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LGT Investorama: Die zwei Seiten der Inflation

6. März 2017

Allgemein möchte man möglichst wenig Inflation; im Moment steht trotzdem eine höhere Inflation auf der Wunschliste mancher Ökonomen.

 

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"Inflation ist, wenn Sie 50 Dollar für einen 30-Dollar-Haarschnitt bezahlen – den sie üblicherweise für 15 Dollar bekommen haben, als sie noch Haare hatten", bringt der US-amerikanische Humorist Sam Ewing diese Erfahrung auf den Punkt. Wirtschaftsfachleute drücken sich technischer aus: Inflation ist demnach der Prozess anhaltender Steigerungen der Geldmenge gegenüber dem Warenangebot, der aus einem Ursachenkomplex im ökonomischen System entsteht und wieder auf diesen zurückwirkt.

Die humoristische Zuspitzung verweist deutlich auf die negativen Auswirkungen – die mitunter gar rasante und unkontrollierte Preissteigerung. Neu geschaffenes Geld gelangt von der Zentralbank zu den Marktteilnehmern. Bei gleichbleibender zur Verfügung stehender Gütermenge führt die durch das "billige Geld" hervorgerufene zusätzliche Nachfrage zu steigenden Preisen. Diese ist nicht erst heute ein Problem. Schon der römische Kaiser Diokletian sah sich mit explodierenden Preisen konfrontiert. Mit einem Höchstpreisedikt versuchte er, die Preissteigerungen zu unterbinden und den damit einhergehenden wirtschaftlichen Niedergang des römischen Reiches zu stoppen. Dass ihm das misslang, hinderte auch demokratisch gewählte Nachfolger nicht daran, das gleiche Mittel einzusetzen. Der Lohn- und Preisstopp, mit dem der US-amerikanische Präsident Nixon die hohen Inflationsraten der 1970er-Jahre bekämpfen wollte, blieb ebenfalls wirkungslos.

Berechnet wird das Preisniveau mit dem Lebenshaltungskosten-Index, dem ein fiktiver Warenkorb zugrunde liegt. Das ist nicht unproblematisch, denn das Konsumverhalten ändert sich permanent, und die Einkommensgruppen unterscheiden sich in ihrem Konsumverhalten. Zudem gibt es Preissteigerungen auch in Bereichen, die vom Index der Lebenshaltungskosten nicht berücksichtigt werden.

Inflation ist aber nicht per se als negativ zu betrachten. Ein bescheidenes Mass an Inflation gilt als willkommenes Schmiermittel für das Funktionieren einer Marktwirtschaft. So peilen die meisten Notenbanken eine Teuerungsrate von rund zwei Prozent an – notabene auch die US Federal Reserve und die Europäische Zentralbank. Dies stelle einen guten Kompromiss aus zwei gegenläufigen Zielen dar: einerseits soll genügend Abstand zur Nullzinsgrenze bestehen und damit die gefährliche Deflationsspirale vermieden werden, andererseits sollen die gesamtwirtschaftlichen Kosten der Inflation möglichst klein gehalten werden.

Autor: LGT Capital Partners

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