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LGT Navigator: Anleger wetten auf eine massive Zinserhöhung der US-Notenbank

14. Juli 2022

In den USA ist die Teuerung im Juni auf den höchsten Stand seit vierzig Jahren geklettert. Nun spekulieren Händler, dass die US-Notenbank die Leitzinsen im Juli um +100 Basispunkte erhöhen könnte. An der Wall Street legen die ersten US-Grossbanken heute ihre Quartalszahlen vor. 

Benzinpreise

Der scharfe Anstieg der US-Konsumentenpreise im Juni hat die Börsen am Mittwoch auf eine Berg- und Talfahrt geschickt. Zwar hatten Analysten ein ohnehin stattliches Preiswachstum von +8.8% gegenüber dem Vorjahr erwartet. Mit +9.1% fiel die tatsächliche Inflationsrate aber noch höher aus. Damit notiert die Teuerung auf dem höchsten Stand seit Dezember 1981. Werden die volatilen Energie- und Lebensmittelpreise ausgeklammert, ergibt sich eine Kerninflation von +5.9%, was ebenfalls über den Erwartungen liegt (+5.7%). 

Die amerikanischen Börsen haben den ersten Schock nach Publikation der Daten einigermassen gut verkraftet. Der Dow Jones verlor bis Handelsschluss -0.7%, nachdem er im frühen Handel bis zu -1.5% nachgegeben hatte. Der S&P 500 büsste nach einem Ausflug in die Gewinnzone -0.5% ein und der Nasdaq Composite schloss -0.2% leichter. 

Mit den jüngsten Daten haben sich die Hoffnungen zerschlagen, dass die Teuerung die Spitze bereits überschritten haben könnte. Das Preiswachstum ist breit abgestützt, wobei die Benzinpreise besonders rasch gestiegen sind (+11.2% gegenüber dem Vormonat). Aber auch die Ausgaben für Lebensmittel und Wohnen haben sich erneut verteuert. Die Entwicklung erhöht den Druck auf die US-Notenbank (Fed), die Leitzinsen im Juli deutlich zu erhöhen. Zur Debatte steht gar eine Zinserhöhung um +100 Basispunkte, wie ein Blick auf die Terminbörse CME zeigt. Sie misst der Wahrscheinlichkeit eines solch massiven Zinsschritts derzeit rund 80% zu. Vor Veröffentlichung der aktuellen Inflationsdaten lag sie lediglich bei knapp 8%. «Alles ist möglich», erklärte Raphael Bostic, Präsident des Atlanta-Fed, als er gefragt wurde, ob ein Zinsschritt von mehr als 75 Basispunkten denkbar sei. 

Das rasante Preiswachstum schadet auch dem amtierenden US-Präsidenten Joe Biden. In den bevorstehenden Zwischenwahlen im Herbst müssen die Demokraten ihre hauchdünne Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus verteidigen. Die hohe Teuerung trübt jedoch die Stimmung der Wähler und beschert Biden rekordschlechte Popularitätswerte. 

An den asiatischen Börsen geht es am Donnerstag aufwärts. Der Nikkei gewinnt in Tokio +0.8%. Der Hang Seng notiert in Hongkong +0.2% fester und der Shanghai Composite gewinnt +0.4%.

US-Grossbanken starten in die Gewinnsaison

In den USA fällt heute der Startschuss zur Berichtssaison der Börsenschwergewichte. Den Auftakt machen traditionell die US-Grossbanken, wobei JP Morgan Chase und Morgan Stanley heute ihre Zahlen für das zweite Quartal vorlegen. Am Freitag folgen die Konkurrenten Citigroup und Wells Fargo. Die Unternehmen blicken auf ein schwieriges Halbjahr zurück, geprägt von hoher Inflation, Lieferengpässen und Problemen bei der Rekrutierung von Arbeitskräften. Die harsche Konjunkturlage trübt zudem die Konsumentenlaune. Anleger werden die Ergebnisse daher genau unter die Lupe nehmen, um zu beurteilen, wie und ob die Konzerne dem widrigen Umfeld standhalten. 

Der Datendienstleister Factset erwartet, dass die S&P-500-Unternehmen auf aggregierter Basis ein Gewinnwachstum von +4.3% für das zweite Quartal ausweisen dürften. Das entspricht dem geringsten Wachstum seit dem Schlussquartal 2020. Zahlreiche Konzerne haben bereits im Vorfeld ihre Gewinnprognosen nach unten angepasst. Der Finanzsektor, zyklische Konsumgüter und Versorger dürften gemäss Factset den grössten Gewinnrückgang ausweisen. Dagegen erwarten die Analysten ein Gewinnwachstum im Energiesektor.

Teuerung in Deutschland schwächt sich ab

In Deutschland hat sich die Inflation im Juni wie erwartet leicht abgeschwächt. Gegenüber dem Vorjahresmonat verteuerten sich die Preise um +7.6%. Im Mai lag die Teuerung noch bei +7.9%. Gedämpft wurde das Preiswachstum durch die sogenannten Tankrabatte – also die Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe – sowie das 9-Euro-Ticket für den öffentlichen Verkehr. Beide Massnahmen, die auf drei Monate befristet sind, traten anfangs Juni in Kraft, um die Bevölkerung zu entlasten. 

In Frankreich hat die Teuerung hingegen erneut angezogen. So steigen die Verbraucherpreise im Juni gegenüber dem Vorjahr um +6.5%. Das ist das schnellste Wachstum seit 1999, als der Euro als Buchgeld eingeführt wurde. Im Vormonat lag die Inflation noch bei +5.8%. Auch in Spanien sind die Preise im Juni rasant gestiegen und haben im Jahresvergleich um +10% zugelegt (Mai: +8.5%). 

Wirtschaftskalender 14. Juli 

MEZ Land Indikator Letzte Periode
06:30 Japan Industrieproduktion (Mai, M/M)  -7.2%
08:30 CH Produzentenpreise (Juni, M/M) +0.9%
14:30 USA Produzentenpreise (Juni, M/M) +0.8%

Unternehmenskalender 14. Juli

Land Unternehmen Periode
USA JP Morgan Chase Q2
USA Morgan Stanley Q2

  

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Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Redaktion: Alessandro Fezzi, E-Mail: lgt.navigator@lgt.com
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG

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