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Persönlichkeiten der Börsenwelt: Robert C. Merton

10. November 2022

Lesezeit: 3 Minuten

von Sidi Staub, LGT

Persönlichkeiten der Börsenwelt: Harry Markowitz

Der Wirtschaftsnobelpreisträger, der beinahe zum Mitauslöser einer globalen Finanzkrise wurde.

In den 1980er-Jahren tauchte an der Wallstreet ein neuer Typus Banker auf: Quants oder Eggheads, also Eierköpfe, nannten traditionelle Investmentbanker die Wissenschaftler, die sie in zunehmender Zahl von den Universitäten abwarben. Oft waren dies hochbegabte Mathematiker, Ökonomen und Physiker. Mit ihren quantitativen Modellen und Algorhythmen revolutionierten sie die Finanzmärkte und ebneten den Weg für die heutigen computerbasierten Anlage- und Handelsstrategien.

Erste Aktie mit elf Jahren

Einer dieser Eierköpfe war Robert C. Merton, ein brillanter junger Ökonom aus New York, der ursprünglich angewandte Mathematik studiert hatte und seit seiner Jugend an Geld- und Finanzfragen interessiert war. Mit acht Jahren hatte er bereits ein Haushaltsbudget für seine Mutter erstellt, mit elf seine erste Aktie gekauft. Während seines Master-Studiums ging er jeweils frühmorgens vor Studienbeginn zu seinem Broker, um mit Aktien, Wandelanleihen und Optionen zu handeln. Nach seiner Promotion wurde Merton 1970 Dozent am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Dort traf er auf andere Eggheads, unter ihnen Myron Scholes und Fischer Black, mit denen er eine neue Methode zur Bewertung von Aktienoptionen entwickelte. Dieses als Black-Scholes berühmt gewordene Modell lieferte erstmals eine Formel, um den Wert von Optionen mathematisch zu berechnen und ermöglichte damit den bis heute anhaltenden Aufschwung dieser Finanzinstrumente.

Nobelpreis für Optionsmodell

1994 gründete John W. Meriwether, in Ungnade gefallener ehemaliger Leiter des Bondhandels einer grossen Investmentbank, einen neuartigen Hedgefonds. Er nannte diesen Long-Term Capital Management, kurz LTCM. Als Partner holte er Merton und Scholes an Bord. Die Idee war, den Fonds auf der Basis mathematischer Algorhythmen wie der Black-Scholes-Formel zu managen. In den Anfangsjahren war der Fonds tatsächlich überdurchschnittlich erfolgreich und bei Grossinvestoren und Banken heiss begehrt. Dies erst recht, als 1997 Merton und Scholes den Nobelpreis für ihr Optionspreismodell erhielten. Bis zum Jahr 1998 hatte LTCM nach einer Schätzung Kontrakte für Derivate, Swaps und andere komplexe Finanzinstrumente im Gesamtwert von einer Billion Dollar abgeschlossen. Der grösstenteils mit Bankkrediten finanzierte Fonds war damit auf ein Volumen gewachsen, das ihn zur potentiellen Bedrohung für das ganze Finanzsystem machte. Im Herbst 1998, nur ein Jahr nach der Verleihung des Nobelpreises an die beiden Mitgründer, verzeichnete LTCM im Gefolge der Asien- und Russlandkrise sowie aufgrund von Fehlspekulationen mit italienischen Staatsanleihen riesige Verluste, die das Überleben des Hedge-Funds in Frage stellten. Um einen Zusammenbruch der weltweiten Finanzmärkte zu verhindern, musste schliesslich mit Hilfe der US-Notenbank ein Milliarden-Rettungspaket geschnürt werden.

Kein Imageverlust

Ob die Modelle und Algorhythmen am Fall von LTCM schuld waren oder einfach schlechtes Risikomanagement, ist bis heute umstritten. Dem Image Mertons hat diese Episode kaum geschadet. Er lehrte bis 2010 an der Harvard University und kehrte dann als hochdekorierter Professor an das MIT zurück, wo er heute noch als Distinguished Professor of Finance lehrt. 2010 meinte er in einem Interview, die Finanzkrise von 2008 habe gezeigt, dass es immer wichtiger werde, komplizierte Finanzinstrumente und -modelle zu verstehen. Keine Bank könne ohne diese auskommen und es gehe einfach darum, sie richtig anzuwenden. Seine Aussage wäre wohl auch für den LTCM-Zusammenbruch zutreffend gewesen.

Portrait in Header Visual © Peter Boer / De Beeldunie / laif.

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