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Die etwas andere Safari

18. November 2020

Lesezeit: 4 Minuten

von Antonia Strachwitz, LGT Venture Philanthropy

Maasai Mara

Unvergessliche Erfahrung für Touristen und Naturschutz in einem: Entdecken Sie die Maasai Mara Conservancies in Kenia.

Es ist einer dieser speziellen Orte in der Welt, mit denen man sich sofort verbunden fühlt – selbst wenn man noch nie dort war. Das Ökosystem der Mara-Serengeti in Kenia und Tansania ist eine der ikonischsten Landschaften Afrikas, bekannt aus Dokumentarfilmen und Bildern, aber Filmen – die Eröffnungsaufnahmen von König der Löwen beispielsweise zeigen genau dieses Ökosystem. 

Aber es ist nicht nur seine Schönheit, die beeindruckt: Das Ökosystem der Mara-Serengeti beherbergt mehr als 40% der grossen Säugetiere des Kontinents – auf winzigen 0,08% seiner Fläche. Seit Tausenden von Jahren ist es die Heimat von Menschen und Tieren. Diese Symbiose ist in den letzten Jahrzehnten jedoch gestört worden – mit dramatischen Folgen: Nach Angaben der Kenya Wildlife Conservancies Association hat Kenia allein in den letzten 30 Jahren 70% seiner Wildtiere verloren. 

Forscher unter der Leitung der Universität Groningen fanden heraus, dass in den an die Mara-Serengeti angrenzenden Gebieten – Regionen, die für die Ausbreitung, Wanderung und Fortpflanzung von Wildtieren von entscheidender Bedeutung sind – die menschliche Population in den letzten zehn Jahren um 400% zugenommen hat, während die grösseren Wildtierpopulationen auf der kenianischen Seite um mehr als 75% zurückgegangen sind. 

Maasai Mara Kenia
Das Maasai Mara National Reserve ist Teil des Ökosystems der Mara-Serengeti in Kenia.

Abzäunung, Konflikte zwischen Mensch und Tieren und Wilderei gehören zu den grössten Bedrohungen für die Fauna. Zunehmende menschliche Aktivitäten stören das Ökosystem. Wenn man bedenkt, dass 70% der kenianischen Wildtiere auf eben diesen Weideflächen ausserhalb der geschützten Nationalparks und Reservate leben, werden die Ursachen für ihren drastischen Rückgang schnell deutlich – aber auch eine Möglichkeit, den Trend umzukehren. 

Maasai Mara Wildlife Conservancies haben eine einfache, aber effektive Lösung gefunden, um den katastrophalen Rückgang des Ökosystems und der Artenvielfalt zu stoppen: Einheimische Massai-Landbesitzer verpachten ihr Land an die Naturschutzgebiete, die sichere Lebens-, Wander- und Brutgebiete für Tiere bieten. Die Schutzgebiete ermöglichen eine begrenzte Anzahl Touristen, die als Haupteinnahmequelle zur Finanzierung des Modells dienen. 

Diese Regelung hat Vorteile für alle Beteiligten: Die Landbesitzer behalten ihr Land und erhalten gleichzeitig ein regelmässiges Einkommen für sich und ihre Familien; die Tiere können in Frieden leben und dazu beitragen, das Ökosystem gesund zu halten; und der Tourismus schafft Arbeitsplätze und Einkommen, während er den Reisenden ein atemberaubendes Erlebnis inmitten der "Big Five" Kenias bietet: Löwen, Leoparden, Nashörner, Elefanten und afrikanische Büffel.  

Eine einfache, aber wirksame Lösung

Im Jahr 2013 schlossen sich die Gründer von Naturschutzorganisationen, Gemeinden, Landbesitzer und Tourismusunternehmen zusammen, um eine Union zu gründen, die die Bemühungen im gesamten Greater Mara Ecosystem besser koordinieren und als gemeinsame Plattform, Verwalter, Fürsprecher und Innovator in einem dienen sollte. Die Maasai Mara Wildlife Conservancies Association (MMWCA) war geboren. 

Seither spielt die MMWCA eine zentrale Rolle bei der Vertretung der Interessen der Massai-Gemeinschaften und der Naturschutzorganisationen auf regionaler Ebene und darüber hinaus. Die Organisation ist tief in der Gemeinschaft verwurzelt und dient allen Interessengruppen als gemeinsame Plattform, die die jeweiligen Interessen bündelt und es ihnen ermöglicht, mit einer einheitlichen Stimme aufzutreten und zu agieren, während sie sich für das Naturschutzmodell einsetzt und ihm zu mehr Wachstum verhilft. Seit 2013 ist die MMWCA massgeblich an der Verdoppelung der durch Naturschutzgebiete geschützten Fläche beteiligt.

Maasai Mara Kenia Safari

Das Ökosystem der Mara-Serengeti beherbergt mehr als 40% der grossen Säugetiere des Kontinents.

Im Einklang mit dem Ansatz von LGT Venture Philanthropy (LGT VP), mehr als nur finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, unterstützen sie die MMWCA nicht nur mit Spenden: Sechs LGT Impact Fellows arbeiten seit 2016 in der Mara und verstärken das Team vor Ort strategisch in den Bereichen Kommunikation, Fundraising, Operations, Monitoring und Evaluation. 

LGT VP hat auch mit Partnern zusammengearbeitet, um das Team der MMWCA arbeitstechnisch zu unterstützen: Sie führten zum Beispiel Schulungen durch, die es MMWCA ermöglichten, effizienter zusammenzuarbeiten, strategische Einstellungen vorzunehmen und ihre Prozesse, Berichterstattung, Datenerfassung und das Projektmanagement zu verbessern. 

Covid-19: Eine existentielle Bedrohung

In diesem Jahr wurden die Grundlagen der MMWCA einer beispiellosen Belastungsprobe unterzogen: Die COVID-19-Krise brachte den Tourismus zum Erliegen und zerstörte damit die Haupteinnahmequelle zur Bezahlung von Pachtgebühren, Farmern und Naturschutzmassnahmen. Angesichts dieser existenziellen Bedrohung nutzte MMWCA sofort ihre starken Beziehungen zu den lokalen Gemeinschaften, die sie über die Jahre aufgebaut hatten, und arbeiteten mit einer kleinen Gruppe vertrauenswürdiger Unterstützer, darunter der LGT VP, zusammen, um einen umfassenden Nothilfeplan zu entwerfen und zu finanzieren. Ziel war es, die Mara-Schutzgebiete in den nächsten 12 bis 18 Monaten über Wasser zu halten. 

Gleichzeitig war MMWCA in der Lage, innerhalb der Gemeinden und zwischen den Landbesitzern rasch einen Maklerkonsens zu erzielen, um eine vorübergehende Senkung der Landpachtgebühren um bis zu 50% durchzuwinken. Der endgültige Plan sieht eine Mischung aus Zuschussfinanzierungen und Darlehensstrukturen vor; dies von kleinen Partnern, staatlichen Akteuren und Naturschutz-Giganten wie Conservation International.

Maasai Mara
Nachhaltiger Tourismus hilft auch der Lokalbevölkerung.

Ein grosser Teil des erforderlichen Kapitals konnte in nur wenigen Wochen erfolgreich aufgebracht werden, und der Plan wurde sofort in die Tat umgesetzt, wobei die ersten Mittel im Sommer bei den Naturschutzorganisationen ankamen. Die LGT VP leistete ihren Beitrag über eine COVID-19-Notfallfinanzierungsfazilität, die sich an Portfolio-Organisationen richtet, deren Tätigkeiten unter den lähmenden Auswirkungen des Virus leiden. Spenden von LGT Mitarbeitenden, Kunden und Privatpersonen im Jahr 2019 brachten zusätzliche Unterstützung.  

Weniger Abhängigkeit vom Tourismus

Es ist noch zu früh, um sagen zu können, dass MMWCA und die Mara-Schutzgebiete die Krise überleben werden, aber der Tourismus kehrt langsam in die Mara zurück, und dank des Nothilfeplans kann MMWCA aufatmen und einen Teil seiner Energie in seine Kerntätigkeiten und laufenden Projekte zurückfliessen lassen. 

Während die Fundraising-Bemühungen für den Nothilfeplan fortgesetzt werden, wird 2021 auch mit dem Bau einer neuen Bildungseinrichtung begonnen, die teilweise von LGT VP finanziert wird. Das neue Wildlife Tourism College soll eine Berufsausbildung in den Bereichen Gastgewerbe und Ökosystemmanagement anbieten, aber auch ein Forschungszentrum mit internationalen Partnern werden. 

Darüber hinaus wird das MMWCA seine Aktivitäten und Bemühungen um die Schaffung alternativer Einkommensquellen für Naturschutzgebiete intensivieren, um seine Abhängigkeit vom Tourismus, der nun exponierten Achillesferse des Modells, zu verringern. LGT VP wird diese Bemühungen weiterhin fördern, insbesondere im Bereich der Wiederaufforstung und der Erforschung des Potenzials von Emissionsgutschriften.

Bilder: Siegfried Modola

Philanthropisch engagiert

LGT Venture Philanthropy (LGT VP) ist eine unabhängige gemeinnützige Stiftung, deren Ziel es ist, die Lebensqualität benachteiligter Menschen nachhaltig zu verbessern, und einen Beitrag zu gesunden Ökosystemen sowie zu widerstandsfähigen, florierenden und sozial integrativen Gemeinschaften zu leisten. LGT VP stellt Organisationen mit effektiven, innovativen und skalierbaren Lösungen für soziale und ökologische Herausforderungen philanthropisches Kapital zur Verfügung und trägt so direkt zu den «Sustainable Development Goals» bei. Die Stiftung unterstützt in erster Linie Organisationen mit Sitz in Schwellenländern, die sich auf Sektoren mit positiver Wirkung konzentrieren, darunter Bildung, Gesundheit und Umwelt. Auch Spenden leitet LGT VP gerne weiter.

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