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Warum Investoren Nachhaltigkeitskriterien zunehmend berücksichtigen

26. Oktober 2017

Das Thema Nachhaltigkeit ist in der Finanzbranche angekommen. Die Umsetzung folgt verschiedenen Ansätzen. Nun nimmt auch der regulatorische Druck zu. Tycho Sneyers erklärt im Interview, wie Nachhaltigkeitskriterien integriert werden können und warum Private Equity ein Treiber der Veränderung sein kann.

Interview mit Tycho Sneyers, Managing Partner bei LGT Capital Partners, zur Bedeutung von Nachhaltigkeitskriterien bei Investitionsentscheidungen.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für Investoren und Asset Manager?

Tycho Sneyers: Fast 200 Staaten haben sich verpflichtet, die Sustainable Development Goals (SDG) der UN umzusetzen, rund 140 Staaten haben das Paris Abkommen zum Klimaschutz ratifiziert. Nachhaltigkeit ist ein Thema, dem sich viele Regierungen verschrieben haben. Allerdings bedarf es auch der Unterstützung der Privatwirtschaft, um eine Veränderung hin zu mehr Nachhaltigkeit zu realisieren. Hier können Investoren Verantwortung übernehmen, was zum Beispiel in Canada, Frankreich aber auch in Südkorea bereits von regulatorischer Seite eingefordert wird. Für institutionelle Investoren ist es demnach nicht nur ratsam, Nachhaltigkeitsaspekte zu berücksichtigen, sie spüren zunehmend Druck von Behörden, dies zu tun. Wir als Asset Manager stellen fest, dass Investoren verstärkt Nachhaltigkeitskriterien in ihre Anlagepolitik integrieren wollen.                                                                           

Was ist das Ziel der Investoren, wenn sie Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen wollen?

Tycho Sneyers: Es geht darum, sich über die Auswirkungen von Investitionen bewusst zu werden. Das heisst, neue Dimensionen in Anlageentscheide einzubeziehen. Das beginnt schon bei der Datenanalyse. Neben den klassischen Fundamentaldaten spielen nun auch die sogenannten ESG-Faktoren eine Rolle. Die Analyse von Umwelt- (Environment) und sozialen Faktoren (Social) sowie der Frage, inwiefern Richtlinien der guten Unternehmensführung eingehalten werden (Governance), liefert zusätzliche Aussagen über das Geschäftsmodell eines Unternehmens. Sofern dazu Daten vorhanden sind, was durch regulatorische Vorgaben zunehmend der Fall ist, steigert dieses Vorgehen auch die Transparenz.

Wie können ESG-Faktoren in Anlageentscheidungen eingebunden werden?

Tycho Sneyers: Vor einer Anlageentscheidung, aber auch während des Anlagezeitraums, gilt es zu überprüfen, ob gewisse ESG-Standards eingehalten werden. Die grösste Hürde hierfür ist die Verfügbarkeit der Daten. Bei direkten Anlagen in einzelne Wertpapiere, vor allem im öffentlichen Sektor, sind entsprechende Daten leichter zugänglich. Bei indirekten Anlagen über Manager, vor allem in Privatmärkten, sind solche Daten weniger genormt und seltener vorhanden. Daher haben wir spezifische Mechanismen entwickelt, um direkte und indirekte Anlagen in Hinblick auf ESG-Kriterien zu prüfen. Im Bereich Aktien und Anleihen arbeiten wir mit dem ESG-Cockpit, einem eigens entwickelten Analysetool, das verfügbare Daten von anerkannten Datenanbietern bündelt und Bewertungen liefert. Bei unserem Engagement mit externen Managern arbeiten wir mit einem Fragebogen, den die Manager jedes Jahr beantworten. Seit fünf Jahren veröffentlichen wir diese Ergebnisse in unserem ESG Report (PDF).

Gerade im Bereich Private Equity sehen wir erhebliche Fortschritte bei der Integration von ESG-Kriterien, wenngleich es regional grosse Unterschiede gibt. Wir sind überzeugt, dass gerade Private Equity viel dazu beitragen kann, dass Veränderungen, wie durch die SDGs gefordert, erreicht werden können.

Wieso gerade Private Equity?

Tycho Sneyers: Private-Equity-Anlagen sind wirtschaftlich sehr bedeutend, mehrere Billionen US-Dollar werden darin investiert. Hinzu kommt, dass Private-Equity-Manager meist Mehrheitsbeteiligungen in Unternehmen halten und dadurch grossen Einfluss auf das Management der Unternehmen nehmen können. Zudem arbeiten sie über einen langen Zeitraum mit dem Management des Unternehmens zusammen, da der Anlagehorizont bei Private-Equity-Anlagen in der Regel um die zehn Jahre beträgt. Das kann Wirkung zeigen. In unserer langjährigen Zusammenarbeit mit Private–Equity-Managern haben wir festgestellt, dass der enge Austausch mit ihnen zu deutlichen Forstschritt im Bereich der ESG-Integration führt. Dieses Jahr haben wir eine Sammlung von Best-practices im Guide to ESG integration in Private Equity (PDF) veröffentlicht.

Was haben Investoren davon, wenn sie Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen

Tycho Sneyers: Viele möchten ihre Rolle als verantwortungsbewusster Bürger oder verantwortungsbewusste Institution wahrnehmen und dazu beitragen, dass wir kommenden Generationen gute Lebensbedingungen hinterlassen. Darüber hinaus herrscht unter institutionellen Investoren auch Konsens darüber, dass sich die Integration von ESG-Kriterien positiv auf die risikoadjustierte Rendite auswirkt - mehr dazu in der Mercer-Studie Global Insights on ESG in alternative investing (PDF) aus 2015. Ausserdem ist unbestritten, dass dadurch Reputationsrisiken minimiert werden. Dieser Effekt wird durch den wachsenden regulatorischen Druck in Zukunft weiter verstärkt werden. 

  
Tycho Sneyers
ist Managing Partner bei LGT Capital Partners und Chairman des ESG-Komittees. Das Thema ESG/Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil der Aufgaben von Tycho Sneyers, seit er 2002 erste Schritte initiierte, um Nachhaltigkeitskriterien bei Investitionen in Private Equity zu berücksichtigen. Heute treibt er die Integration von ESG-Kriterien über alle Anlageklassen hinweg voran und möchte mit seiner Kandidatur für das Board der Prinzipen für verantwortliches Investieren (PRI) seinen Wirkungskreis erweitern. Das Interview mit ihm führte Franziska Raff, Head Communication bei LGT Capital Partners.

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie zum Thema "Nachhaltiges Investieren", die LGT in den kommenden Wochen in den Nachhaltigkeits-News veröffentlicht. Folgen Sie uns auf Linkedin, und Sie sind aktuell informiert, sobald ein neuer Beitrag erscheint.

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