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Was Anleger lesen sollten: Bloomberg Businessweek

21. Februar 2022

Lesezeit: 5 Minuten

von Renzo Ruf, Gastautor

B

Die Verpackung mag etwas schräg sein, der Inhalt ist aber grundsolide.

Eigentlich ist «Bloomberg Businessweek» ein altmodischer Gemischtwarenladen: Eine Zeitschrift, die seit fast 100 Jahren im Wochenrhythmus erscheint und «wie niemand anders» über das weltweite Geschäftsleben berichtet, wie es in der Eigenwerbung heisst. Weil die Redaktion dabei auf 2’700 Angestellte zurückgreifen kann, die für den Informationsdienst Bloomberg arbeiten und in mehr als 70 Ländern präsent sind, ist die Artikel-Palette entsprechend gross. Auf eine Reportage über die Dürre in Iran folgt ein Porträt von Tobi Lütke, dem in Deutschland geborenen Konzernchef des trendigen Amazon-Konkurrenten Shopify. Und nach einem Kommentar zur Geldpolitik der Federal Reserve ist ein Artikel über die aggressive Strategie des Autobauers Tesla in China zu lesen. Manchmal ist das ganze Heft auch nur einem Thema gewidmet, das alle anderen News überlagert: Der Covid-Pandemie beispielsweise. 

Kreatives Design

Der Auftritt von «Bloomberg Businessweek» ist aber alles andere als altbacken. Dafür verantwortlich ist Chris Nosenzo, seit vier Jahren als «Creative Director» des Magazins tätig. Mit ungewöhnlichen Fotografien, schrägen Illustrationen und einem bisweilen geradezu anarchischen Seitenlayout gelingt es dem Graphiker Woche für Woche, selbst trockene Themen ansprechend zu präsentieren. Dabei nimmt sich der «Creative Director» nicht besonders wichtig; gleich neben dem Inhaltsverzeichnis erscheint jeweils ein (wohl fiktionaler) Dialog zwischen Nosenzo und Mitarbeitern, in dem die Entstehungsgeschichte des Titelbildes nacherzählt wird. So witzelte Nosenzo kürzlich über die Ähnlichkeit zwischen Lütke und Amazon-Chef Jeff Bezos und über rigide Rechtsschreiberegeln seines Arbeitgebers, an die er sich nicht halten wolle.

Nosenzo hat die moderne Bildsprache von «Bloomberg Businessweek» nicht erfunden. Er trat vielmehr in die Fussstapfen von Richard Turley, der nach der Übernahme der Zeitschrift «Businessweek» durch das Medienhaus Bloomberg im Jahr 2010 der neuen Publikation seinen Stempel aufdrückte. So experimentierte Turley mit unterschiedlichen Schriftgrössen oder mit Illustrationen, in denen er häufig sexuelle Anspielungen platzierte. Er amüsiere sich eben gerne über Ungezogenheiten und liebe rotzigen Humor, sagte der preisgekrönte Turley vor einigen Jahren.

Die Bildsprache von Nosenzo ist im Vergleich dazu zahm. Angesprochen auf seinen Vorgänger Turley sagte er kürzlich: Nach der Finanzkrise sei die Leserschaft offen für ironische Betrachtungen gewesen. Deshalb seien die Design-Ideen seines Vorgängers auf Anklang gestossen. «Nun aber gibt es ein Bedürfnis für etwas Direkteres.»

… aber auch hohe Qualität der Inhalte

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Bloomberg Business Week: Hochwertiger Journalismus, attraktiv verpackt

Vielleicht war die Kurskorrektur aber auch angebracht, weil angesichts der Lobeshymnen auf das Layout der überdurchschnittlich gute Wirtschaftsjournalismus, der in «Bloomberg Businessweek» publiziert wird, in den Hintergrund rückte. Und eigentlich hatte sich der Besitzer der Publikation, der gleichnamige Medienunternehmer und Politiker Mike Bloomberg, die Vorgänger-Publikation «Businessweek» gekauft, weil er ein Aushängeschild für sein multimediales Imperium benötigte.

Der Deal hinter dem damaligen Deal: «Businessweek», im Jahr 1929 in New York ins Leben gerufen und im Besitz des Schulbuchverlags McGraw-Hill, lieferte den guten Namen und die Reichweite. Die Publikation galt in Amerika bis zuletzt als renommiert, obwohl sie bereits vor der Finanzkrise unter dem Strukturwandel in der amerikanischen Medienbranche litt. Bloomberg hingegen lieferte den Inhalt, die packenden Reportagen und Recherchen aus dem Wirtschaftsmilieu. Manchmal greift der Besitzer, dank einem geschätzten Vermögen von 70 Milliarden Dollar einer der reichsten Amerikaner, auch selbst in die Tasten und veröffentlicht einen Kommentar.

Dessert inbegriffen

Für Bloomberg zahlte sich die Lancierung der neuen Zeitschrift damit wohl aus, obwohl «Bloomberg Businessweek» rote Zahlen schreibt und die Auflage der nordamerikanischen Ausgabe offiziell auf 311'000 Exemplare gefallen ist. Die Publikation gilt in Politik und Wirtschaft als zuverlässige Informationsquelle. Der Aufbau des Magazins ist Woche für Woche gleich. Auf die Rubriken «Business», «Technology», «Finance», «Economics» und «Politics» folgen die «Features», längere Porträts von Wirtschaftskapitänen oder Recherchen zu einem Thema, das die Leserinnen und Leser bewegt. Abgeschlossen wird die jeweilige Ausgabe mit einem publizistischen Dessert: Die Rubrik «Pursuits» ist Luxusgütern, exotischen Ferienzielen und anderen teuren Spässen gewidmet, von denen die meisten Leserinnen und Leser wohl nur träumen können. 

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