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Wirklich so exotisch? Lokalwährungsanleihen an den Frontier Markets

20. Januar 2022

Lesezeit: 8 Minuten

von Sven Lang, LGT Capital Partners

Frontier Markets bieten Anlegern neue Chancen.

Frontier Markets bieten Anlegern neue Chancen. Doch wie sieht es mit den Risiken aus?

Die Globalisierung hat die Welt in den letzten zwei Jahrzehnten immer mehr vernetzt. Mit ihr haben Anleger Zugang zu einer wachsenden Zahl von Investmentmöglichkeiten und Kapitalmärkten, insbesondere in den Schwellenländern. Starke Kapitalzuflüsse, eine verbesserte Situation bei der Liquidität und ein verbesserter Research haben seither dazu beigetragen, dass diese ehemals ungewöhnlichen Märkte an Reife gewonnen haben. Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten setzen sich Anleger deswegen immer häufiger mit Investitionen in sogenannten Frontier Markets auseinander.

Was sind Frontier Markets?

The little Book of Green Nudges
«Der Begriff des Frontier Markets wurde 1992 von der International Finance Corporation geprägt.» Photo: © Keystone / Martin Rütschi.

Der Begriff des Frontier Markets wurde 1992 von der International Finance Corporation geprägt. Die Tochtergesellschaft der Weltbankgruppe konzentriert sich auf die Entwicklung des Privatsektors in weniger entwickelten Ländern. Der Begriff beschreibt diejenigen Entwicklungsländer, in die Anleger investieren können, die aber oft kleiner, weniger entwickelt oder weniger zugänglich sind als Schwellenländer.

Im Allgemeinen sind die Grenzen zwischen entwickelten Ländern, Schwellenländern, Frontier-Ländern und anderen Entwicklungsländern fliessend. Zudem verwenden verschiedene Organisationen und Indexanbieter leicht unterschiedliche Definitionen. Deswegen ist es schwierig, einheitliche Kriterien zu finden, um die fast 140 unterschiedlichen Volkswirtschaften der Frontier Markets zusammenzufassen. In den meisten Fällen handelt es sich bei einem Frontier-Markt um eine schnell wachsende und sich industrialisierende Wirtschaft mit weniger entwickeltem Kapitalmarkt und jüngerer Bevölkerung. In Bezug auf die Wertschöpfung sind diese Volkswirtschaften stärker auf die Landwirtschaft und das verarbeitende Gewerbe ausgerichtet. Der Export einiger dieser Länder ist zudem auf Rohstoffe ausgerichtet.

Schnell wachsende Volkswirtschaften

In Asien gibt es viele Frontier Markets
Frontier Markets: «Darunter sind viele afrikanische Länder südlich der Sahara sowie verschiedene südostasiatische Länder.» Photo: © Cambodian Wonders / Alamy.

Es gibt einige gute Gründe für Anleger, die Frontier-Volkswirtschaften bei der Vermögensallokation zu berücksichtigen, sei es als Ergänzung oder als zentrale Komponente: Eine der wichtigsten Motive für Investitionen in Frontier- und Schwellenländer ist das Wachstumspotenzial. In der Tat sind die Volkswirtschaften der Frontier-Staaten in den letzten 20 Jahren um etwa 2 Prozentpunkte pro Jahr stärker gewachsen als die entwickelten Märkte. Laut Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) gelten achtundzwanzig der dreissig am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften für 2022 bis 2026 als Frontier-Märkte. Darunter sind viele afrikanische Länder südlich der Sahara sowie verschiedene südostasiatische Länder wie Bangladesch, Vietnam oder Kambodscha.

Strukturelle Vorteile der Frontier Markets

Im Gegensatz zu den fortgeschrittenen Volkswirtschaften lassen die Schwellenländer im Allgemeinen und die Frontier-Märkte im Besonderen eine günstige demografische Entwicklung in Form eines starken Bevölkerungswachstums erwarten. Was noch wichtiger ist: Das Bevölkerungswachstum bezieht sich insbesondere auf Menschen im erwerbsfähigen Alter. Historisch gesehen erfahren Länder, die diesen demografischen Vorteil erfolgreich nutzen, in der Regel einen Produktivitätsschub über zwei bis drei Jahrzehnte.

Länder, die diesen demografischen Vorteil erfolgreich nutzen, erfahren in der Regel einen Produktivitätsschub über zwei bis drei Jahrzehnte.

Der wachsende Produktions- und Dienstleistungssektor in den Frontier Markets fördert die Urbanisierung, da Menschen aus dem ländlichen Niedriglohnsektor in die Städte abwandern, um dort besser bezahlte Arbeit zu finden. Infolgedessen entstehen Infrastrukturen, Innovationszentren und Skaleneffekte, was wiederum die Produktivität steigert. Nach Angaben der Weltbank werden etwa 80 Prozent des weltweiten BIP in Städten erwirtschaftet.

Da die Beziehung zwischen Urbanisierung und Wachstum in der Regel nicht linear ist (z.B. muss die Ausbildung der Arbeitskräfte mit dem Ausbau der Infrastruktur und des öffentlichen Nahverkehrs Schritt halten), sind die höchsten Produktivitätsgewinne mit Urbanisierungsraten zwischen 35 und 55 Prozent verbunden. Nicht weniger als 45 Prozent aller Frontier-Märkte befinden sich derzeit in diesem «Urbanisierungs-Sweetspot». Etwa 91 Prozent aller Frontier-Volkswirtschaften bleiben auf einem Urbanisierungsniveau, das positive Produktivitätsbeiträge erwarten lässt.

Leapfrogging: Frontier Markets modernisieren sich schneller.
Leapfrogging: Frontier Markets überspringen Modernisierungsschritte. Photo: © Rob Francis / Alamy.

Die Effizienzgewinne in den Frontier-Volkswirtschaften werden durch technologisches «Leapfrogging» weiter beschleunigt. Der Begriff bedeutet die Möglichkeit, auf teure, weniger effiziente und veraltete Infrastrukturen wie Festnetztelefonie oder Geldautomaten zu verzichten und direkt auf drahtlose Kommunikation und mobilen Zahlungsverkehr überzugehen. Darüber hinaus verändert die Möglichkeit des Leapfrogging auch Ursprung und Richtung der Innovationsströme, da bestimmte Innovationen zuerst in Grenz- und Schwellenländern eingeführt oder vermarktet werden.

Soziale Medien, elektronischer Zahlungsverkehr und elektronischer Handel sowie digitale Gesundheitsfürsorge oder Online-Bildung sind nur einige Bereiche, die einem hierbei in den Sinn kommen. Diese Dynamik wird sich mit der zunehmenden Verbreitung des Internets wahrscheinlich noch verstärken. Heute sind fast 60 Prozent der Bevölkerung in den Entwicklungsländern an das Internet angeschlossen. Im Vergleich dazu waren es im Jahr 2010 weniger als 25 Prozent.

Obwohl das Wachstum in den Schwellenländern und Frontier Markets immer noch stark von Rohstoffen und/oder der verarbeitenden Industrie abhängt, ist das Bild heute differenzierter, insbesondere in den grösseren Entwicklungsländern. Zwar ist das Niveau der technologischen Entwicklung in Frontier-Volkswirtschaften noch nicht so hoch wie etwa in China oder Indien, doch wird der anhaltende Anstieg in der Sekundaren und Hochschulbildung der letzten zehn Jahre zusammen mit dem starken Bevölkerungswachstum den Talentpool und das Humankapital in den Entwicklungsländern weiterhin schnell vergrössern; und das sind die Faktoren, die auch das Wachstum verbessern und verbreitern helfen.

Diversifikation

Wie bereits erwähnt, bieten Investitionen in die Volkswirtschaften der Frontier-Märkte Zugang zu einigen der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt, zu einer wachsenden Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter und zu Gesellschaften, die sich rasch urbanisieren. Darüber hinaus erstreckt sich das Spektrum der Frontier-Länder über 140 Länder, und die wirtschaftlichen Entwicklungen sind wiederum sehr unterschiedlich. Die Frontier Markets reichen von einigen der ärmsten Ländern wie Sambia oder Bangladesch bis hin zu Ländern wie Kroatien oder Serbien, die sich dem Lebensstandard der Industrieländer bei vielen Kennzahlen annähern.

Die Heterogenität der Frontier-Märkte bietet den Anlegern eine grössere natürliche Diversifizierung.

Infolgedessen ist die Korrelation der Renditen der Frontier-Märkte in der Regel relativ gering, nicht nur in Bezug auf die globalen Kapitalmärkte sondern auch auf das Spektrum der Frontier-Märkte. So wird die Entdeckung neuer Öl- und Gasreserven vor der Küste Guyanas die Wachstumsraten im exportorientierten Vietnam kaum beeinflussen. Ebenso hat ein Regimewechsel in Peru wenig Bedeutung für die wirtschaftlichen Aussichten des dienstleistungsorientierten Rumäniens. Infolgedessen bietet die Heterogenität der Frontier-Märkte den Anlegern eine grössere natürliche Diversifizierung im Vergleich zu entwickelten und aufstrebenden Volkswirtschaften und verringert eine «Gefahr der Ansteckung» zwischen Frontier-Märkten. 

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Diversifizierung ist die Struktur des Marktes. Im Gegensatz zu den bekannten Märkten für Anleihen in Landeswährungen oder harte Währungen ist der Anteil ausländischer Investoren extrem gering. Stattdessen dient das lokale Finanzsystem (Pensionsfonds, Versicherungsgesellschaften, Banken) in den Frontier-Märkten als «natürlicher» Käufer von Staatsanleihen, die auf die lokale Währung ausgestellt sind. Infolgedessen sind die Frontier-Märkte im Vergleich zu anderen Anlageklassen deutlich weniger von starken Zu- oder Abflüssen betroffen – selbst im Falle einer aussergewöhnlich hohen oder niedrigen Risikoaversion unter globalen Anlegern. Positive und negative Ausreisser, die etwa von hoher Liquidität getrieben wären, wurden in dieser Anlageklasse nicht beobachtet. Infolgedessen waren bisher Korrelation und Volatilität geringer.

Fiskalische und monetäre Umsicht

Investitionen in die Volkswirtschaften der Frontier Markets sind, wie bei anderen Anlageklassen auch, mit spezifischen Risiken verbunden. Viele Frontier-Länder befinden sich noch im Anfangsstadium ihrer Entwicklung. Ausserdem gibt es eindeutig erkennbare Schwachstellen, da die lokalen Finanzmärkte und deren institutionelle Rahmenbedingungen noch nicht ausgereift sind. In den letzten zehn Jahren haben die politischen Entscheidungsträger in den Frontier-Märkten jedoch erkannt, wie wichtig Transparenz und Klarheit sowohl in der Finanz- als auch in der Geldpolitik sind.

Veränderte Innovationströme: Mobile Payment in den Frontier Markets.
Veränderte Innovationströme: Mobile Payment in den Frontier Markets. Photo: © Stephen Dorey ABIPP / Alamy.

Regierungen und Zentralbanken in den Frontier Markets haben in beiden Bereichen enorme Fortschritte gemacht und für eine bessere Vorhersehbarkeit der fiskal- und geldpolitischen Rahmenbedingungen gesorgt. So planen und aktualisieren sie die Staatshaushalte und formulieren Inflationsziele. Die Folgen dieser Massnahmen haben sich auch in den jüngsten Phasen globaler Belastungen gezeigt (z.B. bei den US-Präsidentschaftswahlen im Herbst 2016, bei der Verschärfung der geldpolitischen Bedingungen im Jahr 2018 und seit Beginn der Covid-19-Krise im Jahr 2020). Vor diesem Hintergrund hat sich die Performance von Lokalwährungsanleihen der Frontier-Märkte als defensiver erwiesen als die von traditionellen Lokal- und Hartwährungsanleihen der Schwellenländer.

Die Kombination aus Vorteilen in Sachen Diversifikation innerhalb des Spektrums, geringer Korrelation zu anderen Anlageklassen und die erhöhte fiskalische und monetäre Vorsicht in vielen Ländern, haben im Laufe der Zeit risikobereinigt zu sehr günstigen absoluten und relativen Renditen geführt. Trotz der Risiken, die, wie bereits erwähnt, mit Frontier-Märkten verbunden sind, sind die Merkmale bei einer Kurskorrektur in Krisenzeiten aussergewöhnlich. Daher war die Beimischung von Schuldtiteln aus Frontier-Märkten in Landeswährung zu einem Anlageportfolio bisher für Anleger sehr vorteilhaft – und die Muster bei der Wertentwicklung dieser Anlageklasse waren keinesfalls exotisch.

Investieren in Staatsanleihen von Frontier Markets - mit dem Fürstlichen Portfolio

Frontier Markets im Fürstlichen Portfolio

LGT Capital Partners ist seit Langem von der Strategie überzeugt, in Staatsanleihen der Emerging Markets zu investieren. Heute arbeitet ein Team von acht 8 Experten auf diesem Gebiet.

Angesichts der Attraktivität, der positiven Entwicklungen und der Charakteristika der Frontier-Märkte hat LGT Capital Partners vor kurzem seine Möglichkeiten erweitert und das Angebot für Anlagestrategien in Staatsanleihen von Schwellenländern und insbesondere von Frontier-Märkten verbessert. Dafür wurde das Kompetenzzentrum für festverzinsliche Wertpapiere um ein Team von sechs erfahrenen Fachleuten mit einer langjährigen Erfolgsbilanz erweitert.

Die sechs zusätzlichen Fachleute bei LGT Capital Partners haben als Team strategisch in Staatsanleihen in Schwellenländer und Frontier-Märkte investiert und verfügen über eine nachgewiesene Erfolgsbilanz, die auf profunder Erfahrung, auch über mehrere Marktzyklen hinweg, beruht. Ihre langfristigen Investmenteinsichten sowie ihr Ansatz zur systematischen Integration von ESG in den Anlageprozess passen sehr gut zu den Anlageüberzeugungen von LGT Capital Partners.

Weitere Informationen: The Fürstliche Strategie.

Header-Photo: © Angela Bellas / Alamy. Photo in Textbox: © Soma / Alamy. 

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