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LGT Investorama: Die Zauberworte heissen Diversifikation und Qualität

5. Oktober 2017

Das globale Wachstum geht wegen struktureller Veränderungen zurück, während sich die globalen Aktienindizes seit acht Jahren im anhaltenden Höhenflug befinden. In Zeiten solcher Divergenz sind Anleger gut beraten, den Fokus auf Diversifikation und Qualität zu legen.

Obwohl Donald Trump vor und nach seinem Amtsantritt ein Theaterspektakel aufgeführt hat, sind seine Beliebtheitswerte beim Publikum im Keller. Kein anderer Präsident der jüngeren Vergangenheit war seit seiner Vereidigung so unpopulär. Trump hat ein jährliches Wachstum von vier Prozent in Aussicht gestellt und nennt dabei die Ära Reagan gerne als Vorbild. Das angestrebte Ziel will er unter anderem erreichen, indem er der 'grösste Job-produzierende Präsident der USA wird, den Gott jemals geschaffen hat'. Er will milliardenschwere Investitionen in Strassen, Brücken und Flughäfen tätigen und mit der grössten Steuerreform seit Jahrzehnten Unternehmer und Arbeitnehmer entlasten. Obwohl Trump auf dem Nachrichtensender seiner Facebook-Seite etwas anderes behauptet, bleibt er das Einlösen seiner Versprechen noch schuldig.

Man muss wissen, dass die amerikanische Wirtschaft seit dem Jahr 2000 nie mehr ein Jahr lang mit vier Prozent gewachsen ist. Die britische Wochenzeitschrift «The Economist» hat dies sehr prägnant auf einer ihrer Titelseiten dargestellt. Ein frustrierter Jockey umhüllt von einer amerikanischen Flagge versucht eine behäbige Riesenschildkröte zum Rennen zu bewegen. Überschrift: «Amerikas verloren gegangener Schwung». Dies trifft indes nicht nur auf die USA, sondern auf alle reifen Volkswirtschaften zu. Gemäss dem Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung handelt es sich dabei nicht um eine zyklische wirtschaftliche Talsohle. Der Wachstumsrückgang ist die Folge struktureller Veränderungen. Die Wachstumstreiber der Vergangenheit verlieren an Dynamik. Das Bevölkerungswachstum klingt aus, die Gesellschaften altern, und die Innovationskraft und Produktivität – das heisst mehr Güter mit gleichem oder sogar geringerem Aufwand herzustellen – erhöhen sich immer langsamer. Zudem wirkt sich die steigende Ungleichheit in vielen Gesellschaften negativ auf die Konsummöglichkeiten aus. Nicht zu vergessen sind die Bremseffekte durch ökologische Schäden, hervorgerufen durch den Rohstoffverbrauch und die Emissionen einer Milliardenbevölkerung. Geringes Wachstum stellt zukünftig möglicherweise den Normalfall dar.

Wie lässt sich in Anbetracht des schwindenden Wachstums aber erklären, dass sich die globalen Aktienindizes seit acht Jahren auf einem anhaltenden Höhenflug befinden? Aus dem Bauch heraus sollten die Real- und die Finanzwirtschaft eng miteinander verbunden sein. Wenn dem so ist, müssten die Renditen der Unternehmen die Wirtschaftsentwicklung widerspiegeln. Der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter hat die Finanzwirtschaft mit einem Hund verglichen. Der Hund folgt auf einem gemeinsamen Spazierweg seinem behäbigen Herrn, der Realwirtschaft, auch wenn er einmal voraus eilt und dann wieder etwas hinterher läuft. In der Realität ist leider kein deutlicher Zusammenhang erkennbar.

Die Zerlegung der Aktienrendite deckt einen Grund für die fehlende Beziehung zwischen Wirtschaftswachstum und Aktienerträge auf. Die Aktienrendite setzt sich aus drei Komponenten zusammen: der Dividende, der Änderung des Bewertungsniveaus und der Gewinnsteigerung pro Aktie. Studien belegen, dass, wenn überhaupt, nur die dritte Komponente einen Bezug zum Wirtschaftswachstum hat. Aber nicht das Wirtschaftswachstum, das jeder erwartet, ist relevant. Vielmehr ist es dasjenige, das überraschend kommt. Jedoch ist die Vorhersage von Überraschungen bekanntermassen eine notorisch heikle Übung für Prognostiker. Genauso sollten Anleger Unternehmen nicht automatisch meiden, die aus Ländern mit einem tiefen Wachstum heraus operieren und deshalb auf den ersten Blick uninteressant erscheinen mögen. Denn je weiter fortgeschritten die Globalisierung ist, desto geringer ist die Beziehung zwischen der Wirtschaftsleistung eines Landes und der Aktienrendite. Alles in allem ist es eine viel bessere Anlagestrategie, den Fokus auf die Bewertung zu legen. Zugegebenermassen sind unterbewertete Aktien aufgrund der zurückliegenden fetten Jahre nicht mehr leicht zu finden. Investoren sollten deshalb selektiv und gründlich in der Auswahl sein.

Vor diesem Hintergrund heissen die Zauberworte weiterhin Diversifikation und Qualität. Anleger machen bereits vieles richtig, wenn sie ihr Vermögen auf mehrere global tätige Unternehmen mit einer attraktiven Bewertung verteilen, deren Geschäftsmodell darüber hinaus auch weniger rosigen Zeiten trotzen kann. Diese Anleger können überdies in Ruhe darüber schmunzeln, dass Trump und seine Administration erfolgreicher sind, in der Beliebtheitsskala der Late-Night-Shows einen Spitzenplatz einzunehmen, als ihr Wirtschaftsprogramm in die Tat umzusetzen.

Marcel Dillier
Co-Head Key Account Management

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