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Ahead of the curve: Kulturrevolution

14. September 2021

Ein Kommentar von Jürgen Lukasser, Chief Investment Officer der LGT Bank Österreich, über die harschen Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, einige nennen es eine Kulturrevolution, welche die Zentralregierung in Peking seit November 2020 unternimmt.

Ahead of the curve: Kulturrevolution

Reich zu werden ist, nach den Worten Deng Xiaopings keine Schande, sondern ehrenvoll. So reich wie Jack Ma zu werden, ist dann doch wieder nicht so ehrenvoll. Diesen Eindruck kann man gewinnen, wenn man seit November 2020 die Aktivitäten der Zentralregierung in Peking beobachtet.

Ausgangspunkt war der Bereich der Fintechs, als das 37 Mrd. USD schwere IPO von Jack Ma’s Ant Group über Nacht abgesagt wurde und der Ant Group der „modus operandi“ einer Bank aufgezwungen wurde. In der nächsten Runde wurden die beiden Technologiegiganten Alibaba und Tencent ins Visier genommen und mit dem Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung bedacht. Der Höhepunkt bislang war die Zerschlagung des Online Education-Sektors mit der Begründung, dass Bildung kostenlos zur Verfügung stehen sollte und daher nur mehr durch Non-Profit Organisationen vermittelt werden darf. TAL Education, New Oriental und Gaotu zählen zu den größten Online-Tutoren, die als Mitglieder des Nasdaq Golden Dragon Index auch über ein Listing an der Wall Street verfügen. Vor wenigen Wochen wurden diese Unternehmen gemeinsam noch mit rund USD 2.000 Mrd. bewertet, mittlerweile haben sie mehr als zwei Drittel ihres Wertes eingebüßt.

Internationale Investoren reagierten als wirklich schockiert auf diese aus westlicher Sicht relativen harschen Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Vielfach wird daher die Frage gestellt, ob es sich bei den aktuellen Vorgängen um eine neue Kulturrevolution handelt.

Irritierend ist in diesem Zusammenhang explizit der Umstand, dass in den Ansprachen des chinesischen Präsidenten Xi Jinping immer häufiger die Rede von „Common Prosperty“ ist. Das ist eine klare Replik an Mao, der diese Zielsetzung im Rahmen seiner – letztendlich gescheiterten – wirtschaftlichen Reformschritte verfolgt hat. Wirklich erfolgreich waren die wirtschaftlichen Reformen und die „quasi-kapitalistische“ Wirtschaftsordnung Deng Xiaopings. Als Resultat des chinesischen Wirtschaftswunders gingen allein im vorigen Jahr rund 1.058 Milliardäre im Land der Mitte hervor – im Vergleich mit 696 in den USA bzw. 171 in Indien eine wirklich beeindruckende Zahl. Gleichzeitig stellt der chinesische Premierminister Li Keqianq im Juni 2020 fest, dass rund 600 Millionen Chinesen von rund USD 160 pro Monat leben müssen. Das Reich der Mitte hat also gegenwärtig – so wie beispielsweise auch die USA – mit einem massiven sozialen Ungleichgewicht zu kämpfen. Dieses Ungleichgewicht stellt beträchtlichen sozialen Sprengstoff dar. Die Zentralregierung in Peking ist in dieser Hinsicht hingegen vor allem an Stabilität interessiert. Daher sind die aktuellen Schritte vor allem darauf gerichtet, kurzfristigen gegen langfristigen gesamtwirtschaftlichen Nutzen abzugleichen. In diesem Sinne ist es keine wirkliche Kulturrevolution.

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