschüssigen Zertifikate behalten, um seinen zukünftigen Bedarf zu decken, oder sie an eine andere Firma verkaufen, welche knapp an Zertifikaten ist. Der CO2-Ausstoss erhält dadurch einen Preis, der durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird.

Nachhaltigkeit ist Teil der LGT

Die LGT hat sich dem Thema Nachhaltigkeit bereits früh verschrieben. Langfristiges und nachhaltiges Denken und Handeln gehören seit jeher zu den wichtigsten Kernelementen des Unternehmens. Bereits seit vielen Jahren arbeitet die LGT deshalb daran, ihr nachhaltiges Engagement sowohl im Betrieb als auch im Kerngeschäft, dem Private Banking und Asset Management, noch zu verstärken. Der LGT ist wichtig, dass ihre Geschäftstätigkeit einen positiven Beitrag für Umwelt und Gesellschaft liefert. Wie sie das konkret erreicht, erfahren Sie hier.

So funktioniert der Emissionshandel

Das Gesamtangebot an Zertifikaten wird vom Regulator jährlich definiert, wobei die Obergrenze ständig sinkt.

Der Emissionshandel ist in der EU wie in anderen Handelssystemen nach dem sogenannten «Cap & Trade» organisiert: Das Gesamtangebot an Zertifikaten wird vom Regulator jährlich definiert, wobei die Obergrenze ständig sinkt. Diese konstant sinkende Obergrenze sorgt dafür, dass CO2 ein immer knapperes und damit teureres Gut wird. Der Anreiz für eine klimafreundlichere Produktion steigt.

Neben dem Kauf von physischen Zertifikaten bestehen mittlerweile auch andere Möglichkeiten, um am Emissionsmarkt zu partizipieren. Börsen bauen ihr Angebot an nachhaltigen Investments aus, auch im Handel mit Kohlenstoff. Es gibt diverse emissionsbasierte ETFs, Futures- und Optionskontrakte. Der Zugang zum Markt ist einfacher geworden und es sind längst nicht mehr nur energieintensive Unternehmen darin aktiv. Auch Investmentbanken und dedizierte CO2-Fonds gehören mittlerweile zu den Akteuren. Mit der zusätzlichen Handelsaktivität verbessert sich auch die Preisfindung und Marktliquidität.

Knappes Angebot und zusätzliche Marktteilnehmer lassen Preise steigen

Die Gründe, warum sich Anleger im Emissionsmarkt engagieren, sind nicht ausschliesslich auf den Nachhaltigkeitsaspekt beschränkt. Die Investitionen können durchaus auch lukrativ sein.

Um die globalen Klimaziele zu erreichen, werden die Emissionspreise in den nächsten Jahren höher gesteuert. Wesentliche Renditetreiber sind systematische Preiserhöhungen bei Auktionen durch die Regierungen. Zudem verknappt die wachsende Zahl an Marktteilnehmern - insbesondere aus der Investment-Community - das Angebot an Zertifikaten. Das treibt die Preise weiter in die Höhe. Doch könnten die Preise für CO2-Emissionen nicht bald ein Allzeit-Hoch erreicht haben?

Tatsächlich gibt es noch viel Luft nach oben, da die vollständige Dekarbonisierung gewisser Industrien noch deutlich höhere CO2-Preise erfordert. Schon heute werden aber viele Unternehmen zu Emissionsreduktionen gezwungen und suchen nach nachhaltigen Alternativen. Insofern funktioniert die Lenkungswirkung des Systems. 

Es darf allerdings nicht vergessen werden, dass der Emissionshandel von der Politik gesteuert und damit mit politischen Risiken verbunden ist. Der Verkauf von CO2-Zertifikaten hat sich aber zu einer guten Einnahmequelle für die Regierungen entwickelt. Eine Abschaffung oder Abschwächung des Handels zöge merkliche finanzielle Einbussen nach sich. Zudem etabliert sich die Idee, Treibhausgase mit Hilfe von CO2-Zertifikaten zu reduzieren, in immer mehr Ländern.

Header Visual © Keystone / akg-images / Stefan Schilling.

Interessante Anlage für nachhaltige Portfolios

Die Bedeutung des Emissionshandels hat in den letzten Jahren zugenommen. Er hat sich weltweit als politisches Instrument etabliert, um Emissionen zu reduzieren. Andererseits weckt er vermehrt Interesse von Seiten der Anleger. Die verbesserte Marktzugänglichkeit und erhöhte Marktliquidität fördern diesen Trend. Aufgrund der attraktiven Renditeerwartung und des Nachhaltigkeitsaspekts stehen sie mittlerweile bei vielen Anlegern hoch im Kurs. Die Anlageklasse hilft bei der Reduktion von Emissionen sowie der Erreichung der globalen Klimaziele und gilt damit als eine gute Ergänzung für nachhaltig ausgerichtete Portfolios.

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