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Zum COP 27: Drei Investment-Themen, die zum Klimaschutz beitragen

31. Oktober 2022

Lesezeit: 5 Minuten

von Thomas Hassl (LGT)

Zum COP 27: Drei Investment-Themen, die zum Klimaschutz beitragen

Welche Ergebnisse die diesjährige Klimaschutz-Konferenz COP 27 auch immer bringt: Anlegerinnen und Anleger können mit thematischen Investments das Klima schützen helfen. 

Auch bei der Konferenz im ägyptischen Scharm asch-Schaich finden sich wieder hochrangige Politikerinnen, Diplomaten und Vertreterinnen des privaten Sektors und von NGOs ein, um über konkrete Massnahmen zum Klimaschutz zu beraten. Doch die durchwachsene Bilanz der vorangegangenen internationalen Klimakonferenzen hat das Vertrauen in die Lösungskompetenz der Politik keineswegs gestärkt. Hinzu kommt die Befürchtung, dass die diesjährige Konferenz von geopolitischen Spannungen überschattet werden könnte.

Die Zeit wird knapp

Laut CO2-Uhr des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change bleiben der Menschheit gerade noch etwas mehr als zwei Jahrzehnte, um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen. Andernfalls liesse sich, so die Einschätzung der Experten des Instituts, ein Temperaturanstieg von mehr als 1.5° Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau nicht verhindern. 

Beim Übergang hin zu einer klimaneutralen Gesellschaft eröffnen sich Anlegerinnen und Anlegern neue Chancen.
Beim Übergang hin zu einer klimaneutralen Gesellschaft eröffnen sich Anlegerinnen und Anlegern neue Chancen (Photo © Keystone / Christian Beutler).

Wenn auch die Politik an ihre Grenzen zu stossen scheint, so können vielleicht Initiativen aus der Privatwirtschaft einen zusätzlichen substantiellen Beitrag leisten, um den Klimaschutz voranzubringen. Beim Übergang hin zu einer klimaneutralen Gesellschaft eröffnen sich Anlegerinnen und Anlegern neue Chancen, insbesondere in den Bereichen erneuerbare Energie, Mobilität und Energieeffizienz.

Gegen Müllberge: Kreislaufwirtschaft als Beispiel für nachhaltiges thematisches Investieren.

Thematisches Investieren mit Fokus Nachhaltigkeit

Anlegerinnen und Anleger können ökologische und gesellschaftliche Herausforderungen angehen, indem sie thematisch investieren. Die konkrete Umsetzung der thematischen Anlagestrategie ist von Anleger zu Anleger unterschiedlich. Spezialistinnen und Spezialisten setzen ihre Expertise und Erfahrung ein, um interessante Anlagemöglichkeiten in den Themenbereichen zu identifizieren, bei denen der Privatsektor eine Schlüsselrolle zur Bewältigung gesellschaftlicher und ökologischer Herausforderungen spielt. Denkbar sind zum Beispiel Engagements in den Bereichen, Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft oder Gesundheit und Wohlergehen.  

Mehr zu thematischem Investieren

Erneuerbare Energie statt fossiler Energieträger

In den kommenden Jahrzehnten muss es gelingen, den Energiebedarf zuverlässig mit erneuerbarer Energie zu decken, um bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Einerseits muss sich die Stromerzeugung wandeln, da sie laut Internationaler Energieagentur (IEA) derzeit noch für rund 40 Prozent der energiebedingten Treibhausgasemissionen sorgt.

Andererseits werden in den Bereichen, in denen eine Elektrifizierung aus technologischen oder wirtschaftlichen Gründen unattraktiv ist, emissionsarme Kraftstoffe dafür sorgen, dass weniger schädliche Treibhausgase ausgestossen werden. Beide Trends wollen wir uns genauer ansehen: 

Trend zur Elektrifizierung – mit Strom aus erneuerbaren Quellen

Wenn die Dekarbonisierung kohlenstoffintensiver Branchen vorangetrieben werden soll, muss statt auf fossile Energie vermehrt auf Strom aus erneuerbaren Quellen gesetzt werden.
Dekarbonisierung kohlenstoffintensiver Branchen: statt auf fossile Energie vermehrt auf Strom aus erneuerbaren Quellen setzen (Photo: © Keystone / DPA / Federico Gambarini).

Wenn die Dekarbonisierung kohlenstoffintensiver Branchen vorangetrieben werden soll, muss statt auf fossile Energie vermehrt auf Strom aus erneuerbaren Quellen gesetzt werden. Berechnungen der IEA gehen davon aus, dass sich der Anteil erneuerbarer Energie an der gesamten Stromerzeugung schon 2030 auf 60 Prozent belaufen sollte und bis 2050 auf knapp 90 Prozent steigen müsste, um 2050 klimaneutral zu werden. 

Wer dazu beitragen will, kann neben Entwicklern und Produzenten von Windkraft- oder Solaranlagen auch in andere Unternehmen investieren: Interessante Wachstumsperspektiven zeigen auch Energieversorger als Betreiber der Anlagen und Hersteller von Smart-Grid-Netzen.

Emissionsarme Treibstoffe – Alternative zur Verbesserung der CO2-Bilanz?

Luftfahrt: In einigen Bereichen scheidet Strom als Energielieferant aus.
In einigen Bereichen scheidet Strom als Energielieferant aus (Photo © Keystone / DPA / Ennio Leanza).

In einigen Bereichen scheidet Strom als Energielieferant aus, da technologische und wirtschaftliche Faktoren dagegensprechen. So ist zum Beispiel die Elektrifizierung der heute üblichen Verkehrsflugzeuge schwierig, da Batterien dafür zu schwer sind und ihre Kapazität zu gering ist. In diesen Fällen können emissionsarme Kraftstoffe eine Alternative sein, um die CO2-Emissionen zu reduzieren.

Dazu gehört zum Beispiel Ammoniak. Die Chemikalie könnte laut Experten insbesondere in der Schifffahrt zum Einsatz kommen. Was für den bisher ungewohnten Treibstoff spricht: Im Vergleich zu Wasserstoff ist er relativ einfach handhabbar. Ausserdem verbrennt er ohne Kohlendioxid freizusetzen.

Als Treibstoff der Zukunft preisen die Schlagzeilen jedoch meistens nicht Ammoniak, sondern Wasserstoff an. Ihm werden grosse Chancen für den Verkehr, die industrielle Produktionsprozesse sowie als Energiespeicher eingeräumt. Sein Potenzial ist beeindruckend: Bis 2050 könnte laut IEA die Nutzung von derzeit fast null auf 13 Prozent der weltweiten Energieversorgung klettern. Die Experten gehen davon aus, dass dies einen Jahresumsatz von 2.5 Billionen US-Dollar generieren könnte.

Die Entwicklung hin zur umfassenden Nutzung von Wasserstoff wird schrittweise vorangetrieben. Denn bis der sogenannte «grüne Wasserstoff», also der Wasserstoff, der nur aus Wasser und erneuerbarem Strom hergestellt wird, ausreichend zur Verfügung steht, wird Wasserstoff vorübergehend auch aus fossilen Energiequellen produziert werden. Dieser sogenannte «blaue Wasserstoff» wird insbesondere aus Erdgas hergestellt. Damit er möglichst klimaschonend ist, wird ein Teil des freigesetzten Kohlenstoffs abgeschieden, dann verwendet oder gespeichert. Damit wird auch der blaue Wasserstoff übergangsweise eine wichtige Rolle bei der Energiewende spielen, so Experten.

Wasserstoff-LKW: Die Entwicklung hin zur umfassenden Nutzung von Wasserstoff wird schrittweise vorangetrieben.
Wasserstoff-LKW: Die Entwicklung hin zur umfassenden Nutzung von Wasserstoff wird schrittweise vorangetrieben (Photo © Keystone / DPA / Patrick Pleul).

Demnach können je nach Anlageziel Investments in Hersteller von Elektrolyseur-Anlagen für grünen Wasserstoff interessant sein, wie auch in Technologien zur Kohlenstoffbindung. Zudem räumt die Internationale Energieagentur (IEA) auch Bio-Kraftstoffen eine wichtige Bedeutung auf dem Weg zu Netto-Null ein. 2050 könnten sie 17 Prozent der globalen Energieversorgung abdecken. Anleger mit Fokus auf Klimaschutz können demnach auch in diesem Bereich tätig werden.

Mobilität muss klimaneutral werden

Transportbereich: wichtiger Hebel zur Reduktion der CO2-Emissionen.
Transportbereich: wichtiger Hebel zur Reduktion der CO2-Emissionen (Photo © laif / Jochen Eckel / SZ Photo).

Ein weiterer wichtiger Hebel zur Reduktion der CO2-Emissionen ist der Transportbereich. Schon jetzt ist der Sektor für 24 Prozent der anthropogenen CO2-Emissionen verantwortlich; und der Bedarf an Mobilität wird in den kommenden Jahrzehnten angesichts der wachsenden und florierenden Weltbevölkerung noch steigen.

Wie im Energiesektor müssen auch hier die Bemühungen zur Elektrifizierung und zur Nutzung emissionsarmer Kraftstoffe Hand in Hand gehen, um bis Mitte des Jahrhunderts die Netto-Null Ziele zu erreichen. Elektrifiziert werden sollen nach Vorstellungen der IEA erst zwei- und dreirädrige Fahrzeuge, dann – bis Ende der 2040er-Jahre – auch Autos, Lieferwagen und die Bahn. Davon profitieren bestimmte Automobilhersteller wie auch Halbleiter- und Batteriespezialisten. 

Im Gegensatz zu den oben genannten Fahrzeugen können schwere Nutzfahrzeuge wie auch Schiffe und Flugzeuge nur selten mit batterieelektrischen Antrieben versehen werden. Die Bemühungen zur Dekarbonisierung konzentrieren sich deswegen auf emissionsarme Kraftstoffe wie Biokraftstoff und Wasserstoff, wie auch die Steigerung der Effizienz durch technische Verbesserungen und betriebliche Optimierungen. 

Daneben gibt es gerade im Bereich Mobilität weitere Alternativen, die den Menschen helfen, zum Beispiel auch ohne das eigene Auto mobil zu sein. Wenn noch mehr Menschen auf öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder und E-Bikes umsteigen als bisher, leistet das einen ganz konkreten Beitrag zur Realisierung der Klimaziele. Davon können Dienstleister im Bereich Shared Mobility ebenso profitieren wie Hersteller von Fahrrädern oder Schienenfahrzeugen. 

Klimaschutz durch Energieeffizienz

Reduzierung von Treibhausgasemissionen: Gebäude haben oft grosses Potential.
Wärmedämmung zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen: Gebäude haben oft grosses Potential (Photo © laif / Heiko Specht).

In Zeiten des Klimawandels braucht es mehr denn je kluge Lösungen, um den Energiebedarf zu reduzieren. Dabei gilt es, das Wirtschaftswachstum vom steigenden Energiebedarf zu entkoppeln. Die IEA schätzt, dass die Weltwirtschaft 2030 etwa 40 Prozent grösser sein wird als heute. Dabei werde sie aber sieben Prozent weniger Energie verbrauchen.

Dieses ambitionierte Ziel lasse sich durch die Kombination von energiesparendem Verhalten und verbesserter Energieeffizienz erreichen, zeigen sich die Expertinnen und Experten überzeugt. Besonderes Potential für mehr Energieeffizienz machen sie bei der Industrie, in Gebäuden und bei Maschinen aus.

Mit einem Anteil von 33 Prozent an den gesamten Treibhausgasemissionen sind Gebäude tatsächlich ein besonders lohnenswertes Feld für Verbesserungen im Sinne des Klimaschutzes. Mittels Sanierung und smarter Technologien kann ihr Energiebedarf deutlich gesenkt werden. Allerdings stellt der steigende Wohlstand eine besondere Herausforderung für gebäudebezogene Massnahmen zum Klimaschutz dar; denn damit gehen auch grössere Wohnflächen und die vermehrte Nutzung von Klimaanlagen und elektrischen Haushaltsgeräten einher. Insofern sind Lösungen von Unternehmen im Bereich Gebäudetechnik und Lichttechnik ebenso gefragt wie Produkte aus der Spezialchemie, die den Energieverbrauch von Gebäuden während ihrer Lebensdauer reduzieren.

Energieeffizienz: Die Industrie ist hier bereits einen Schritt weiter.
Energieeffizienz: Die Industrie ist hier bereits einen Schritt weiter (Photo © Keystone / Gaetan Bally).

Die Industrie ist hier bereits einen Schritt weiter und verfügt über vergleichsweise weniger Potenzial die Energieeffizienz weiter zu verbessern. Und dennoch: Mit cleverem Energiemanagement, einer weiteren Elektrifizierung und durch die Integration und Automatisierung von Prozessen lässt sich auch hier der Energieverbrauch weiter reduzieren. Würden zum Beispiel die in der EU laut Schätzungen genutzten 8 Milliarden Elektromotoren alle nach modernen Effizienzmassstäben betrieben, wäre die Energieeinsparung enorm.

Fazit

Die Beispiele verdeutlichen: Anlegerinnen und Anleger, die sich im Klimaschutz engagieren wollen, können dies mit der Fokussierung auf die oben genannten Themen gut erreichen. Aber es lohnt sich, genau hinzuschauen: Nicht zuletzt wegen des derzeit schwierigen Umfeldes rund um den Ukrainekrieg, die hohe Inflation und die Störungen in den globalen Lieferketten sollten Anleger auch in diesem Themenbereich selektiv bei ihren Investment-Entscheidungen vorgehen. 

Header Visual © laif /Gordon Welters. Photo in Textbox © laif / Photo Escapes / Robert Harding.

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