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LGT Investorama: Der bewaffnete Räuber als Stimmungskiller

1. Juli 2021

Inflationssorgen beherrschen in letzter Zeit wieder vermehrt die Schlagzeilen der Finanzpresse. In einer kürzlich von der Bank of America Merrill Lynch durchgeführten Umfrage setzten 35% der Befragten eine höher als erwartete Inflation auf Platz eins der grössten Gefahren für die Finanzmärkte. Warum ist die Angst vor der Teuerung so gross?

Die Wirtschaftstheorie liefert uns eine Antwort in Form der sog. Verlustaversion. Verlustaversion impliziert, dass den meisten Menschen die Rationalität fehlt, die jeden Ökonomen auszeichnen sollte. Gewöhnlich haben Menschen irrationalerweise stärkere Gefühle, wenn sie etwas verlieren, als wenn sie dasselbe gewinnen. Der Schmerz, 1’000 Schweizer Franken zu verlieren, überwiegt deshalb die Freude über 1’000 gewonnene Schweizer Franken. Bereits eine jährliche Teuerungsrate in Höhe der von den Zentralbanken angepeilten 2% reicht, um die Kaufkraft des Geldes alle 35 Jahre zu halbieren. Der frühere amerikanische Präsident Ronald Reagan hielt Inflation daher «für mindestens so beängstigend wie einen bewaffneten Räuber». Anders ausgedrückt, stellt die Angst vor der Inflation neuerdings einen möglichen Killer für die gute Stimmung an den Finanzmärkten dar.

Paul Volcker, der hünenhafte Vorsitzende der US-Notenbank in der Ära Reagan, hat als Inflationsdompteur Anfang der 1980er-Jahre die damals ausufernde Inflation mit massiven Zinserhöhungen erfolgreich bekämpft. Der Volcker-Schock hat eine jahrzehntelange Phase mit sinkenden Inflationsraten und geringeren realwirtschaftlichen Ausschlägen eingeläutet. Längst haben sich die Erwartungen entsprechend angepasst, und Jahr für Jahr vergrössert sich der Anteil der Bevölkerung, der in einem Umfeld frei von Inflationssorgen aufgewachsen ist. Dass sich die Teuerung seit den 1980er-Jahren auf stetigem Rückzug befand, ist aber nicht alleine auf den Volcker-Schock, sondern auch auf eine Reihe struktureller angebotsseitiger Entwicklungen zurückzuführen. Die Integrationen Osteuropas, von China und anderer Schwellenländer in das Welthandelssystem erweiterten die globale Erwerbsbevölkerung in den 1990er-Jahren fast schlagartig um rund eine Milliarde Arbeitskräfte. In Verbindung mit Arbeitsmarktreformen in den Industrieländern und dem Rückgang der Schlagkraft von Gewerkschaften sowie der Verbreitung neuer Technologien im Allgemeinen hat dies in weiten Teilen der Weltwirtschaft Abwärtsdruck auf die Preise von Arbeit, Gütern und Dienstleistungen erzeugt. Zudem war die Zeit geprägt von einem Rückzug des Staates durch Privatisierung und Deregulierung. Während die Technologisierung weiter fortschreitet und durch die jüngste Krise gar einen starken Schub erhalten hat, lassen andere Disinflationskräfte nach. So sind mittlerweile alle grossen Schwellenländer in die Weltwirtschaft integriert, womit künftig ein Treiber der langjährigen Disinflation wegfällt. Im Gegenteil, die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass das Tempo der Globalisierung von immer längeren Wertschöpfungsketten abgenommen hat und das Pendel gar gedreht haben könnte. Überdies greift der Staat wieder vermehrt durch («Big Government»).

All dies deutet nicht per se auf eine Zunahme des Inflationsdrucks hin, doch der strukturelle Rückenwind für immer günstigere Preise hat nachgelassen. Ferner zeigt der Blick weiter zurück in die Vergangenheit, dass auf Phasen mit niedriger Teuerung oder gar Deflation jeweils längere Phasen hoher Inflation folgten. Offensichtlich gab es dafür jeweils spezifische Gründe. Dazu gehören die Monetisierung von Staatsdefiziten aus Kriegsfinanzierung, die Vernichtung von Produktionskapazitäten im Krieg oder das Zurückschrecken vor politischen und sozialen Konsequenzen antiinflationärer Massnahmen. Oft war der Wechsel zwischen diesen Phasen auch mit einem geldpolitischen Regimewechsel verbunden, etwa der Einführung bzw. dem Auflösen des Goldstandards oder von Bretton Woods. Doch am Ende war es auch die kollektive Erfahrung der längeren Phasen niedriger Teuerung, die die Inflationsgefahren schleichend vergessen liess und zu immer forscherem und letztlich gänzlich sorglosem Finanzgebaren der staatlichen Institutionen geführt hat. Heutzutage bergen etwa die zunehmend unheilige Allianz zwischen Notenbanken und Regierungen sowie erste Tendenzen einer Aufweichung der Inflationsziele langfristige Inflationsrisiken.

Das Risiko einer höheren und wirtschaftlich schädlichen Inflation sollte deshalb umsichtige Anleger dazu veranlassen, Inflationsszenarien in ihren Anlageentscheiden zu berücksichtigen. So trägt beispielsweise die Hinzunahme von Gold oder inflationsgebundenen Anleihen zur Diversifikation des Portfolios bei. Inflationsgebundene Anleihen sind Wertpapiere, deren Auszahlungen effektiv an die Verbraucherpreise gebunden sind und die daher vor Inflationsrisiken schützen. Zudem bieten sie in zukünftigen Szenarien mit steigenden Inflationserwartungen höhere erwartete Renditen als nominale Anleihen. Generell wird durch die Beimischung von Gold und inflationsgebundenen Anleihen im Anlageportfolio die Robustheit verbessert und die Inflation als Stimmungskiller auf Distanz gehalten.

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