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LGT Private Banking Europe House View – Juli 2022

27. Juni 2022

Um die hohe Inflation in den Griff zu bekommen, muss die US-Notenbank die Nachfragedynamik bremsen. Damit steigt aber auch das Risiko einer Rezession. Die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken ist entscheidend, um die Zinswende zu meistern und Extremrisiken zu kontrollieren. In Schwellenländeraktien zeichnet sich indes ein Ende des Abwärtstrends ab und wir stufen das Segment auf «neutral» hoch. Im Anleihensegment bevorzugen wir weiterhin hybride Anleihen.

LGT Private Banking Europe House View

Die dritte Juniwoche hatte es in sich und war die Bestätigung, dass die Kapitalmärkte an einem Wendepunkt stehen. Die Zentralbanken rund um den Globus lassen nach Worten nun auch verstärkt Taten folgen. So hat die US-Notenbank (Fed) jüngst mit 75 Basispunkten den grössten Zinsschritt seit 1994 vollzogen und die eigenen Zinsziele für 2022 bis 2024 stark nach oben angepasst. Die Jahresendziele liegen nun bei 3.4% (2022), 3.8% (2023) und 3.4% (2024). Man mag sich fragen, inwieweit es überhaupt sinnvoll ist, ein Ziel für 2023 und 2024 zu setzen, aber die Richtung ist damit zumindest klar definiert, nämlich die Inflation mit allen Mitteln zu bekämpfen. Für die grosse Überraschung sorgte diesmal die Schweizerische Nationalbank (SNB), die ihren Leitzins gleich um 50 Basispunkte angehoben hat. Der Markt hatte diesen Schritt nicht erwartet, insbesondere auch deshalb, weil die SNB damit schneller als die Europäische Zentralbank (EZB) agiert hat. Die EZB peilt derweil im Juli die erste Zinserhöhung seit elf Jahren an. Wegen der steigenden Renditeaufschläge («Spreads») in der europäischen Peripherie tut sich Notenbankchefin Christine Lagarde aber schwer, eine klare Entscheidung zu fällen. An den Finanzmärkten ist die Zinswende der EZB bereits eingepreist und die Erwartungen deuten rasch steigende Zinsen in den USA und in Europa an.

Dienstleistungsinflation im Fokus

Auch im Mai lag die Teuerung in den USA bei über 8% und das, obwohl die Güterinflation seit zwei Monaten rückläufig ist. Das ist ein erstes Indiz dafür, dass sich die globalen Lieferketten wieder beginnen, zu synchronisieren. Die Dienstleistungsinflation ist hingegen weiter gestiegen, angefacht durch steigende Löhne. Um wieder in ein Gleichgewicht zu finden, muss sich die Nachfragedynamik deutlich abkühlen – die Notenbank muss die Nachfrage daher regelrecht «zerstören», was sich in einem geringeren Wirtschaftswachstum materialisieren dürfte. 

Tag der Abrechnung

Ein starker US-Dollar, steigende Zinsen und eine nachlassende Wirtschaftsdynamik – das ist ein fast perfekter Sturm für die nun anstehende Berichtssaison, die Ende Juli in den USA und in Europa startet. Die hohen Energiekosten dürften denn auch ihren Tribut fordern. Noch erwarten die Analysten ein fast zweistelliges Gewinnwachstum. Der Aktienmarkt geht aus unserer Sicht zwar nicht mehr von einer solchen Dynamik aus, jedoch ist eine Gewinnrezession noch nicht eingepreist. Der «Tag der Abrechnung» wird aber kommen. Die Ausblicke der Unternehmen dürften dabei eine Indikation für die zweite Jahreshälfte 2022 und das Jahr 2023 liefern, denn die Wachstumserwartungen sind mit 8% deutlich zu hoch. Die Volatilität auf Einzeltitelebene dürfte wie in der ersten Berichtsaison 2022 enorm hoch sein. 

Defensive Positionierung

In den letzten Wochen hat sich der Wachstums-/Inflationsmix erneut verschlechtert. Damit hat das Risiko einer Rezession in den kommenden zwölf bis 18 Monaten zumindest in den USA zugenommen. Eine rekordniedrige Konsumentenstimmung sowie weniger fiskalpolitische Impulse, angesichts auslaufender Coronakrisenhilfen, bremsen das Wachstum zusätzlich. Die hohen Energie- und Lebensmittelpreise wirken für einen Grossteil der Bevölkerung wie eine zusätzliche Steuer. Damit ist weniger Geld vorhanden, um den Konsum und das Wirtschaftswachstum zu stützen. In den USA und Europa werden die Wachstums-prognosen daher nach unten revidiert, während Chinas Wirtschaft im laufenden Jahr bereits unter dem Potenzial bleibt.

Anlagestrategie

In diesem Marktumfeld ist der Zeitpunkt noch nicht gekommen, um Risiken aufzubauen, weder auf der Aktien- noch auf der Obligationenseite. An unserer Strategie, den Marktrückschläge nicht für Käufe zu nutzen, halten wir trotz einer Korrektur von 20% fest. Die steigenden Zinsen haben vermögensübergreifend die Aktienrisikoprämie trotz einer KGV-Kompression von 15-20% nicht steigen lassen. In den kommenden Monaten setzen wir vor allem auf die Selektion, sowohl bei Aktien als auch bei Bonds.

Aktienstrategie

Auf der Aktienseite stufen wir Schwellenländer (Emerging Markets) von «unattraktiv» auf «neutral» hoch. Im harschen Marktumfeld der vergangenen Monate haben Schwellenländeraktien gegenüber dem Weltaktienindex deutlich an Boden eingebüsst. Doch nun scheint viel Negatives bereits eingepreist zu sein, was Verbesserungspotenzial eröffnet. Unsere Präferenz für lateinamerikanische Titel geben wir dagegen auf, da die politischen Risiken deutlich gestiegen sind. Ins Zentrum rückt nun die Gewinnsaison für das zweite Quartal.

Fixed-Income-Strategie

Die Zentralbanken haben den Anstieg der Inflation lange unterschätzt. Nun stehen sie vor der Herausforderung, die Leitzinsen zu erhöhen, ohne die Konjunktur abzuwürgen. Heikel ist der Balanceakt vor allem für die EZB, die eine erneute Schuldenkrise im Währungsraum verhindern muss. Auf der Obligationenseite setzen wir weiterhin auf nachrangige Anleihen, wobei wir AT1-Anleihen bevorzugen. 

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Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Autor: Thomas Wille, Chief Investment Officer, Email: thomas.wille@lgt.com 
Redaktion: Alessandro Fezzi, E-Mail: alessandro.fezzi@lgt.com
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG

 
Risikohinweis (Disclaimer)

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