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LGT Navigator: Sorgen rund um Evergrande trüben den Wochenauftakt

4. Oktober 2021

Nachdem am Freitag positive Nachrichten zu einem Covid-19-Medikament die Aktienkurse stützte und der US-Kongress in letzter Minute einen teilweisen «Shutdown» der Regierungsgeschäfte bis zum 3. Dezember verhindern konnte, ist die Stimmung an den Börsen zu Wochenbeginn wieder von Vorsicht und Zurückhaltung geprägt. Einerseits sind die Sorgen hinsichtlich eines Zusammenbruchs des chinesischen Immobilienkonzerns «Evergrande» wieder in den Vordergrund gerückt und andererseits geht in Washington das zähe Ringen um das für US-Präsident Joe Biden prestigeträchtige Infrastrukturpaket weiter.

Sorgen rund um Evergrande trüben den Wochenauftakt

In Asien sorgte der hochverschuldete chinesische Immobilienkonzern Konzern «Evergrande» für Aufsehen. Hintergrund war, dass die Aktie vom Handel ausgesetzt wurde, nachdem das Unternehmen in der vergangenen Woche zum zweiten Mal einer wichtigen Zinszahlung für seine Offshore-Schuldverpflichtungen nicht nachkommen konnte. Ein Analyst warnte, das grösste Problem sei nicht die Zahlungsunfähigkeit von «Evergrande», sondern das Umfeld, das zum Niedergang des Konzerns geführt habe. Dadurch steige das Risiko, dass die Probleme eines einzelnen Unternehmens auf den gesamten chinesischen Immobiliensektor übergreifen würden.

Am Freitag hatte hingegen eine positive Nachricht zu einem Covid-19-Medikament, sowie besser als erwartete Konjunkturdaten aus den USA, die zuvor vor allem durch Inflations- und Zinssorgen gedrückte Stimmung an den Börsen wieder ins Positive gedreht. An der New Yorker Börse legte der Dow Jones Industrial vor dem Wochenende um +1.43% auf 34'326.46 Punkte zu und verbuchte damit einen freundlichen Monatsstart. Auf Wochensicht verlor der Dow dennoch knapp -1.5%. Der S&P 500 verbesserte sich um +1.15% auf 4'357.04 Zähler. An der Tech-Börse Nasdaq stiegen die Indizes weniger stark – im Schnitt um +0.7%. Der Fokus dürfte sich auch bereits auf den Ende Woche anstehenden US-Arbeitsmarktbericht richten, der für die weitere Ausrichtung der Geldpolitik ausschlaggebend sein wird.

Positive Konjunktursignale aus den USA

Die Stimmung der Amerikaner hat sich gemäss der neusten Auswertung der Umfrage der Universität Michigan im September verbessert. Das entsprechende Konsumentenvertrauensbarometer kletterte dabei im September von 70.3 Punkten im August auf 72.8 Punkte im September (Konsens 71.0). Die ebenfalls ermittelten Inflationserwartungen der Konsumenten für die nächsten zwölf Monate blieben unverändert bei 4.6%, stiegen jedoch für die nächsten  fünf Jahre von 2.9% auf 3.0% an.

Ein weiteres positives Signal lieferte der Einkaufsmanagerindex des Branchenverbandes ISM. Demnach hat sich das Wachstum in der US-Industrie im September beschleunigt. Der PMI legte von 59.9 auf 61.1 Punkte zu, während man am Markt von einer Abkühlung auf 59.5 ausgegangen war.

PMIs signalisieren deutliche Abkühlung in der Euro-Industrie

Anders als in den USA hat sich die Stimmung in den Industrieunternehmen der Eurozone im September spürbar eingetrübt. Der von IHS Markit erstellte Einkaufsmanagerindex (PMI) sank im Vergleich zum Vormonat um 2.8 auf 58.6 Punkte, womit sich die Dynamik in den vergangenen Monaten deutlich verlangsamt hat. Ein Hauptproblem sind Markit-Chefökonom Chris Williamson zufolge die anhaltenden Lieferengpässe und es gebe derzeit keine Anzeichen für eine baldige Besserung. Dabei trübte sich die Stimmung in allen grösseren Euroländern ein, am deutlichsten in Deutschland.

Auch in der britischen Industrie hat sich die Stimmung im letzten Monat signifikant verschlechtert. Der Einkaufsmanagerindex von IHS Markit fiel von 60.3 Punkten im August auf 57.1 Zähler – der tiefste Wert seit Februar. Nach Einschätzung von IHS-Markit steige das Risiko, dass die Wirtschaft Grossbritanniens aufgrund der Lieferprobleme und des Arbeitskräftemangels in eine Stagflation rutsche, also in eine Periode mit hoher Inflation und schwachem Wachstum.

Inflation im Euroraum erreicht höchsten Stand seit 13 Jahren

Die Die Verbraucherpreise in den Euroländern sind im September auf Jahressicht um +3.4% stärker als von Ökonomen erwartet gestiegen – der höchste Wert seit September 2008. Im August betrug die Teuerungsrate in der Eurozone noch +3.0%. Insbesondere für Energie musste laut Eurostat +17.4% mehr bezahlt werden als ein Jahr zuvor. Nahrungsmittel verteuerten sich im Schnitt um +2.1% gegenüber dem Vorjahr. Ohne diese beiden Komponenten wurde eine Kerninflationsrate von +1.9% im September festgestellt, verglichen mit +1.6% im August.

 

Wirtschaftskalender 4. Oktober

MEZ Land Indikator Letzte Periode
08:30 CH Verbraucherpreise (September, J/J) +0.9%
10:30 EZ Sentix-Konjunkturindikator (Oktober)  +19.6
16:00 USA Auftragseingang dauerhafte Güter (August, M/M) +0.4%

 

Unternehmenskalender 4. Oktober

Land Unternehmen Periode
SP Repsol Q3 Umsatz

  

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Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Redaktion: Alessandro Fezzi, +41 44 250 78 59, E-Mail: lgt.navigator@lgt.com
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG

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