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LGT Private Banking Europe House View – Juni 2022

1. Juni 2022

Die Verschärfung der Finanzierungsbedingungen dürfte für eine Abkühlung des globalen Wirtschaftswachstums sorgen. Die grosse Frage bleibt daher, ob es den Notenbanken gelingt, den heiklen Balanceakt zu bewältigen, ohne eine Rezession auszulösen. Wir nehmen Anpassungen in der Sektorallokation vor und realisieren Gewinne in nicht-zyklischen Konsumgütern und Versorgern. Da das Marktumfeld wieder mehr Potenzial für Unternehmensanleihen mit Anlagequalität eröffnet, bewerten wir das Segment neu mit «neutral».

LGT Private Banking Europe House View

Die ersten fünf Monate dieses Jahres hätten für Investoren kaum schwieriger sein können. Denn nicht nur an den Aktienmärkten waren sie einem scharfen Gegenwind ausgesetzt, sondern auch in der zweiten grossen Anlagekategorie, den Obligationen. Stand zum Jahreswechsel noch das Thema Inflation im Zentrum, kam mit dem Kriegsbeginn in der Ukraine im Februar ein weiterer sehr schwierig abzuschätzender Unsicherheitsfaktor hinzu. Mittlerweile gibt es daher berechtigte Sorgen, dass sich das globale Wirtschaftswachstum in der zweiten Jahreshälfte ab-kühlen könnte. So dürfte sich das Wachstum in China wegen der Null-Covid-Strategie verlangsamen. Zudem erwarten wir in den USA eine schwächere Konjunkturdynamik als anfangs Jahr, da sich die US-Notenbank (Fed) derzeit strikt auf die Inflationsbekämpfung fokussiert. Obwohl die Verluste in einzelnen Marktsegmenten seit Jahresbeginn enorm sind, notieren die meisten breit abgestützten Aktienindizes noch immer klar höher als vor der Corona-Pandemie, darunter der MSCI Welt, der S&P 500 sowie der Europe STOXX 600.

US-Finanzierungskonditionen verschärfen sich

Die amerikanische Zentralbank hat in den letzten Wochen und Monaten immer wieder betont, dass die Finanzierungskonditionen zu locker seien und wieder auf ein langfristig akzeptables Niveau steigen sollten. Die Finanzierungsbedingungen werden durch mehrere Faktoren beeinflusst, darunter die Notenbank-zinsen, das lange Ende der Zinskurve, der Aktienmarkt, die Kreditrisikoprämien und die Währungen. Zu Beginn des Jahres hat sich der entsprechende Index von seinem Fünfzigjahrestief gelöst und bewegt sich nach oben. Sämtliche Faktoren haben zum Anstieg beigetragen, wobei der Rückschlag an den Aktienmärkten den grössten Anteil daran hat. Die Korrektur an den Märkten hat dem Fed somit geholfen, die Finanzierungskonditionen zu normalisieren. Trotz des steilen Anstiegs befinden wir uns aber nach wie vor deutlich unter dem historischen Durchschnitt.

Inflation – Noch keine Entwarnung

Für Investoren sind die Inflationserwartungen in der Regel bedeutender als die realisierte Inflation. Die Inflationserwartungen in den USA sinken allmählich. Allerdings liegen die fünfjährigen Erwartungen immer noch bei fast 3%. Daher kann es aus unserer Sicht keine Entwarnung geben. Zu gross ist in den USA derzeit der Lohndruck und der Preisdruck aufgrund teurer Mieten. Beide Komponenten könnten länger auf hohem Niveau verharren als zu Jahresbeginn erwartet wurde. Daher ist die Wahrscheinlichkeit in den letzten Wochen gestiegen, dass die hohe Teuerung hartnäckiger ist als sie in den aktuellen Marktpreisen reflektiert wird.

Defensive Positionierung

Die Kapitalmärkte zeichnen sich weiterhin durch einen ungewöhnlichen Wachstums- und Inflations-Mix aus. In einem Umfeld, in dem die Zentralbanken fast gezwungen sind, die Folgen klassischer Angebotsschocks – wie unterbrochene Lieferketten – zu bekämpfen, ist die Visibilität begrenzt und die Volatilität erhöht. Das Wirtschaftswachstum dürfte sich durch die Verschärfung der Finanzierungskonditionen abkühlen. Die grosse Frage bleibt, ob es den Notenbanken gelingen wird, diesen Balanceakt zu bewältigen ohne eine Rezession auszulösen. Der Krieg in der Ukraine ist vor allem für die Europäische Zentralbank (EZB) ein weiteres unberechenbares Risiko.

Anlagestrategie

Auf Stufe Anlagestrategie halten wir vermögensübergreifend an unserer defensiven Positionierung fest. Alternative Anlagen sind unsere präferierte Anlageklasse, gefolgt von Aktien, Liquidität und Obligationen. Der zentrale Erfolgsfaktor bleibt in jeder Kategorie die Selektion. Wir erwarten, dass die im historischen Vergleich hohe Volatilität auch in den kommenden Monaten ein stetiger Begleiter sein wird. Grund dafür ist die eingeschränkte Visibilität im makroökonomischen Bereich, die zu einer geringeren Prognostizierbarkeit führt.

Aktienstrategie

Wir halten an unserer neutralen Positionierung für Aktien fest. Jedoch passen wir unsere Sektorenallokation an, da es in diesem Jahr enorme Performanceunterschiede gegeben hat. In den beiden defensiven Sektoren nicht-zyklische Konsumgüter und Versorger realisieren wir die Outperformance und reduzieren das Rating von «attraktiv» auf «neutral». Zudem erhöhen wir den Technologiesektor von «unattraktiv» auf «neutral», da es in den letzten Monaten zu dem erwarteten De-Rating gekommen ist. Um eine defensive Ausrichtung beizubehalten, erhöhen wir die Gewichtung des Gesundheitssektors von «neutral» auf «attraktiv». Die Bewertung des Sektors ist im historischen Vergleich günstig und hat somit Potenzial nach oben.

Fixed-Income-Strategie

In Staatsanleihen entwickelter Länder sehen wir aufgrund unserer Inflationserwartungen weiter Druck nach oben. Deshalb halten wir an unserer Bewertung «unattraktiv» fest und bevorzugen tendenziell eine kurze Duration. Hingegen erhöhen wir unsere Einschätzung für Unternehmensanleihen auf «neutral», da der Zinsanstieg sowie die höheren Kreditrisikoprämien nun wieder mehr Potenzial eröffnen. Hybride Anleihen bieten weiterhin das beste Risiko-Rendite-Potenzial im Fixed-Income-Bereich.

Alternative Anlagen

Wir halten alternative Anlagen weiterhin für «attraktiv» und im derzeitigen Umfeld bleibt Gold unser Favorit. Mittel- bis lang-fristig sehen wir trotz der jüngsten Avancen im Rohstoffsektor weiterhin Potenzial in diesem Segment.

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Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Autor: Thomas Wille, Chief Investment Officer, Email: thomas.wille@lgt.com 
Redaktion: Alessandro Fezzi, E-Mail: alessandro.fezzi@lgt.com
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG

 
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