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In Wasser investieren: Knappe Ressourcen nachhaltig nutzen

8. November 2022

Lesezeit: 6 Minuten

von Tobias Aellig, LGT Equity Analyst

In Wasser investieren

Die weltweite Nachfrage nach Süsswasser steigt stark, gleichzeitig wird es immer knapper. Wie Anlegerinnen und Anleger mit den richtigen Investitionen helfen, Wasserkrisen zu vermeiden.

Zwar sind 70% der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt, aber das zugängliche Süsswasser macht lediglich 0.5% davon aus. Ausserdem sind die Ressourcen geografisch sehr ungleich verteilt: Das Wasserschloss Schweiz auf der einen, Länder wie Äthiopien oder Regionen wie Kalifornien auf der anderen Seite. Und: Das Angebot bleibt aufgrund des geschlossenen Wasserkreislaufs begrenzt. Gleichzeitig steigt die Nachfrage kontinuierlich. 

Dürren investieren
Wie Wüstenboden: Der ausgetrocknete Fischteich in Reckahn in Brandenburg. © Jochen Eckel/SZ Photo/laif

Zahlreiche Einflussfaktoren verschärfen das Problem der Wasserknappheit – wie das rasante Bevölkerungswachstum, die Urbanisierung, der steigende Wasserbedarf aus Landwirtschaft, Industrie und dem Energiesektor sowie die Umweltverschmutzung. Dazu kommt der Klimawandel.

Der Sommer 2022 dürfte in die Geschichtsbücher eingehen: Europa litt unter der wohl schlimmsten Dürre seit mehr als 500 Jahren. Extremwetterereignisse wie dieses sind exemplarisch für die Klimaerwärmung – und werden uns in Zukunft wohl vermehrt treffen. Sie stellen die gesamte Menschheit vor immer grössere Herausforderungen.

Das World Resources Institute (WRI) schätzt, dass bis 2030 die Nachfrage nach Süsswasser das Angebot um 56% übersteigen wird, sofern keine Gegenmassnahmen ergriffen werden. Die Vereinten Nationen haben den Handlungsbedarf erkannt und sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen als eines der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung definiert.

Benjamin Franklins Aussage «When the well is dry, we know the worth of water» beschreibt den aktuellen Umgang mit der lebenswichtigen Ressource ziemlich gut. Viele Regierungen, Unternehmen und sonstige Akteure vernachlässigen Wasserrisiken – bis eine Krise eintritt.

Um Wasserkrisen zu verhindern und den Zugang zu sauberem Wasser langfristig sicherzustellen, bedarf es eines nachhaltigeren Umgangs entlang der gesamten Wasserwertschöpfungskette. Um dies zu erreichen, sind enorme Investitionen notwendig – Investitionen, die sowohl für Unternehmen als auch Anlegerinnen und Anleger interessant sein können. 

Ineffizienzen beseitigen: Wasserinfrastruktur und Abwasserbehandlung

    Die Wasserwertschöpfungskette umfasst in ihrer einfachsten Form vier Schritte:

    1. Wasserbeschaffung,
    2. Transport,
    3. Verwendung,
    4. Wasser- und Abwasserbehandlung.

    Um die Wasserversorgung zu verbessern, müssen Ineffizienzen entlang der Wertschöpfungskette beseitigt werden.

    Wasserstress
    In Regionen wie Kalifornien wird der Wasserstress immer grösser werden. © istock/Peter Schaefer

    Weltweit besteht ein grosser Bedarf an Investments in die Wasserinfrastruktur. Während in Entwicklungsländern ihr Aufbau im Vordergrund steht, liegt der Fokus in den entwickelten Ländern auf der Modernisierung und dem Ausbau der Infrastruktur. In den Vereinigten Staaten gehen beispielsweise täglich 14 bis 18% des aufbereiteten Trinkwassers durch Lecks und Rohrbrüche verloren. In Städten wie Delhi sind es sogar über 50%. Diese Wasserverluste führen auch bei Versorgungsunternehmen zu erheblichen Umsatzeinbussen (sog. non-revenue water). Zum Vergleich: Mit den Wassermengen, die jedes Jahr «verloren» gehen, könnte man den Zürichsee über 32 Mal komplett auffüllen.

    Unternehmen, die zur effizienteren Wasserverteilung beitragen, dürften von den erforderlichen Infrastrukturinvestitionen profitieren. Dazu gehören beispielsweise Anbieter von zuverlässigen Rohrleitungssystemen oder Unternehmen, die eine bessere Überwachung der Versorgungssysteme ermöglichen.

    Wasserreinigung
    Begrenztes Süsswasser erfordert eine bessere Wassernutzung: Eine Wasseraufbereitungs- und -reinigungsstation in Le Grau du Roi. © Matthieu Colin/hemis/laif

      Ein weiterer Ansatzpunkt, um das begrenzte Süsswasser besser zu nutzen, ist die Abwasserbehandlung. Weltweit werden enorme Mengen an Abwasser produziert – Tendenz steigend. Zum Vergleich: Die weltweite Abwassermenge entspricht ungefähr dem fünffachen Volumen, das jährlich durch die Niagara Fälle fliesst. Umso erstaunlicher ist es, dass etwa 80% davon ohne Behandlung oder Wiederverwendung ins Ökosystem zurückgelangt. Dies ist nicht nur aus ökologischer Sicht äusserst bedenklich, sondern bietet auch grosses Potenzial, die knappen Wasservorräte zu entlasten – indem Abwasser gereinigt und so oft wie möglich wiederverwendet wird.

      Zu den Unternehmen, die von dieser Recycling-Notwendigkeit profitieren dürften, gehören zum Beispiel Entwickler und Betreiber von Wasserreinigungsanlagen, sowie Anbieter, welche die dafür notwendige Ausrüstung bereitstellen, wie z.B. Filtrationssysteme.

      In Wasser investieren: Langfristige Trends

      Schweiz Wasserschloss
      Gemäss Schätzungen von Global Water Intelligence dürfte der globale Wassermarkt im Jahr 2023 eine Grösse von USD 915 Mrd. erreichen. © GettyImages/Mystockimages

      Der globale Wassermarkt umfasst viele verschiedene Bereiche – vorwiegend jedoch Unternehmen aus dem Versorgungs- und Industriesektor. Versorger bereiten das Wasser auf, beliefern Haushalte und Unternehmen, und kümmern sich anschliessend um die Entsorgung und Behandlung von Abwasser. Industrieunternehmen hingegen sind zu einem grossen Teil deren Zulieferer, und bieten beispielsweise Filtrations-, Rohrleitungs- und Pumpensysteme oder Wasserzähler an.

      Der Wassersektor wird durch zahlreiche langfristige Trends wie zum Beispiel das Bevölkerungswachstum angetrieben. Folgende Entwicklungen dürften in den kommenden Dekaden für steigende Geldflüsse in den Wassersektor sorgen:

      • Die Umsetzung von strikteren Umweltvorschriften,
      • zunehmender Wasserstress,
      • sowie ein grosser Nachholbedarf bei Infrastrukturinvestitionen.

      So sieht beispielsweise das unter Präsident Biden beschlossene Infrastrukturpaket zusätzliche Investitionen in der Höhe von USD 55 Mrd. für die Wasserversorgung vor.

      Gemäss Schätzungen von Global Water Intelligence dürfte der globale Wassermarkt im Jahr 2023 eine Grösse von USD 915 Mrd. erreichen, was einem Anstieg von 50% gegenüber dem Jahr 2014 entspricht. 

      Nachhaltig Wasser nutzen

      Wie können Privatanlegerinnen und -anleger vom Wachstumspotenzial im Wassersektor profitieren?

      Langfristig orientierten Investorinnen und Investoren, die ihr Portfolio um Anlagen im Wasserbereich ergänzen möchten, stehen verschiedene Möglichkeiten offen. Einerseits können sie in Aktien von Unternehmen investieren, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen Wasserrisiken adressieren. Dabei gibt es sowohl kleinere, fokussierte Wasserunternehmen als auch grössere Konzerne, deren Wasser-Exposure – trotz grossem Einfluss – nur einen Teil des Gesamtgeschäfts ausmacht. Nebst der Vermeidung von Klumpenrisiken gilt es zu beachten, dass Industrietitel tendenziell etwas konjunktursensitiver sind als Versorger-Aktien. Für eine diversifiziertere Lösung bieten sich aktiv gemanagte Fonds oder ETFs an, die in verschiedene Unternehmen und Segmente des Wassersektors investieren.

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