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Ahead of the curve: Wo steht die Impfstoff-Forschung oder wann können wir den Lock-Down ad acta legen?

17. November 2020

Ein Kommentar von Jürgen Lukasser, Chief Investment Officer der LGT Bank Österreich, zur aktuellen Impfstoff-Forschung sowie möglichen Präparaten in den unterschiedlichen Entwicklungsphasen. 

Ahead of the curve: Wo steht die Impfstoff-Forschung oder wann können wir den Lock-Down ad acta legen?

Heute ist es soweit. In Österreich beginnt der zweite harte Lock-Down, da ausufernde Infektionsraten die intensivmedizinischen Einrichtungen an die Kapazitätsgrenzen zu drängen drohen. Drei Wochen Ausgangssperre sind deprimierende Aussicht. Daher ist es ein guter Zeitpunkt sich einen Überblick über die potentiellen Waffen im Kampf gegen die Pandemie zu verschaffen. Im Zentrum stehen dabei vor allem mögliche Impfstoffe, die Immunität verleihen sollen, aber auch antivirale Medikamente, die eine wirksame Behandlung von Infektionen sicherstellen sollen. An dieser Stelle soll heute der Fokus auf mögliche Impfstoffe gelegt werden.

Impfstoffe verfolgen das Ziel, breiten Teilen der Bevölkerung ein ausreichendes Maß an Immunität zu verleihen. Daher gelten Impfstoffe das entscheidende Instrument zum Sieg über die Pandemie. Aufgrund der sehr hohen Anforderungen an die Sicherheit dies Präparate sind umfangreich Teststudien zwingend erforderlich. Daraus resultieren vergleichsweise lange Entwicklungszeiten. Insgesamt geht die WHO davon aus, dass sich aktuell rund 180 potentielle Impfstoffkandidaten in unterschiedlichen Entwicklungsphasen befinden. Aus aktueller Sicht scheinen folgende Präparate die besten Chancen auf einen erfolgreichen Einsatz zu haben:

  1. BNT162b (entwickelt von BioNTech, Pfizer und ShanghaiFosun)

Bei BNT162b handelt es sich um einen Messenger-RNA Impfstoff, der vom deutschen Unternehmen BioNTech gemeinsam mit dem US-Pharmagiganten Pfizer entwickelt wurde. Vor wenigen Tagen sorgte die Meldung von BioNTech und Pfizer, wonach im Rahmen einer Studie an mehreren zehntausend Freiwilligen eine Wirksamkeit von rund 90% erzielt werden sollte, für ein Feuerwerk an den internationalen Börsen. Insbesondere die Effizienz von 90% überraschte deutlich auf der positiven Seite. Grundsätzlich befindet sich der Impfstoff in Phase 3 und damit im letzten Abschnitt des Zulassungsverfahrens. Die hohe Wirksamkeit eröffnet die Möglichkeit einer Notfallgenehmigung durch die US-Behörden, falls weitere Untersuchungen auch noch die Sicherheitsanforderungen erfüllen können. Die Unternehmen gehen davon aus, dass bis Ende 2021 insgesamt rund 1,3 Milliarden Dosen produziert werden können.

  1. mRNA-1273 (entwickelt von Moderna)

Eine vorläufige Studie mit rund 30.000 Freiwilligen zeigte nach Informationen des Unternehmens, die heute veröffentlicht wurden, eine Wirksamkeit von 95%. Das Unternehmen hat seit zwei Monaten Sicherheitsfolgeuntersuchungen durchgeführt. Man geht davon aus, dass auf Basis einer abschließenden Untersuchung von 151 signifikanten Fällen eine Notfallgenehmigung erteilt werden könnte. In den vergangenen Monaten wurde dieses Programm von der US-Regierung mit rund USD 1 Milliarde unterstützt. Gleichzeitig haben sich die Vereinigten Staaten die Lieferung von 100 Millionen Dosen im Gegenwert von USD 1,5 Milliarden gesichert.   

  1. ChAdOx1nCoV-19 (entwickelt von der Oxford University und AstraZeneca)

Dieser Impfstoff wird aus einem an sich harmlosen Virus hergestellt, das verändert wurde, damit es das Oberflächen-Protein von SARS-Cov-2 produziert. Das Präparat befindet sich ebenfalls in der Phase 3 des Zulassungsverfahrens. Eine US-Studie musste pausiert werden, nachdem die Erkrankung eines Freiwilligen in einer separaten Studie in Großbritannien festgestellt wurde. Mittlerweile konnten die Tests in der US-Studie und in der britischen Studie wieder aufgenommen werden.  

  1. JNJ-78436735 (entwickelt von Johnson & Johnson)

Johnson & Johnson arbeitet an einem Impfstoff, der auf Adenoviren basiert. Das Präparat befindet sich in Phase der des Zulassungsverfahrens. Aufgrund von potentiellen Nebenwirkungen des auf Adenoviren basierenden Impfstoffs musste die Testserie ausgesetzt werden, wurde aber mittlerweile nach der Klärung der Fälle wieder aufgenommen. Die derzeit laufende Studie an 60.000 Freiwilligen ist die erste große US-Studie eines Impfstoffs der bereits nach einer Dosis wirksam sein könnte. 

  1. Unbekanntes Präparat (entwickelt durch ChinaNationalBiotech und Sinopharm)

Dieses Präparat wurde aus inaktivierten Versionen des Virus erzeugt und soll den menschlichen Organismus in die Lage versetzen Antikörper zu produzieren, ohne eine Infektion zu riskieren. Der Impfstoff befindet sich ebenfalls in der Phase 3 des Zulassungsverfahrens. Die Impfung wird von den beiden genannten staatlichen Impfstoffherstellern produziert und wurde im Rahmen einer Notfallgenehmigung im Zuge der Eindämmung der Pandemie in Wuhan bei rund 100.000 Menschen - darunter das medizinische Notfallspersonal -  eingesetzt. Derzeit wird der Impfstoff in der Endphase im Nahen Osten und in Südamerika getestet. Die Hersteller gehen davon aus, dass dieses Präparat bereits Ende 2020 in China verfügbar sein wird. 

  1. CoronaVac (entwickelt von Sinovac Biotech)

Dieser Impfstoff wird ebenfalls aus inaktivierten Versionen des Corona-Virus gewonnen und befindet sich in Phase 3 des Zulassungsverfahrens. Aufgrund von potentiellen Fällen schwerwiegender Nebenwirkungen musste die Studie in Brasilien ausgesetzt werden, konnte aber nach relativ kurzer Zeit jedoch wieder aufgenommen werden. Der Impfstoff ist bereits für den Notfalleinsatz bei medizinischem Personal, bei Zollbeamten etc. in China zugelassen.

  1. Sputnik V (entwickelt von Gamaleya Research Institute)

Bei diesem Präparat handelt es sich um eine Viralvektor-Impfung, basierend auf einem harmlosen Erkältungsvirus, fusioniert mit dem Oberflächenprotein von SARS CoV-2. Nach russischen Angaben kann mit dem Impfstoff eine Wirksamkeit von 92% bei der Vermeidung von Erkrankungen erreicht werden. Das Präparat befindet sich in Phase 3 des Zulassungsverfahrens, die Erkenntnisse beruhen auf den Ergebnissen einer Studie mit 20.000 Freiwilligen, die eine Dosis erhielten und 16.000 Personen, denen auch eine zweite Einheit verabreicht wurde.

  1. Ad5-nCoV (entwickelt von CanSino Biologics)

Dieser Impfstoff spaltet das Spitzenprotein des Corona-Virus in eine nicht-replizierende Variante eines Adenovirus. Im Rahmen der Test-Kampagne arbeitet CanSion mit der chinesischen Volksbefreiungsarmee zusammen. Derzeit werden Studien im Rahmen der Phase 3 des Zulassungsprozesses in Russland, Pakistan und anderen Ländern an rund 40.000 Freiwilligen durchgeführt. Der Impfstoff hat in China bereits eine Sonderzulassung zum Einsatz beim Militär.

Was bleibt als Fazit? Auch wenn der aktuelle Lock-Down die Menschen – um mit Innenminister Nehammer zu sprechen – "anzipft", gibt es durchaus berechtigte Hoffnung durch die oben dargestellten Entwicklungen. Wesentlich erscheint in diesem Kontext, dass es mehrere unterschiedliche Verfahren und Methoden gibt, um den Kampf gegen die Pandemie durch Impfstoffe aufzunehmen. Durch die Brille des Vermögensverwalters stellt das eine Form der Risikostreuung dar, die in unsicheren Zeiten Komfort gibt. In den nächsten Monaten besteht daher eine realistische Chance auf eine Rückkehr zu mehr Normalität. Das ist nicht nur ein tröstlicher Gedanke im Lock-Down, sondern bietet auch aus konjunktureller Sicht entscheidendes Potential und kann in letzter Konsequenz interessante Investment-Opportunitäten an den Aktienmärkten bringen. 

Anmerkung: Die Rohdaten beruhen auf einem Artikel von Bloomberg.

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