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LGT Private Banking Europe House View – Juli 2021

30. Juni 2021

Die leicht angepasste Rhetorik der US-Notenbank sorgt für Gegenwind an den Kapitalmärkten. Angesichts einer früher zu erwartenden Zinswende des Fed gestalten wir unsere Aktienpositionierung einen «Touch» defensiver und sehen Potenzial in Gold. Im Anleihenbereich stufen wir Schwellenländer-Lokalwährungsanleihen auf «attraktiv» hoch. Im Aktiensegment sehen wir weiteres Potenzial für europäische Aktien, erachten aber auch Schwellenländer weiterhin als «attraktiv».

LGT Private Banking Europe House View

Im LGT Private Banking Europe Halbjahresausblick (vom 23. Juni 2021) haben wir eine baldige Anpassung der Geldpolitik der US-Notenbank (Federal Reserve) und damit ein Abebben der enormen Liquiditätsflut der Zentralbanken als eine der grossen Herausforderungen herausgestrichen. Diese wichtige Veränderung, genauer gesagt die Ankündigung einer zukünftigen Anpassung, wurde nun von der Fed bereits im Juni kommuniziert. Bis dato hatte der Offenmarktausschuss (Federal Open Market Committee, FOMC) der US-Notenbank einen ersten Zinsschritt im ersten Quartal 2024 in Aussicht gestellt. Nun wurde dieser Zeitpunkt in die zweite Jahreshälfte 2023 vorgezogen. Es würde uns nicht überraschen, wenn dieses «Timing» in den kommenden Monaten sogar in die erste Jahreshälfte 2023 verschoben würde. Die Kapitalmärkte gehen für den Moment sogar von einem ersten Zinsschritt in den USA von 25 Basispunkten im vierten Quartal 2022 aus, was auch indizieren würde, dass sich das Fed hinter der Kurve befindet. Wir bleiben jedoch bei unserer Einschätzung, dass die amerikanische Zentralbank weder in diesem noch im kommenden Jahr die Leitzinsen erhöhen wird, gleichzeitig aber die Finanzmärkte mit signifikant weniger Liquidität versorgen wird.

Die Geldpolitik der Zentralbanken bleibt insgesamt gesehen nach wie vor expansiv, auch nach der sachten Ankündigung der US-Notenbank, denn wir reden hier von möglichen Veränderungen in eineinhalb bis zwei Jahren. Dennoch die Adjustierung in der Kommunikation des Fed wird in den kommenden Wochen wohl für weitere Unruhe und teilweise für Gegenwind sorgen, insbesondere für Vermögensklassen, welche sich stark von ihren langfristigen Bewertungsniveaus entfernt haben. Dies ist auch der Grund weshalb wir uns auf der Aktienseite nun einen «Touch» defensiver positionieren.

Europäisches Wirtschaftsumfeld bleibt freundlich

Die Eurozone hat mit der flächendeckenden Impfkampagne gegen die Covid-19 Pandemie später als die USA begonnen und hat somit noch Aufholpotenzial. Die jüngsten Wirtschaftsdaten von Kontinentaleuropa dürften die hohen Erwartungen der Analysten aber weiter positiv übertreffen. Der viel beachtete deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex konnte sowohl in den Erwartungen wie auch in der aktuellen Einschätzung im Juni weiter zulegen. Im Gegensatz zur US-Notenbank gehen wir davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) deutlich länger an ihrer expansiven Ausrichtung festhalten wird und in absehbarer Zeit nicht an der Zinsschraube drehen wird. Einerseits um die Wirtschaftserholung in der Peripherie nicht zu gefährden und andererseits das Gedeihen des zarten «Inflations-Pflänzchens» zu sichern.

Neue Normalität und Risiko einer nächsten Pandemiewelle

Der Kapitalmarkt ist mit sechs bis neun Monaten in der Regel einer guter Vorlaufindikatoren. Der längste Tag liegt seit dem 22. Juni auf der Nordhalbkugel bereits wieder hinter uns und die Tage beginnen kürzer zu werden. Natürlich geniessen wir den Sommer, dennoch in vier bis sechs Monaten beginnt wieder die Grippesaison und damit auch die Herausforderungen hinsichtlich der Pandemiebekämpfung. Wir sehen, dass die eingesetzten Covid-19-Impfungen zwar Wirkung zeigen, jedoch machen Grossveranstaltungen wie die EURO 2020 deutlich, dass es noch ein weiter Weg ist zur Normalität, wie wir sie vor der Pandemie gekannt haben. Deshalb bleibt unseres Erachtens eine erneute Pandemiewelle im vierten Quartal ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor, insbesondere hinsichtlich der Delta-Mutation.

In den kommenden Wochen dürfte die Rhetorik-Adjustierung des Fed einen Einfluss auf die Positionierung sowie der weiteren Entwicklung an den Kapitalmärkten haben. Trotz der nun früher zu erwartenden Zinswende sehen wir zum heutigen Zeitpunkt auf Stufe Vermögensallokation am meisten Potenzial in Aktien und Rohstoffen. Dies führt auch zu einem Festhalten an unseren bisherigen zwei Überzeugungen: Einerseits Aktien dem festverzinslichen Teil vorzuziehen und andererseits der Präferenz von Rohstoffe gegenüber Liquidität.

Gewinnrevisionen bleiben unterstützend

Auf absolutem Niveau befinden sich die Bewertungen der globalen Aktienmärkte im historischen Vergleich weiter im obersten Quartil. Überstützend für weite Bereiche des Marktes bleiben die positiven Gewinnrevisionen der Analysten, die im Juni erneut stark angezogen haben. Zu Beginn des dritten Quartals bleibt Europa für uns auf Länderebene der «Place to be», da sowohl die Tendenzen zur Lockerung der Pandemiebeschränkungen und zur Wiedereröffnung, wie auch die relative Bewertung für die Region sprechen. Auch Unternehmen aus Schwellenländern besitzen unseres Erachtens Potenzial und wir erwarten, dass sich chinesische Aktien in einer Bodenbildungsphase befinden. Auf Sektorenebene möchten wir den nicht-zyklischen Konsumbereich hervorheben, da dieser einerseits eine historisch tiefe Bewertung relativ zum Gesamtmarkt hat und andererseits in turbulenten Zeiten einen stabilen Pfeiler im Portfolio darstellt.

Schwellenländeranleihen in lokal Währung kommen hinzu

Bei dem enorm tiefen Zinsniveau der Staatsanleihen und rekordtiefen Kreditrisikoprämien bei Unternehmungsobligationen sowie hochverzinslichen Anleihen, ist es eine Herausforderung noch attraktive Bereiche zu finden. Für hybride Anleihen bleiben wir zuversichtlich und präferieren «CoCo’s» sowie «Corporate Hybrids» aufgrund des im historischen Vergleich attraktiven Spread-Niveaus. Aktuell erhöhen wir auch Schwellenländeranleihen in Lokalwährung von «neutral» auf «attraktiv». Im Zentrum stehen die sich verbessernden Wachstumsaussichten für die «Emerging Markets» sowie der hohe «Carry» von über 400 Basispunkten im US-Dollar und sogar 550 Basispunkten im Euro. In allen festverzinslichen Bereichen empfehlen wir, in den kommenden Monate eine kurze Duration zu halten.

Gold bietet Potenzial

Nach der jüngsten Preiskorrektur hat Gold aus unserer Sicht wieder Potenzial und dürfte vor allem in turbulenten und unsicheren Zeiten vermögensübergreifend ein sicherer Anker sein. Selbstverständlich ist auch hier das Timing nicht zu unterschätzen, jedoch erwarten wir in den kommenden Quartalen klar höhere Goldnotierungen als zu Beginn der zweiten Jahreshälfte.

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Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Autor: Thomas Wille, Head Research & Strategy, Email: thomas.wille@lgt.com 
Redaktion: Alessandro Fezzi, E-Mail: tina.haldner@lgt.com
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG

 
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