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Nachhaltige Ernährung dank Covid und Green Deal?

20. September 2021

Lesezeit: 10 Minuten

von Baiyun Chen, LGT

Ernährung investieren

Unsere Ernährung wird immer nachhaltiger. Zwei Faktoren verstärken diesen Trend: Covid-19 und der Green Deal der EU. Das ist auch für Investoren interessant. 

Die Covid-19-Pandemie hat zwischenzeitlich zu erheblichen Störungen der Nahrungsmittel-Lieferkette geführt. Bald befürchtete man Engpässe: Würden sich die Regale in den Supermärkten leeren? Musste man möglichst schnell möglichst viel kaufen, um im schlimmsten Fall über die Runden zu kommen?

 Diese Szenarien traten nicht ein. Die Lebensmittelversorgung hat sich in der Krise als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen. So hat der Ausnahmezustand zu enormem Stress in der Landwirtschaft sowie in den Bereichen Verarbeitung, Transport und Logistik geführt, doch Lieferanten haben schnell und innovativ reagiert: Sie weiteten etwa Dienste wie "click and collect" – dank denen Kunden Waren online bestellen und an festgelegten Orten abholen konnten – aus und erhöhten ihre Online-Präsenz. Auch Landwirte haben verstärkt auf digitale Plattformen gesetzt, um ihre Produkte direkt an die Konsumenten zu verkaufen. Restaurants sind dazu übergegangen, Takeaway-und Lieferservices anzubieten, und einige haben auf lebensmittelähnliche Dienstleistungen umgestellt, indem sie beispielsweise Zutatenboxen statt fertiger Mahlzeiten verkauft haben.

Covid Ernährung
Während der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach frischen Lebensmitteln sprunghaft gestiegen. © istock

Zusätzlich haben wir eine rasche und beispiellose Veränderung des Konsumverhaltens als direkte Folge der Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie erlebt. Die Nachfrage nach frischen, gefrorenen und verpackten Lebensmitteln stieg in der zweiten Märzhälfte 2020 sprunghaft und liegt nach wie vor etwa 15 bis 20% über dem üblichen Niveau.

Auch der Online-Handel hat massiv an Bedeutung gewonnen, so sind beispielsweise in den USA 41% der Online-Lebensmittelkäufer während der Pandemie Erstnutzer. Schätzungen zufolge wird Covid-19 die Online-Durchdringung des globalen Lebensmittelmarktes um vier bis fünf Jahre vorantreiben und die Landschaft des Lebensmitteleinzelhandels nachhaltig verändern.

Diese Entwicklung dürfte die Ernährungsgewohnheiten und das Verbraucherverhalten auf längere Sicht beeinflussen, was die Gelegenheit bietet, den Fortschritt im Lebensmittel- und Agrarsektor zu beschleunigen und ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken.

Europas Green Deal verändert unser Ernährungssystem

Der European Green Deal, ein Eckpfeiler des Konjunkturprogramms der EU, umfasst eine Reihe von politischen Initiativen und ist ein Baustein des Fiskalpakets, das die Europäische Kommission verabschiedet hat. Das übergeordnete Ziel ist es, dass Europa bis 2050 klimaneutral ist. Mit Massnahmen und Investitionen zur Förderung der Ressourceneffizienz soll ein sauberer und nachhaltiger Wirtschaftskreislauf entstehen.

Als wesentlicher Bestandteil des Green Deal zielt die Strategie "Farm to Fork" ("Vom Bauernhof bis zur Gabel") darauf ab, ein faires, gesundes und umweltfreundliches Ernährungssystem zu entwerfen, indem eine nachhaltige Lebensmittelproduktion gewährleistet und eine gesunde und nachhaltige Ernährung gefördert wird.

Covid Ernährung
Zwar kam es hie und da zu Engpässen, doch die Essens-Lieferanten haben schnell und innovativ reagiert. © istock

Zunächst einmal ist die Lebensmittelindustrie aufgefordert, Nachhaltigkeit in die Unternehmensstrategien zu integrieren. Die "Farm to Fork"-Strategie zielt darauf ab, schädliche Umweltauswirkungen der Lebensmittelverarbeitung und des Einzelhandels durch Massnahmen in den Bereichen Transport, Lagerung, Verpackung und Lebensmittelabfälle zu verringern.   

Zweitens wird die Umstellung auf eine gesunde und nachhaltige Ernährung betont und erleichtert. Im Jahr 2022 wird eine obligatorische Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite der Verpackungen eingeführt. Zudem wird die Lebensmittelversorgungskette stark digitalisiert, damit Konsumenten einen besseren Zugang zu Lebensmittelinformationen haben und eine gesunde Wahl treffen können. Die Digitalisierung dürfte auch eine klimafreundliche Landwirtschaft erleichtern, etwa durch den Einsatz von Präzisionslandwirtschaft, künstlicher Intelligenz und neuen grünen Technologien.

Pestizide reduzieren
Die EU will bis 2030 den Einsatz von Pestiziden um 50% und von Düngemitteln um 20% reduzieren. © istock

Die "Farm to Fork"-Strategie für nachhaltige Lebensmittel eröffnet allen Akteuren entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette neue Möglichkeiten – insbesondere aber denjenigen, die nachhaltig agieren. Die Europäische Kommission schlägt vor, 10 Mrd. Euro für Forschung und Investitionen in die Lebensmittelversorgungskette auszugeben, z.B. für den Einsatz digitaler Technologien und die nachhaltige Bewirtschaftung der Natur.

Die ökologische Lebensmittelproduktion wird im Mittelpunkt stehen, da die EU bis 2030 den Einsatz von Pestiziden um 50% und von Düngemitteln um 20% reduzieren will, während der Anteil der ökologischen Landwirtschaft um 25% erhöht werden soll. Zudem werden steuerliche Anreize geschaffen, um den Verbrauch ökologischer Lebensmittel zu fördern und den Übergang zu einem nachhaltigen Lebensmittelsystem voranzutreiben. Ein weiterer Schlüsselbereich der Forschung konzentriert sich auf die Entwicklung von alternativen Proteinquellen auf Pflanzen- und Insektenbasis sowie Fleischersatzprodukten.

Lebensmittel und Ernährung bleiben somit langfristige und nachhaltige Anlagethemen, die weiteres Aufwärtspotenzial bieten.

Key-Takeaways zu Investments in Nahrungsmittel während der Pandemie

  • Die Corona-Pandemie hat zu Veränderungen in der Nahrungsmittel-Lieferkette und im Konsumverhalten geführt
  • Der EU Green Deal fördert Investitionen in die nachhaltige Lebensmittelproduktion und in gesunde Ernährung
  • Lebensmittel und Ernährung bleiben langfristige und nachhaltige Anlagethemen, die weiteres Aufwärtspotenzial bieten

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