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Was bedeuten Netto-Null-Emissionen?

28. Juni 2021

Lesezeit: 10 Minuten

von Simon Usborne, Gastautor

Netto Null

Immer mehr Unternehmen verpflichten sich öffentlich zu Net Zero. Was bedeutet das Versprechen? Und wie ist es überhaupt machbar, "Netto-Null" zu sein?

Es waren ein paar schwindelerregende Jahre. Ein Unternehmen nach dem anderen hat sich verpflichtet, seine Auswirkungen auf die Umwelt zu reduzieren, indem es die momentan angesagtesten drei Wörter der Businesswelt verkündete: Net Zero Pledge; das Bekenntnis zu Netto-Null-Emissionen.

2020 sind die Versprechen von Unternehmen, ihre Emissionen auf Netto-Null zu reduzieren, weltweit auf 1500 angestiegen und haben sich damit mehr als verdreifacht. Die sogenannten "Net Zero Pledges" oder "Netto-Null-Emissionen" unterstreichen die Rolle des Privatsektors bei der Bewältigung der Klimakrise. Aber diese Versprechen laden auch zum Nachfragen ein: Was bedeutet ein Netto-Null-Versprechen überhaupt?

Was ist Netto Null

Was sind "Netto-Null-Emissionen"?

"Netto-Null- Emissionen" sind weit von "Absolut-Null" entfernt. Damit ein Unternehmen sein Versprechen von Netto-Null-Emissionen einhalten kann, muss es so viel Kohlenstoff aus der Atmosphäre entfernen, wie es ihr hinzufügt. Der effektivste Weg, dies zu erreichen, ist durch die Reduktion von Emissionen. Diese entstehen beispielsweise durch Pendeln, Geschäftsreisen und Heizungen. "Wir werden immer einen gewissen Anteil an CO2-Emissionen haben", sagt Ursula Finsterwald, Head Group Sustainability Management bei der LGT.

Ursula Finsterwald sagt, dass die Bekenntnisse von Unternehmen zu Netto-Null-Emissionen 2015 an Fahrt gewannen, als die Welt das Pariser Abkommen unterzeichnete und sich verpflichtete, bis 2050 weltweit keine Emissionen mehr zu verursachen. Ziel des Abkommens war es, die Erderwärmung auf 1.5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Lösungen für Netto-Null-Emissionen sollten auch "in Sektoren wettbewerbsfähig sein, die mehr als 70 Prozent der globalen Emissionen ausmachen", so das Abkommen, das 2016 in Kraft getreten ist.

Netto-Null-Emissionen: Der Druck steigt

"Ich denke, im letzten Jahr ist der Druck enorm gestiegen und er wird noch weiter wachsen, vor allem jetzt, wo alle auf COP26 hinarbeiten", sagt Finsterwald. COP26, die UN-Klimakonferenz, die im November dieses Jahres in Glasgow stattfinden soll, will die Massnahmen zur Erreichung der in Paris festgelegten Ziele beschleunigen.

Ursula Finsterwald
Ursula Finsterwald, Head Group Sustainability Management: "Es wird unrentabel werden, nicht nachhaltig zu sein ."

Bei ihrem eigenen Bekenntnis zu Netto-Null-Emissionen konzentriert sich die LGT auf drei Aspekte. Vor der Pandemie führte man betriebliche Emissionen vor allem auf Geschäftsreisen zurück. Um diese auszugleichen, beteiligt sich eine Firma an Projekten in den Bereichen erneuerbare Energien, Aufforstung und regenerative Landwirtschaft – ein Ansatz, der die Nachhaltigkeit und die Widerstandsfähigkeit des Landes in Zeiten des Klimawandels fördert.

Der umfassendere Ansatz hingegen beinhaltet nicht nur betriebliche Emissionen, sondern auch Investitionen in neue Technologien und Projekte, die Emissionen effizienter und effektiver ausgleichen, beispielsweise durch die Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoff.

Firmen, die so ihre Emissionen ausgleichen, erhalten ein Entfernungszertifikat. Das sind digitale, handelbare Vermögenswerte, die bestätigen, wie viele Tonnen CO2 in einem kohlenstoffnegativen Produkt absorbiert und gespeichert wurden. Unternehmen wie South Pole stellen solche Zertifikate aus.

Netto-Null-Investments: Eine Herausforderung

Die grösste Herausforderung beim Erreichen von Netto-Null ist laut Finsterwald – neben der Reduzierung und dem Ausgleich der betrieblichen Emissionen – das Erreichen von Netto-Null bei den Investitionen. Die LGT will bis 2030 nicht nur auf Betriebs-, sondern auch auf Investmentebene Netto-Null sein. "Geschäftsreisen sind unser grösster Emittent, weil wir eine internationale Bank sind. Aber Investitionen in CO2-intensive Sektoren wären weitaus grössere Emittenten", sagt sie.

Investment Net Zero
"Wenn Sie als Anleger zum Beispiel in den Zementsektor investieren und Anteile an einem Unternehmen haben, explodieren Ihre CO2-Emissionen geradezu."

"Wenn Sie als Anleger zum Beispiel in den Zementsektor investieren und Anteile an einem Unternehmen haben, explodieren Ihre CO2-Emissionen geradezu." Das Gleiche gilt für fossile Brennstoffe. Um zu wissen, wie kostspielig solche Investitionen sein können, muss man Daten sammeln. "Wir wollen beispielsweise wissen, welche Emissionen durch unsere Hypotheken entstehen: Wie hoch ist der Energieverbrauch des Hauses, für das wir den Kredit vergeben?" 

Unternehmen sehen sich zunehmend in der Kritik, weil sie Netto-Null-Versprechen verkünden, aber zum Beispiel weiterhin in Ölfirmen investieren. "Fossile Brennstoffe müssen Teil des Übergangs sein, weil die Welt immer noch von ihnen abhängt", sagt Finsterwald. "Wir wollen Teil der Veränderung sein, und das bedeutet, nur in Unternehmen zu investieren, die auch an die Zukunft denken."

Natürlich besteht die Gefahr des Greenwashings, wenn weniger fortschrittliche Unternehmen sich zu Netto-Null-Emissionen bekennen und gleichzeitig nach Schlupflöchern suchen. Finsterwald unterstützt daher eine bessere Regulierung der Umzugszertifikat-Industrie, um Firmen an ihre Versprechen zu binden.

Climeworks
Die erste kommerzielle Anlage, die Treibhausgas aus der Luft filtert, steht in Hinwil in der Schweiz. © Keystone / Branko de Lang

Aber wie bei alem, was mit Umweltschutz zu tun hat, ist es der Profit, der den Weg in eine grünere Zukunft vorantreibt. Wir stehen kurz vor einem Wendepunkt, an dem die Vermeidung solcher Bekenntnisse zu Netto-Null-Emissionen – und der dafür erforderlichen Transparenz – nicht nur die Umwelt, sondern auch die Gewinne der Unternehmen bedroht.

Jüngste Untersuchungen in den USA haben gezeigt, dass dieser Effekt selbst in den schmutzigsten Branchen greift, nämlich bei Energie-, Versorger- und Industrieunternehmen. Diese machen laut Bank of America weniger als 15 Prozent des Marktwerts des S&P 500 aus, verursachen aber 70 Prozent der Emissionen. Unternehmen in diesen Sektoren, die sich zu Netto-Null-Emissionen bekannten, wiesen signifikant höhere prognostizierte Bewertungen auf als solche ohne Zusage. "Es zahlt sich aus, ein Datum festzulegen", schlussfolgerte die Bank of America. 

In vielen Branchen werden Geschäftslizenzen zunehmend von transparenten Nachhaltigkeitsversprechen abhängen. "Die Businesswelt entwickelt sich so schnell", sagt Finsterwald. "Ich glaube, dass alles in zehn Jahren ganz anders aussehen wird. Es wird unrentabel werden, nicht nachhaltig zu sein – weil das niemand mehr will." 

LGT verpflichtet sich zu Netto-Null-Emissionen bis 2030

LGT Private Banking wird die Nettoemissionen bis 2030 auf null senken. Mit diesem Schritt unterstreicht die LGT erneut ihr Engagement für das Pariser Klimaabkommen und einen nachhaltigen Finanzsektor.

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