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Der passende Anlage-Stil

20. Mai 2021

Lesezeit: 5 Minuten

von Wilson Cheung, Investment Strategist und Stefan Hofer, Chief Investment Strategist (LGT Private Banking Asia)

Style Investing - Investments finden, die sich vom Durchschnitt abheben

In Zeiten des Wandels sollte man bisherige Annahmen kritisch hinterfragen, auch beim Anlagestil? Grund genug, einen Blick auf die verschiedenen Möglichkeiten von Anlegern zu werfen:

Wenn das Halten von Investments und das Timing der Märkte nicht zusammenpassen wollen

Eine der vielleicht am häufigsten wiederholten Maximen an den Finanzmärkten lautet, dass Aktionäre für Geduld und langfristiges Durchhaltevermögen belohnt werden. Hätte ein Anleger beispielsweise 1995 100 US-Dollar (USD) in eine Auswahl global diversifizierter Aktien investiert, läge seine Rendite per Ende April 2021 bei +367% - gemessen an der Entwicklung des MSCI All Countries USD Index.

Anders ausgedrückt: Über diesen sehr langen Zeitraum lag die durchschnittliche monatliche Rendite für globale Aktien bei 0,6 %. Der beste Monat brachte einen Gewinn von +12,4 %, während der schlechteste Monat einen Verlust von -30 % bescherte. Die Schwankungsbreite zwischen diesen Höchst- und Tiefstwerten ist signifikant. Zurecht verweisen einige Beobachter darauf, wie schwierig es ist, das richtige Timing zu finden.

Aktives Investieren oder obsessiver Timing-Fokus?

Jedoch kann auch das obsessive Bemühen, den genau richtigen Einstiegs- und Verkaufszeitpunkt zu finden, zu erheblichen Verluste führen. Im Vergleich dazu kann eine lange Haltefrist solche Höhen und Tiefen ausgleichen. Je länger also die Haltefrist ist, desto wahrscheinlicher wird, dass ein Anleger zumindest die Durchschnittsrendite erzielt.

Informationen und Insights

Als einer der Research Experten der LGT beobachtet Investment Strategist Wilson Cheung von Hong Kong aus die globalen Märkte. Weitere Insights zu den internationalen Finanzmärkten, Branchen und Unternehmen finden Sie unter:

Marktinformationen unserer Research-Experten

Wem eine solche langfristig ausgerichtete Strategie nicht zusagt, sollte folgendes bedenken: Um Erträge zu erzielen, die über der langfristigen Durchschnittsrendite liegen, muss man sogenannte "aktive Wetten" eingehen.

Varianten bei der aktiven Selektion: regional oder sektoral?

Statt in ein breit gestreutes Aktienportfolio zu investieren, kann man sich als aktiver Anleger bekanntermassen auf regionale oder sektorale Faktoren konzentrieren.

Die Regionen, in die traditionell am häufigsten investiert wird, sind unserer Ansicht nach die USA, die Eurozone, die Schwellenländer und Japan. Wenn wir die Renditen auf Basis einer gemeinsamen Währung betrachten (zum Beispiel in USD), dann lieferten US-Aktien zwischen 1995 und April 2021 die höchste durchschnittliche monatliche Rendite von +0,8 %. Europa und Japan lagen mit +0,6 % an zweiter Stelle und die Schwellenländer (in USD) mit 0,2 % an dritter Stelle. Doch lohnt ein Blick auf die Bandbreite der monatlichen Renditen dieser vier Regionen um zu erfahren, welche Gewinnchancen das aktive Investieren in diese Regionen ermöglicht hätte.

Die monatliche Bandbreite wird berechnet, indem man vom Markt mit der besten Performance den Markt mit der schlechtesten Performance abzieht. Demnach liegt die durchschnittliche monatliche Renditespanne langfristig gesehen bei 6,6 %. Das bedeutet, dass in jedem beliebigen Monat eine erfolgreiche Wette auf den Gewinnermarkt zu einer deutlich überdurchschnittlichen Performance geführt hätte. Genau das versuchen aktive Investmentmanager – und genau dafür verlangen sie Gebühren.

Die elf Sektoren der Finanzmärkte

MSCI und Standard & Poor's haben den Global Industry Classification Standard (GICS) entwickelt, um börsennotierte Unternehmen in verschiedene Klassen einzuteilen. Der GICS klassifiziert Unternehmen weltweit in elf Sektoren: Energie, Roh- und Grundstoffe, Industriegüter, zyklische Konsumgüter, Basiskonsumgüter, Gesunfheitswesen, Finanzen, IT, Kommunikationsdienstleistungen, Versorgungsunternehmen, Immobilien. Damit können Investoren ihr Portfolio besser ausbalancieren oder fokussieren.

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte MSCI (GICS) (in Englisch).

Beim aktiven Investieren in globale Sektoren sind die Chancen für eine Outperformance sogar noch grösser. Gemessen an der Wertentwicklung der elf globalen Standardsektoren liegt die Bandbreite bei der monatlichen Performance bei +9%. Die Chancen, den Marktdurchschnitt zu schlagen, sind bei einer aktiven Sektorauswahl also grösser, als wenn man lediglich zwischen Regionen auswählt. Allerdings ist auch das Verlustrisiko deutlich höher.

Wert oder Wachstum? Klassische Ansätze aktiven Investierens

Eine weitere gängige Maxime an den Finanzmärkten empfiehlt, nur in Anlagen zu investieren, die man kennt und versteht. Wer sich mit den Konjunkturzyklen, der Finanz- und Geldpolitik, Unternehmen, Sektoren und Märkten auseinandersetzt, so die Annahme, entwickelt Einstellungen oder Überzeugungen, auf deren Basis sich aktive Investmententscheidungen treffen lassen. Diese können sich im besten Falle zu einer umfassenden Investment-Philosophie entwickeln.

Bekannte Beispiele hierfür sind Value und Growth Investing. Value-Anleger suchen nach Aktien, die gemessen an ihrer fundamentalen Profitabilität günstig bewertetet sind. Growth-Anleger konzentrieren sich hingegen auf das Wachstumspotenzial zukünftiger Gewinne und legen weniger Wert auf aktuelle Bewertungskennzahlen.

Beide Ansätze spielen unter Investoren eine wichtige Rolle. Je nach dem untersuchten Zeitraum ist mal der eine Stil erfolgreicher, mal der andere. Aus diesem Grund finden sich in vielen Portfolios beide Ansätze -oder Investoren wechseln je nach Marktlage zwischen beiden Ansätzen.

Dividenden als Element der Investment-Strategie

Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Erholung in der ausgehenden Pandemie ist derzeit eine Renaissance der Dividenden-Orientierung zu beobachten. Wie die Grafik zeigt, spielen Dividenden auf längere Sicht tatsächlich eine wichtige Rolle für die Gesamtrendite von Aktien. Dies liegt teils daran, dass Unternehmen im Allgemeinen wieder Dividendenausschüttungen einführen oder erhöhen, wenn sie aufgrund einer anziehenden Weltwirtschaft wieder in die Gewinnzone zurückkehren.

Standard & Poors 500 vs. Index Gesamtrendite vs. Dividend Aristocrats

Die US-Investmentbank JP Morgan schätzt, dass im Jahr 2020 allein in Europa 236 Unternehmen im EuroStoxx600-Index ihre Dividende gekürzt haben. Mit der Beschleunigung der wirtschaftlichen Erholung in den Industrieländern könnten Anleger offensichtlich ihr Augenmerk auf Aktien mit Dividendenwachstum richten, um genau davon zu profitieren. Die Zukunft wird zeigen, wie viele dieser Unternehmen es sich wieder leisten können oder wollen, ihre Aktionäre so zu belohnen.

Dividenden-Aristokraten: "Cash Cow" für Investoren mit Dividenden-Fokus?

Tatsächlich gibt es eine interessante Variante des Investment-Motivs rund um Dividenden: Bestimmte Unternehmen werden als Dividenden-Aristokraten ("Dividend Artistocrats") bezeichnet, da sie ihre Dividendenausschüttung in den letzten 25 Jahren kontinuierlich erhöht haben. Wie die Grafik oben zeigt, überzeugt ihre langfristige Performance.

Bei der LGT sind wir starke Befürworter von Investitionen in Unternehmen, die ihre Ausschüttungen steigern können oder wollen. Im Jahr 2020 kam es jedoch in den meisten Regionen und Märkten zu drastischen Dividendenkürzungen; ganz besonders in Europa. Mit steigendem Cashflow könnten aber immer mehr Unternehmen diese Zahlungen wieder beschliessen. Deshalb gehen wir davon aus, dass die derzeitige wirtschaftliche Erholung dafür sorgt, dass dieser Investmentstil populär bleibt.

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