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Die letzte Meile gehen

2. September 2020

Lesezeit: 8 Minuten

von Laura Gianesi, LGT

Last Mile Health

Bei der liberianischen NGO Last Mile Health hilft Amy Walburn mit, medizinische Grundversorgung in entlegene Gebiete zu bringen. Was die Amerikanerin nach Liberia brachte.

"Schon als Teenager zu Hause in den USA beschäftigte mich die eklatante Ungerechtigkeit in der Welt. Als ich dann meinen ersten Job bei einer Mikrofinanzorganisation in Haiti antrat, wurde mir schnell klar, dass mein Religionsstudium mich nicht sehr weit bringen würde. Ich erkannte, wie wichtig und unterschätzt betriebswirtschaftliches Grundwissen für gemeinnützige Organisationen ist. Das grösste Potential liegt nämlich in Bereichen, die normalerweise vernachlässigt werden – zum Beispiel die Verbesserung der Effizienz, die Strategieentwicklung oder die Verbesserung der Personalarbeit. 

Deshalb schrieb ich mich für einen Master of Business Administration ein, und zwar in Beirut. Während ich dort lebte und arbeitete, nahm mein damaliger Mann einen Job in Liberia an, und da die Situation in Beirut während des Arabischen Frühlings immer unsicherer wurde, beschloss ich, ihm nachzureisen. Ich wollte nur einen Monat bleiben, aber verliebte mich in das Land, sodass ich schliesslich fast vier Jahre dort lebte.

Last Mile Health
Spitäler sind oft meilenweit entfernt. Bild: © Last Mile Health

Ich wollte unbedingt im öffentlichen Gesundheitswesen arbeiten, das besonders stark auf Unterstützung angewiesen war. Der Bürgerkrieg in Liberia war 2003 beendet worden und hatte eine zerstörte Gesundheitsinfrastruktur hinterlassen. Die meisten Ärzte waren geflohen und kehrten nicht mehr zurück. Was die Gesundheitskrise noch verschärfte, war die grosse Anzahl Menschen, die in abgelegenen Gebieten wohnten. Auch heute noch lebt mehr als ein Drittel der 4,7 Millionen Einwohner Liberias in ländlichen Gemeinden mit eingeschränktem oder gar keinem Zugang zu medizinischer Grundversorgung. Auch wenn ich kein Arzt war, konnte ich mit meinem betriebswirtschaftlichen Wissen Mehrwert schaffen – aber eine entsprechende Position in einer Gesundheitsorganisation mit realistischen und inspirierenden Visionen war schwer zu finden.  

Dann hörte ich zum ersten Mal von Last Mile Health. Die Hilfsorganisation hatte einen innovativen Weg gefunden, um die Gesundheitskrise in Liberia zu bekämpfen: Sie bildet "community health workers" aus, also Helfer, die Gesundheitsdienstleistungen für alle und überall zugänglich machen. Diese Helfer werden vor Ort in ihrer Heimatgemeinde rekrutiert und ausgebildet, um Krankheiten wie Malaria und Durchfall direkt zu bekämpfen. Auf diese Weise kann auch denjenigen geholfen werden, die weit entfernt vom nächsten Gesundheitszentrum leben – insbesondere jungen Müttern und Kindern. Zentral an diesem Konzept ist auch, dass die Gesundheitshelfer für ihre Arbeit angemessen bezahlt werden, sodass sie sich und ihre Familien ernähren können. 

Last Mile Health
Die "community health workers" von Last Mile Health helfen vor Ort. Bild: © Last Mile Health

Da Last Mile Health unglaublich schnell wuchs, begann die Organisation, neue Stellen zu schaffen und ihre organisatorischen Kapazitäten auszubauen. Die bereits erreichten Resultate verblüfften mich. Aber ich wusste auch, dass sie effiziente interne Strukturen und weitere Finanzmittel benötigten, um ihre Arbeit erfolgreich auszubauen und mehr Patienten zu erreichen. Ich bewarb mich umgehend für eine Stelle in Monrovia – und bekam den Job. Zunächst arbeitete ich als Direktor für nationale Partnerschaften und unterstützte unser Fundraising. Zwei Jahre lang arbeitete ich in dieser Position, heute leite ich als Chief Development Officer unsere Fundraising-Aktivitäten und Partnerschaften.

Übersehene Komplexität

Während meiner ersten Jahre bei Last Mile Health wuchs die Organisation sehr schnell. Als Last Mile Health 2007 gegründet wurde, verfügte sie über ein Jahresbudget von weniger als 100 000 US Dollar. Acht Jahre später war diese Zahl auf 9 Millionen US Dollar gestiegen. Spenden kamen hauptsächlich von Finanzinstitutionen wie der LGT, aber auch von Stiftungen und Partnern aus dem Privatsektor. Wir wuchsen so schnell, dass unsere administrativen Bereiche wie Finanzen und Personalwesen bald aus dem Fokus gerieten.

Last Mile Health
Amy Walburn, Chief Development Officer bei Last Mile Health

Um hier Abhilfe zu schaffen, war LGT Venture Philanthropy (LGT VP) ein hervorragender Partner. Die meisten Finanzierungspartner sind Feuer und Flamme für unsere Ergebnisse – beispielsweise die Anzahl Patienten, deren Leben gerettet wurde. Das ist zwar wichtig, aber es ist ebenso zentral, dass Bereiche wie die IT-Infrastruktur, die Finanzierung oder unsere Personaladministration effizient funktionieren. Tom Kagerer, einer der Investment Directors von LGT VP, hat eng mit unserem Team zusammengearbeitet und versteht auch diese Aspekte unserer Arbeit.  Er hat uns geholfen, neue Prozesse zu definieren, Führungspositionen zu rekrutieren sowie langfristige Strategien und Ziele zu entwickeln. 

Last Mile Health
Last Mile Health unterstützt auch die Regierung Malawis. Bild: © Last Mile Health

Wichtig für das Wachstum unserer Organisation ist jetzt, dass wir schlank und effizient bleiben. Wir wollen nicht einfach um des Wachstums Willen wachsen. Zum Beispiel haben wir kürzlich begonnen, mit der Regierung von Malawi zusammenzuarbeiten. Unser Ziel ist dabei nicht, die grösste NGO des Landes zu werden. Stattdessen fragen wir uns, wie wir unsere Fähigkeiten und unser Fachwissen einsetzen können, um die Regierung Malawis beim Aufbau eines nationalen Gesundheitsprogramms wirksam zu unterstützen. 

Heute unterstützen wir die liberianische und malawische Regierung bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Gesundheitsprogramme. Damit werden wir vom Umsetzer zum Berater. Die Idee ist, dass die Regierungen die Gesundheitshelfer selbst anstellen, während wir unsere Erfahrung und unser Fachwissen für den Aufbau und die Aufrechterhaltung dieser Programme anbieten. In Liberia ist es unser Ziel, die Regierung bis 2021 bei der Ausbildung von 4000 Gesundheitshelfern zu unterstützen. Die LGT VP hilft aktiv mit, unsere Ziele zu erreichen – zusammen setzen wir Meilensteine, überwachen Fortschritte und korrigieren den Kurs, wenn etwas nicht gut funktioniert. Zudem verfügt LGT VP über ein Portfolio von Hilfsorganisationen, von denen LMH lernen kann, wie zum Beispiel mothers2mothers. Diese NGO ist auch in Malawi präsent und unterstützt HIV-infizierte Mütter und ihre Kinder. Dank LGT VP haben wir so die Möglichkeit, von anderen zu lernen, die bereits Erfahrungen mit dem malawischen Gesundheitssystem gemacht haben. 

Ich bin stolz auf unser Wachstum, habe aber auch einen gewissen Respekt vor dem Unbekannten. Wenn wir unsere Arbeit in neuen Ländern wie Malawi vorantreiben, müssen wir noch sehr viel lernen. Gleichzeitig freuen wir uns über diese Chance, noch mehr Menschen helfen zu können."

Philanthropisches Engagement

Last Mile Health wurde 2007 in Liberia gegründet, um auch in abgelegenen Gebieten mit lokalen Gesundheitshelfern eine medizinische Grundversorgung sicherzustellen. Heute berät die Hilfsorganisation auch Regierungen bei der Entwicklung und Umsetzung qualitativ hochwertiger Gesundheitssysteme. Dabei versorgen lokale Gesundheitshelfer die Bevölkerung. LMH ist seit 2018 eine Portfolioorganisation von LGT Venture Philanthropy. Zusätzlich zur finanziellen Unterstützung profitiert die Organisation vom betriebswirtschaftlichen Know-how und dem Netzwerk von LGT VP. 

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