Skip navigation Scroll to top
Scroll to top

Festung der Sonne: Mihir Garh, Rajasthan

22. September 2021

Lesezeit: 7 Minuten

von Ollie Horne, Cereal Magazine

Mihir Garh Rajasthan

Von Marwari Pferden, Chai und Ingwer: Eine Reise ins Mihir Garh in Rajasthan.

Ein Mann steht aufrecht hoch oben in einem Baum. Präzise und geschmeidig schneidet er blättrige Äste ab, die unter ihm auf seine mampfenden Ziegen fallen. Eine Herde Chinkara – indische Gazellen – vollführt sein Sprungballett durch das dornige Gestrüpp. Unsichtbare Vögel trillern, während unsere Jeep-Reifen über den trockenen, staubigen Pfad rollen.

Mihir Garh

Schliesslich kommen Sandsteinmauern und Brüstungen zum Vorschein, die von der untergehenden Sonne in goldenes Licht getaucht werden: Das Festungshotel Mihir Garh, "Festung der Sonne". Es erhebt sich nahtlos aus den Dünen der Wüste Thar. Marwari-Pferde scharren im Staub vor den Mauern. Auf uns aufmerksam geworden wölben sich ihre Ohren nach innen und ähneln den Blütenblättern einer unbekannten Blume. Als der brummende Motor abstellt, kehrt Stille ein.

Ich trete durch ein imposantes Tor in den Schatten eines Hofes, wo ein Brunnen leise vor sich hinplätschert. Als ich die steinernen Stufen zur oberen Terrasse hinaufsteige, werde ich herzlich empfangen und zu meiner Suite geführt. Das dunkle Holz glänzt, und von der privaten Terrasse weht eine Brise herein, die die Vorhänge und Rajasthan-Textilien im Zimmer sanft bewegt.

Mihir Garh

Ich setze mich nach draussen und giesse einen bräunlichen Chai, dickflüssig mit Büffelmilch, in einen kleinen Tonbecher. Ich klemme den Henkel zwischen Finger und Daumen und nippe daran, während ich über das flache Land blicke. Der Ingwer ist feurig, die Nelken würzig und perfekt ausbalanciert mit starker Süsse. Vögel flattern zwischen den Terrassensäulen und verirren sich gelegentlich durch die offenen Fenster des Schlafzimmers; Chinkara springen durch die staubigen Sträucher darunter. Weiter draussen reiten zwei Gäste auf braunen Marwari-Pferden von den Ställen zurück zum Fort.

Mihir Garh

Seine sandfarbenen Fassaden fügen sich harmonisch in die staubige Ebene ein, doch im Gegensatz zu vielen anderen historischen Garhs in Rajasthan wurde Mihir Garh erst 2009 fertiggestellt. Das von einheimischen Handwerkern errichtete Fort wurde nach traditionellen Methoden gestaltet; die Feuerstelle der Suite, die aus getrocknetem Lehm und Kuhdung besteht, ist im Stil der nahe gelegenen Dörfer Khandi und Haji gehalten.

Mihir Garh

Morgen werde ich mich aufmachen, um diese Dörfer zu erkunden. Ich werde auf sonnenverbrannten Pfaden an leuchtend gelben Senffeldern vorbeigehen und in einem Dorf mit runden, strohgedeckten Lehmhütten anhalten. Ich werde beobachten, wie ein Marwari-Musiker eine Ravanahatha in die Hand nimmt, wobei sich sein gewaltiger, schwarz-grauer Schnurrbart wie eine schneebedeckte Felswand über seinen Mund wölbt. Im Schneidersitz auf einem Boden aus gepackter Erde sitzend, das kleine Holzinstrument am Arm ausgestreckt, streicht er mit dem Rosshaarbogen kräftig über die Saiten und zaubert damit einen ebenso fröhlichen wie melancholischen Klang; die Glocken des Bogens klirren bei jedem rhythmischen Schwung seines Ellbogens, und die Saiten scheinen den Geist Rajasthans selbst zu beschwören.

Alle Bilder: Rich Stapleton

Mehr über Cereal

Cereal ist eine der weltweit führenden unabhängigen Publikationen über Reisen, Kunst, Design und Stil. Das Magazin erscheint halbjährlich, ist in über 45 Ländern erhältlich und bietet Geschichten aus der ganzen Welt. Weitere Informationen finden Sie unter readcereal.com, oder folgen Sie @cerealmag

Mehr vom LGT Online Magazin?

Hinterlassen Sie Ihre E-Mail-Adresse und erhalten per Newsletter regelmäßig das Aktuellste vom LGT Online Magazin.
Newsletter abonnieren