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LGT Private Banking Europe House View – August 2021

28. Juli 2021

Anleger sollten in den kommenden Monaten mit erhöhter Volatilität rechnen, doch die Wachstumsaussichten bleiben intakt. Europäische Versorger bieten Aufholpotenzial und wir stufen den Sektor neu auf «attraktiv» hoch. Nach den jüngsten Kursverwerfungen in chinesischen Aktien reduzieren wir dagegen Schwellenländertitel auf «neutral». Wir raten zudem, Gold in Schwächephasen zuzukaufen und rechnen bis Jahresende mit steigenden Ölpreisen.

LGT Private Banking Europe House View

Das globale Wirtschaftswachstum befindet sich auch 18 Monate nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie und dem möglichen Beginn einer vierten Welle über dem Potenzialoutput. Wir erwarten auch in den kommenden Monaten ein Wachstum über Potenzial, jedoch dürfte sich das Momentum im Vergleich zu den Vorquartalen abschwächen. In China ist dies in den Konjunkturdaten bereits zu sehen, und die USA dürften diesem Pfad im Spätsommer und Herbst folgen. In Europa, und vor allem in der Eurozone, bleibt die Dynamik relativ solide, da die grossflächige Impfstrategie in Kontinentaleuropa – im Vergleich zu den USA – erst später begonnen hat. Ebenfalls fallen die globalen «Überraschungsindikatoren», die zeigen, wie stark die realisierten Konjunkturdaten die Analystenerwartungen übertreffen, nicht mehr so hoch aus wie im Frühling. Das war zwar zu erwarten, da der Basiseffekt langsam verschwindet, dennoch dürfte diese Entwicklung zu einer erhöhten Nervosität bei Investoren führen, vor allem dann, wenn die Erwartungen zu hoch sind und nicht erfüllt werden. Absolut betrachtet bleibt das Wirtschaftsumfeld mittelfristig positiv für die Kapitalmärkte.

Finanzierungskonditionen bleiben sehr unterstützend

Wenn sich die Veränderungsrate des Wachstums abschwächt, hat dies oft einen negativen Einfluss auf die Finanzierungskonditionen. Doch derzeit sind sie nach wie vor sehr unterstützend. So beobachten wir in den USA die attraktivsten Finanzierungsbedingungen seit 30 Jahren. Das ist wenig überraschend, denn das Ausmass des Stimulus im Finanzsystem ist beispiellos. Die US-Notenbank ist weiterhin sehr expansiv und pumpt monatlich rund USD 120 Mrd. in die Finanzmärkte (USD 80 Mrd. in Staatsanleihen und USD 40 Mrd. in hypothekarisch gesicherten Wertpapieren). Seit Ausbruch der Covid-19-Pandemie ist ihre Bilanz von USD 4.12 Billionen auf mittlerweile USD 8.25 Billionen gewachsen. Die Reduktion dieser Geldschwemme, also das Zurückfahren der quantitativen Geldlockerung, wurde nun auf den Frühling 2022 verschoben – aber aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben. Die Währungshüter sind im Moment in einer sehr komfortablen Situation, da sich die mittel- bis langfristigen Inflationserwartungen in den vergangenen Wochen leicht reduziert haben und mit 2.15% weit weg sind von den 2.75 bis 3.0%, die die Notenbank in Zugzwang bringen würden.

Abkehr von der Austerität

In den Eurokrisen lag der Fokus auf der Sparpolitik, um die Staatshaushalte wieder in Ordnung bringen. Das Wort «Austerität» war in aller Munde, und die zwei grössten Volkswirtschaften Deutschland und Frankreich wollten die Krisen mit Sparmassnahmen bewältigen. Mittlerweile gehört die Austerität der Vergangenheit an, denn die strukturellen Defizite in der Eurozone sind 2020 und 2021 stark gestiegen. Die enormen Corona-Hilfspakete, aber auch die milliardenschweren Infrastrukturinvestitionen, sind eine klare Abkehr von der Sparpolitik im Vergleich zu früheren Krisen. Diese Pakete sowie eine Nullzinspolitik schaffen weiterhin ein gutes Umfeld für Unternehmen in der Eurozone.

Risiken: China, Fed und die vierte Welle

Das Glas bleibt aus unserer Sicht mittelfristig halbvoll. Kurzfristig könnte aber eine moderate Wirtschaftsverlangsamung in China für Nervosität und steigende Volatilität sorgen. Ebenso könnte eine Veränderung der Rhetorik der US-Notenbank beim kommenden Zinstreffen oder beim Symposium in Jackson Hole Ende August Schwankungen auslösen. Zudem droht eine vierte Pandemiewelle, wobei der Fokus der Investoren derzeit weniger auf die Zahl der Neuinfektionen gerichtet ist, sondern auf die Hospitalisierungen und die damit verbundenen Engpässe in den Spitälern. Auf Stufe Vermögensallokation bevorzugen wir nach wie vor Aktien gegenüber Obligationen, wobei in beiden Anlagekategorien der Fokus auf der Selektion liegen sollte. Zudem sehen wir weiterhin Potenzial in Rohstoffen gegenüber der Liquiditätsquote. Bei alternativen Anlagen ist Gold mittelfristig unser Favorit und sollte in Schwächephasen akkumuliert werden.

Attraktive Versorger und Kursverluste in China

Die Bewertungen der Aktienmärkte befinden sich nach wie vor im obersten Quartil, aber die Unternehmensgewinne und die Gewinnrevisionen wirken weiterhin unterstützend. Im Vordergrund stehen aber klar die Quartalsergebnisse der einzelnen Unternehmen sowie der Ausblick für das zweite Halbjahr und das Jahr 2022. Wir bevorzugen weiterhin Unternehmen, die eine Preissetzungsmacht besitzen, gegenüber denjenigen, die Preissteigerungen nicht an ihre Kunden weitergeben können. Ebenfalls sehen wir Potenzial in defensiven Aktien, die im ersten Halbjahr tendenziell vernachlässigt worden sind, aber dennoch ein solides Gewinnwachstum aufweisen. Neu bevorzugen wir zudem europäische Versorger, wo wir Aufholpotenzial orten. Das Gewinnwachstum ist intakt und der Sektor attraktiv bewertet. Auf Länderebene bleibt Europa unsere präferierte Region. China hat derweil neue Vorschriften verabschiedet, die insbesondere auf die Verstaatlichung von Unternehmen im Bildungssektor zielen. Das erhöhte die Unsicherheit und belastete die Anlegerstimmung. Chinesische Aktien haben inzwischen sämtliche Kursgewinne im Jahresvergleich wieder verloren und belasten aufgrund ihrer erheblichen Gewichtung den MSCI Schwellenländer-Index. Wegen des erheblichen politischen und regulatorischen Überhangs in China ziehen wir es derzeit vor, Schwellenländeraktien auf «neutral » zu reduzieren.

Kurze Duration im Tiefzinsumfeld

Wir raten weiterhin zu einer kurzen Duration, da die Zinskurven sehr flach sind und wir trotz expansiver Geldpolitik bis Ende Jahr tendenziell leicht höhere Zinsen in den USA erwarten. So dürften die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen bis auf 1.75% steigen, sollten sich die Wachstumsprognosen realisieren. In der Eurozone wird die Europäische Zentralbank (EZB) wohl jeden signifikanten Anstieg am langen Zinsende im Keim ersticken, gleiches gilt für eine Ausweitung der Spreads in den einzelnen Eurostaaten. Wir bleiben positiv für nachrangige Anleihen sowie Schwellenländerobligationen in Lokalwährung, da Anleger in beiden Sub-Segmenten relativ attraktive Risikoprämien erhalten. Die Selektion ist auch hier entscheidend.

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Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Autor: Thomas Wille, Head Research & Strategy, Email: thomas.wille@lgt.com 
Redaktion: Alessandro Fezzi, E-Mail: tina.haldner@lgt.com
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG

 
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