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LGT Private Banking Europe House View – Mai 2022

27. April 2022

Mittelfristig gehen wir nun von einem erhöhten Rezessionsrisiko und einer hartnäckigeren Inflation aus. Im Aktienbereich halten wir an einer defensiven Aktienpositionierung fest und fokussieren auf Qualitätsaktien mit entsprechender Dividendenrendite. Im Segment der festverzinslichen Wertpapiere bevorzugen wir Hybridanleihen und ziehen inflationsgebundene Anleihen Staatsanleihen vor.

LGT Private Banking Europe House View

Der anhaltend starke Preisanstieg und die damit fortlaufende Kaufkrafterosion beschäftigen in der westlichen Welt nicht nur Investoren, sondern belasten auch die wichtigste Stütze unseres Wirtschaftswachstums – den Konsumenten. Der starke Anstieg in den letzten Quartalen ist primär auf die Nachwirkungen der Corona-Pandemie sowie unterbrochene Lieferketten und sekundär auf den Krieg in der Ukraine zurückzuführen. Wir erwarten vor allem aufgrund des Konflikts mit Russland und den Nachwirkungen der Coronakrise eine höhere strukturelle Inflation in den kommenden Quartalen, die durch eine Verlangsamung der Globalisierung erklärt werden kann. Die beiden Ereignisse haben einen Angebotsschock ausgelöst, der zu einem exorbitanten Anstieg der Inflation geführt hat, wie wir es zuletzt in den 1970iger Jahren beobachten haben.

Markterwartung nahe dem Höhepunkt

Der Kapitalmarkt antizipiert derzeit einen viel kürzeren und schnelleren Zinserhöhungszyklus in den USA als in der Vergangenheit. Bei den nächsten vier Zinsentscheiden der US-Noten-bank (Fed) erwarten die Finanzmärkte insgesamt eine Straffung von insgesamt 175 Basispunkten – sprich, das Fed wird den Leitzins mehrmals um 50 Basispunkte erhöhen (Grafik 1). Zudem dürfte der Fed-Vorsitzende Jerome Powell ab Mai 2022 beginnen, die aufgeblasene Zentralbankenbilanz zu reduzieren. Wir erwarten, dass die Bilanz in den kommenden zwölf Monaten um über eine Billion US-Dollar verringert wird. Die Massnahmen dürften die Finanzierungskonditionen in den USA verschärfen.

Die geldpolitischen Instrumente haben jeweils einen hohen Wirkungsgrad, wenn es sich um einen Nachfrageschock handelt. Im aktuellen Setup liegt das Problem aber wie beschrieben auf der Angebotsseite. Die Zentralbanken der G7-Nationen werden die Inflation mit allen Mitteln bekämpfen, was auch zu Lasten das Wirtschaftswachstums gehen wird. In den letzten Wochen hat deshalb das Risiko einer Wirtschaftsverlangsamung oder gar einer Rezession tendenziell zugenommen. Der Lichtblick in dieser heiklen Situation bleibt, dass die Wertschöpfungsketten sich in naher Zukunft wieder synchronisieren und somit die Folgen der Pandemie abgeschwächt werden. Dies bleibt unser Hauptszenario für die zweite Jahreshälfte. Bis in den Sommer dürfte die Unsicherheit aber weiterhin hoch bleiben.

«Bearishe» Positionierung der Investoren

Das oben beschriebene Marktumfeld ist Anlegern bestens bekannt und wird somit zu einem Grossteil in den heutigen Preisen reflektiert. Deshalb ist es auch nicht erstaunlich, dass der Markt bereits eine vorsichtige, bzw. «bearishe» Positionierung eingenommen hat. Die Anzahl der «Bullen» ist so gering, wie wir es das letzte Mal vor 30 Jahren gesehen haben und die Differenz zwischen «Bullen» und «Bären» befindet sich auf einem Zehnjahrestief (Grafik 2). Im Moment zeigt dies, dass die Finanz-märkte bereits viele negative Nachrichten eskomptiert haben. Dieser Kontraindikator spricht weiterhin für ein sehr selektives Engagement in Aktien.

Makroökonomischer Ausblick

Auf globaler Basis bleiben die Frühindikatoren (PMIs) zwar relativ robust, jedoch schwächen sich die Indikatoren für die wirtschaftliche Stimmung der Unternehmen und Konsumenten weiter ab. Der Konflikt in der Ukraine sowie die Unsicherheiten hinsichtlich der Lieferketten werden das Vertrauen der Anleger belasten. Sowohl die Fiskal- wie auch die Geldpolitik werden für den Rest des Jahres weniger unterstützend wirken, da in den USA aufgrund der hohen Inflation ein schnelles Anziehen der kurzen Zinsen erwartet wird. Im Zentrum steht nicht nur die Teuerung selbst, sondern auch der Wille der Zentralbanken, diese mit allen Mitteln zu bekämpfen. Deshalb erwarten wir nicht nur eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums, sondern beobachten auch einen zunehmenden Anstieg des Rezessionsrisikos im kommenden Jahr. Selbst wenn der Preisanstieg im zweiten Quartal den Höhepunkt erreichen dürfte, erwarten wir, dass die Inflation hartnäckig bleiben wird. Auch der Begriff «vorübergehend» muss wohl von Monaten auf Quartale, wenn nicht sogar auf Jahre ausgedehnt werden. In diesem Umfeld bevorzugen wir «reale» gegenüber «nominellen» Vermögenswerten. Vermögensübergreifend präferieren wir daher alternative Anlagen und Aktien gegenüber Cash und Obligationen. Der Fokus bleibt innerhalb jeder Anlagekategorie auf der Selektion. So hat beispielsweise der Aktienindex Dax, der 40 Titel umfasst, in den ersten vier Monaten des Jahres eine enorme Streuung von +40% (bester Wert) zu -60% (schlechtester Wert) gezeigt. Dieses Muster ist typisch für ein spät-zyklisches Wirtschaftsumfeld.

Aktienstrategie

Wir halten sowohl an unserer defensiven Positionierung in Aktien sowie unserem neutralen Rating fest. Im gegenwärtigen inflationären Umfeld bieten Aktien weiterhin einen realen Wert. Wir empfehlen, in Stärkephasen selektiv Gewinne zu realisieren, da wir im Moment ein limitiertes Aufwärtspotenzial bei Aktienindizes sehen. Ebenfalls sollten sich Investoren von Aktien trennen, die bei einem geringeren Wirtschaftswachstum mit erheblichen Probleme konfrontiert sein werden. Auf Stufe Regionen bleiben die USA unser defensiver Pol, und bei Sektoren sind dies nicht-zyklische Konsumgüter sowie Versorger. Der klare Fokus auf Qualitätswerte mit einer entsprechenden Dividendenrendite wird auch in den kommenden Monaten ein Erfolgsgarant sein.

Fixed-Income-Strategie

Trotz des jüngsten deutlichen Renditeanstiegs sehen wir bei Staatsanleihen den Wendepunkt noch nicht erreicht und halten das Segment weiterhin für «unattraktiv». Wir erachten es zudem als verfrüht, unsere kurze Durations-Positionierung anzupassen. Im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere bevorzugen wir Hybridanleihen und ziehen inflationsgebundene Anleihen Staatsanleihen vor.

Alternative Anlagen

Im derzeitigen Umfeld sehen wir nach wie vor Potenzial in alternativen Anlagen. Insbesondere Gold verspricht Kursfantasie und wir halten an unserer attraktiven Einschätzung fest. Wir empfehlen, Gold in grösseren Schwächephasen zu akkumulieren.

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Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Autor: Thomas Wille, Chief Investment Officer, Email: thomas.wille@lgt.com 
Redaktion: Alessandro Fezzi, E-Mail: alessandro.fezzi@lgt.com
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG

 
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