Skip navigation Scroll to top

VALUES WORTH SHARING
Scroll to top

LGT Investorama: Ein starker Trend ist noch keine „Bubble“

25. Januar 2018

Wer aufmerksam die gepflegte Finanzpresse verfolgt, wird bemerken, dass die Formulierung „Blasenbildung“ – oder eleganter „Bubble“ – zunehmend inflationär verwendet wird. In aller Regel ist damit der Aktienmarkt, konkret die amerikanische Börse gemeint. Nach beinahe neun Jahren Aufwärtstrend und beeindruckenden Gewinnen ist dieser Gedanke vordergründig nicht abwegig. Das Etikett „Bubble“ würde sich zudem genauso auf andere Anlageklassen wie Staatsanleihen oder Kreditanlagen übertragen lassen – auch deren Preise sind während Jahren massiv angestiegen. Droht nun ein Platzen der vermeintlich multiplen Blasen?

Zuerst einmal etwas Semantik. Ein fortgeschrittener Trend ist nicht mit einer „Bubble“ zu verwechseln. Letztere ist charakterisiert durch extrem starke, sich zunehmend beschleunigende Kursavancen, Entkoppelung der Preise von den fundamentalen Werten und – zwingend notwendig – durch hohe Partizipation eines breiten Publikums. Die Konklusion vorneweg, diese Symptome sehen wir nicht.

Für Investoren sind Trends wertvoll aufgrund der Tatsache, dass die Wahrscheinlichkeit einer Trendfortsetzung höher ist als dessen Umkehr. Dies ist insofern hilfreich, als es in unserer nicht wissenschaftlich exakten Disziplin des Investierens immer um die Einschätzung von Wahrscheinlichkeiten unterschiedlicher Szenarien geht. Die Existenz von Trends ist durch menschliche Verhaltensmuster zu erklären. Investoren verhalten sich, wie alle Menschen, nicht immer rational, sondern (glücklicherweise) emotional. Die Kurse an den Märkten werden durch die Handlungen von Menschen gemacht. Die grosse Mehrheit von uns bewegt sich gerne in Gesellschaft, die Handlungen anderer lassen uns nicht unbeeinflusst. Je mehr Menschen sich von einer Preisbewegung anstecken lassen, desto stärker wird der Herdentrieb und damit der Trend. Kurzer Exkurs: Auch die zunehmende Bedeutung von modellgesteuerten quantitativen Strategien ändert dies nicht substantiell. Hinter jedem System steckt (heute noch) ein menschlicher Modellentwickler, der - geprägt von Erfolg oder Misserfolg - die Parameter seines Modells jederzeit anpassen und eben nicht unbeeinflusst entscheiden kann. Die technische Zwischenbilanz lautet: Ja, die Trends an den Aktienmärkten sind weit fortgeschritten - die Zentralbanken haben dies mit ihrer jahrelangen ultraexpansiven Geldpolitik erst möglich gemacht. Es ist aber keine signifikante Beschleunigung der langfristigen Aufwärtstrends zu beobachten. Der Aktienmarkt akzeleriert nicht, er entwickelt sich einfach sehr robust. Unterstützend wirkt zudem, dass der Markt nicht durch einige wenige Titel oder Themen getragen wird, sondern breit abgestützt ist, was für eine hohe Qualität spricht.

Droht aufgrund der Bewertung Ungemach? Eine Entkopplung der Preise von den fundamentalen Werten lässt sich bei nüchterner Analyse der Sachlage nicht feststellen. Selbst der notorisch als hochbewertet beschriebene amerikanische Aktienmarkt handelt auf weniger als dem 20-fachen erwarteten Gewinn der nächsten 12 Monate. Reziprok ausgedrückt entspricht dies noch immer einer Gewinnrendite von über 5% - Phantasiebewertungen sehen anders aus. Natürlich gibt es innerhalb des Marktes Segmente, welche fernab jeglicher Realität bewertet sind. Das Pauschalurteil „zu teuer“ lässt sich für den Gesamtmarkt aber nicht halten. Wahrscheinlich haben die bei vielen erfahrenen Anlegern stets präsenten, schmerzlichen Erinnerungen an die letzten beiden grossen Bärenmärkte in den Jahren 2000-2002 und 2007-2009 mit Verlusten von jeweils 50% dafür gesorgt, dass sich bisher keine flächendeckenden Überbewertungen aufbauen konnten.

Den dritten Beobachtungspunkt würde eine nonchalante Partizipation eines breiten und zusehends unerfahrenen Publikums aktivieren, sozusagen überbordende Sorglosigkeit. Schwerlich lässt sich weiterhin behaupten, dass wir es mit dem meistgehassten Bullenmarkt aller Zeiten (weil viele nicht engagiert waren) zu tun haben. Diese sehr profitablen Zeiten sind vorbei. Investoren haben ihre Positionierungen in Risikoanlagen, insbesondere im 2017, durchaus erhöht. Dies aber nicht in einem Ausmass, welches als konträreres Verkaufssignal interpretiert werden müsste. Wann also müssen Sie beginnen, sich ernsthaftere Sorgen bezüglich der Börsenentwicklung zu machen? Wenn nirgends mehr vor dem Platzen der „Bubbles“ gewarnt wird. Der umsichtige Anleger bleibt investiert, hält sich an das Prinzip selektive Diversifikation und unterzieht seine Anlagen einer rigorosen Qualitätskontrolle.

Alex Borer
Co-Head Multi-Asset Solutions

Download LGT Investorama

Das Investorama der LGT dürfen wir Ihnen nur abhängig von Ihrem Domizilland anzeigen. Zum Download des Dokuments gehen Sie bitte auf der Seite "Marktinformationen" zuerst "Zur Domizilauswahl".

Yes, we do have cookies.
Information on data protection