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LGT Navigator: Fed schaltet einen Gang zu, EZB im Alarmzustand & SNB vor Zinsentscheid

16. Juni 2022

Wie weitgehend erwartet hat die US-Notenbank (Fed) ihren Leitzins erneut erhöht und drückt mit einem Zinsschritt von 75 Basispunkten aufs Tempo in Sachen Inflationsbekämpfung. Mit der aggressiven Verschärfung des monetären Umfelds steigt aber auch das Risiko einer Rezession. Die Europäische Zentralbank (EZB) sorgte am Mittwoch mit einer kurzfristig anberaumten Sondersitzung zur Marktlage für Aufregung. Nach dem starken Anstieg der Anleiherenditen und angesichts der zunehmenden Angst vor einer neuen Schuldenkrise stemmt sich die EZB mit einem neuen Instrument gegen eine Fragmentierung in der Eurozone. Heute stehen nun die geldpolitischen Richtungsentscheide der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und der Bank of England (BoE) im Mittelpunkt. An den Börsen bleibt die Nervosität greifbar.

Fed schaltet einen Gang zu, EZB im Alarmzustand & SNB vor Zinsentscheid

Mit dem dritten und zugleich stärksten Zinsschritt seit fast 30 Jahren setzt US-Notenbankchef Jerome Powell ein klares Zeichen im Kampf gegen die ausufernde Inflation. Der Leitzins notiert nun nach der Erhöhung um 75 Basispunkte in einer Spanne von 1.5-1.75%. Den neuen Projektionen des Fed zufolge wird der Leitzins bis Ende 2022 auf 3.4% steigen, was deutlich höher ist als bisher projiziert. Ende 2023 dürfte die Fed Funds Rate dann noch bis 3.8% zulegen. Auch diese Prognose liegt deutlich höher als die bisherige. Zugleich geht die US-Notenbank nun von einem signifikant schwächeren Wirtschaftswachstum aus. In Aussicht gestellt wird aktuell ein BIP-Wachstum von noch +1.7% im laufenden Jahr, verglichen mit den bisher antizipierten +2.8%. Gleichzeitig wird die Inflationsrate in diesem Jahr durchschnittlich +5.2% betragen. Insgesamt sieht sich die amerikanische Zentralbank mit einem Balanceakt konfrontiert. Schnelle und kräftige Zinserhöhungen sollen die Inflation eindämmen, können jedoch die Wirtschaft auch in eine Rezession stürzen. Die Angst vor einem Wirtschaftseinbruch dürfte an den Kapitalmärkten nun noch zunehmen. Zudem kann das Fed wie andere Zentralbanken auch gewisse Inflationstreiber wie die Energie- und Rohstoffpreise oder die Verwerfungen in den globalen Lieferketten nicht beeinflussen.

An der Wall Street fielen die Reaktionen auf den Zinsentscheid des Fed positiv aus, denn der Zinsschritt war in dieser Grössenordnung erwartet worden und stärkt das Vertrauen in die Zentralbank, die Inflation in den Griff zu bekommen. Nach fünf verlustreichen Tagen in Folge schloss der Dow Jones Industrial +1.0% höher bei 30'668.53 Punkten. Der S&P 500 legte noch kräftiger um +1.46% auf 3'789.99 Punkte zu und an der Technologiebörse Nasdaq verbuchten die Indizes sogar einen Tagesgewinn von rund +2.5%. Gleichzeitig fiel am US-Anleihenmarkt die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen auf 3.31% zurück, bleibt damit auf erhöhtem Niveau, jedoch unter dem in der ersten Wochenhälfte erreichten Elfjahreshoch.

In Tokio folgte der Nikkei 225-Index den positiven Vorlagen aus Übersee und notiert rund +0.7% höher.

EZB stemmt sich mit neuem Kriseninstrument gegen Fragmentierungsrisiko

EZB-Präsidentin Christine Lagarde kündigte gestern im Rahmen eines «Emergency Meetings» an, ein neues Instrument zu schaffen, um einer Fragmentierung im Euroraum vorzubeugen – d.h. einer ungleichen Belastung hochverschuldeter Euroländer als Folge der Zinswende – und zudem Mittel aus dem Ende März ausgelaufenen Corona-Notkaufprogramm (PEPP) flexibel einzusetzen. Die EZB reagierte damit auf die in den letzten Tagen stark angestiegenen Kapitalmarktzinsen in südeuropäischen Ländern, was Befürchtungen einer neuerlichen Schuldenkrise in Europa schürte. Die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen notierte beispielsweise erstmals seit 2014 über 4% und damit etwa doppelt so hoch wie noch Ende März.

Wie reagiert die SNB auf das stark veränderte geldpolitische Umfeld?

Die Schweizerische Nationalbank könnte heute um 09:30 Uhr (MEZ) durchaus auf das veränderte Umfeld reagieren. Einerseits könnte die SNB mit einem geldpolitischen Signal noch vor der Zinswende der EZB im Juli ein Zeichen setzen und ihre Unabhängigkeit demonstrieren. Zudem wäre die SNB im Juli praktisch zu einer ausserordentlichen Sitzung gezwungen, falls sie der EZB folgen würde und sich nicht dem Vorwurf aussetzen will «behind the curve» zu geraten. Des Weiteren ist die Inflation auch in der Schweiz massiv angestiegen – im Mai erreichte die Teuerungsrate +2.9%. Im Weg stehen könnte der SNB andererseits die immerwährende Gefahr einer Aufwertung des Schweizer Frankens. Mehrheitlich gehen Analysten davon aus, dass die SNB heute keine Änderung ihrer Geldpolitik ankündigen wird. Die Pressekonferenz sollte jedoch sicherlich aufmerksam verfolgt werden.

Ifo-Konjunkturprognose: Weniger Wachstum bei höherer Inflation

Das Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo geht von einem schwächeren Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr aus. Der neusten Prognose zufolge soll das deutsche Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr +2.5% wachsen, verglichen mit der bisherigen Schätzung von +3.1%. Gleichzeitig rechnet das Institut mit einer deutlich stärkeren Teuerung von +6.8% (bisher +5.1%). Bereits in der zweiten Jahreshälfte wird aber mit einer Entspannung gerechnet. So sollten der Einschätzung des Ifo zufolge die Rohstoffpreise allmählich sinken und sich die globalen Lieferengpässe verringern. Für 2023 wird auch wieder ein deutlich kräftigeres Wirtschaftswachstum für Deutschland von +3.7% bei einer geringeren Inflationsrate von +3.3% in Aussicht gestellt.

Wirtschaftskalender 16. Juni 

MEZ Land Indikator Letzte Periode
09:30 CH SNB Zinsentscheid & Pressekonferenz -0.75%
10:00 IT Verbraucherpreise (Mai, J/J) +7.3%
12:00 EZ Eurogruppe Meeting
13:00 GB Bank of England Zinsentscheid +1.0%
14:30 USA Baugenehmigungen (Mai, M/M) -3.0%
14:30 USA Baustarts (Mai, M/M) -0.2%
14:30 USA Erstanträge Arbeitslosengeld (wöchentlich) 229'000
14:30 USA Philly Fed Industrieindikator (Juni) +2.5

Unternehmenskalender 16. Juni

Land Unternehmen Periode
CH SIG  Kapitalmarkttag
USA Adobe Q2

  

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Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Redaktion: Alessandro Fezzi, E-Mail: lgt.navigator@lgt.com
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG

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