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LGT Private Banking Europe House View – Oktober 2021

29. September 2021

Der Pfad wird mit dem «Tapering» des Fed steiniger und Risikofaktoren wie China und die Angst vor einem Zahlungsausfall des chinesischen Immobilienkonzerns «Evergrande» werden zur Herausforderung. Im Aktiensegment nehmen wir teilweise Gewinne mit und im Anleihen-Bereich bleibt die Selektion unserer Ansicht nach in allen Kategorien entscheidend.

LGT Private Banking Europe House View

Beim vielbeachteten Jackson Hole-Notenbanksymposium Ende August machte US-Notenbankchef Jerome Powell bereits erste Andeutungen, dass das Fed ihre ultraexpansive Geldpolitik bald anpasst und mit dem so genannten «Tapering» beginnen wird. Unter dem Begriff «Tapering» wird die Reduktion der quantitativen Geldlockerung (QE) verstanden. Das heisst aber nicht, dass das Fed die Notenbank-Bilanz verringert, sondern lediglich dem Markt weniger zusätzliche liquide Mittel zur Verfügung stellt. Am Kapitalmarkt rechnen Investoren nun bereits in den kommenden Wochen mit dem Startschuss zum «Tapering». Bedingung ist aber, dass sich die US-Wirtschaft weiterhin positiv entwickelt. Während das Timing und die absehbare Geschwindigkeit der in Aussicht gestellten QE-Drosselung in etwa erwartet worden war, überraschte das Fed dennoch anlässlich ihres Zinsentscheids in der letzten Woche mit der Aussage, dass mit einer effektiven Zinswende, resp. einer ersten Zinserhöhung schon früher zu rechnen sein könnte. Das Fed geht derzeit von einem langsamen Anstieg des Leitzinssatzes bis zu einem Zinssatz von 2.5% am Ende des Zinserhöhungszyklus aus. Jedoch sind bereits acht von 16 Ratsmitgliedern im geldpolitischen Ausschusses (Federal Open Market Committee) der Meinung, dass das Fed bereits im Dezember 2022 von ihrer quasi Nullzinspolitik abweichen sollte. Unter dem Strich fiel damit die aktuelle Kommunikation des Fed ein wenig «hawkischer» aus als dies an den Finanzmärkten erwartet worden war.

Der Weg wird steiniger

Mit dieser neuen Weichenstellung dürfte der Pfad für die Kapitalmärkte etwas steiniger werden, aber auch nicht viel mehr. Das Wirtschaftswachstum dürfte sowohl in den USA wie auch in Europa im nächsten Jahr über dem Potenzialwachstum liegen. Die Vorlaufindikatoren der G10-Länder haben zwar im Sommer ihre Höchststände erreicht, signalisieren jedoch weiterhin eine solide Expansion, was unsere konstruktive Grundeinstellung bekräftigt. Auch die mittel- bis langfristigen Inflationserwartungen in den USA sind zwischen 2% bis 2.25% weit von der Gefahrenzone von 3% und mehr entfernt. Somit scheint die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken, allen voran der Federal Reserve weiterhin intakt.

Risikofaktoren China und «Evergrande»

Die Risikofaktoren für die Kapitalmärkte haben sich in den letzten Wochen eigentlich verringert. So wird beispielsweise die Corona-Pandemie mittlerweile als ein «bewältigbares» Problem eingeschätzt. Jedoch könnte eine Verlangsamung der Konjunkturerholung in China, möglicherweise auch als Folge der Probleme rund um «Evergrande» kurzfristig zu einer Herausforderung werden. Mit einem «Domino-Effekt» wird derzeit aber nicht gerechnet. So hat das «Investmentgrade» Segment in China kaum auf die Ausschläge bei hochverzinslichen Anleihen – ausgelöst durch «Evergrande» – reagiert. Es geht vielmehr darum, dass es zu einer abrupten Abkühlung in Chinas Immobilienmarkt kommt, der immerhin für mehr als 15% der Wirtschaftsleistung verantwortlich ist. Erste Analysten haben denn auch bereits ihre BIP-Schätzungen für China reduziert.

Ein heikler Balanceakt

Für die US-Notenbank wird es ein heikler Balanceakt werden, die Finanzmärkte von der quantitativen Geldlockerung zu entwöhnen und in weniger als 18 Monaten mit ersten Zinsschritten zu beginnen. Das Fed dürfte anstreben, das «Tapering» bis im Sommer 2022 abzuschliessen, sprich das Kaufprogramm von derzeit USD 120 Milliarden pro Monat auf Null zu reduzieren. Der Effekt dieses Prozesses ist zwar sicherlich nicht von der Hand zu weisen, jedoch sollten wir die Kirche im Dorf belassen. Denn einerseits bleibt die Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank trotzdem expansiv und andererseits werden die Kapitalmärkte durch die QE-Programme der Europäischen Zentralbank und der Bank of Japan weiterhin gestützt.

Aktien und Rohstoffe bleiben im Portfolio

Zu Beginn des Schlussquartals bleiben Aktien und Rohstoffe im Fokus und sollten gegenüber Obligationen und Liquidität bevorzugt werden. Trotz erhöhter Volatilität werden Investoren nicht um Aktien herumkommen. Die Aktienrisikoprämie für den S&P 500 bleibt über 300 Basispunkte und die Gewinnmargen waren in den letzten 40 Jahren noch nie so hoch. Das «Tapering» des Fed dürfte aber den Pfad an den Kapitalmärkten durchaus steiniger machen. Anfang November dürfte aber die Saisonalität historisch betrachtet unterstützend wirken. Bei Rohstoffen bleiben wir im Portfoliokontext positiv, da die Preise aus unserer Sicht im derzeitigen Umfeld durch das begrenzte Angebot getrieben sind und weniger durch die Nachfrageseite.

Aktien Europa und Grossbritannien neu «neutral»

In unserer Aktienstrategie stufen wir sowohl Europa (ex-UK) und Grossbritannien auf «neutral» zurück und realisieren so selektiv Gewinne. Der Bewertungsabschlag von Europa zu den USA und dem globalen Aktienmarkt ist nicht mehr so attraktiv, dass wir kurzfristig ein Übergewicht rechtfertigen können. Vermögensübergreifend bleiben wir auf globaler Basis weiter bei unserer «Barbell-Strategie»: Einerseits setzen wir auf Wachstumsfirmen, die von langfristigen Trends wie der Digitalisierung profitieren, und andererseits auf zyklische Qualitätsfirmen, die vom globalen Wirtschaftswachstum profitieren.

Keine Experimente im Anleihen-Bereich

Das Beispiel «Evergrande» zeigt wieder einmal, dass es im derzeitigen Umfeld kaum Sinn macht, auf der festverzinslichen Seite grosse Risiken einzugehen. Diese sollten Investoren, falls gewünscht, auf der Aktienseite nehmen. Mit dem Beginn des «Taperings» dürfte sich das lange Ende der US-Zinskurve leicht nach oben gegen 1.75% im zehnjährigen Bereich bewegen. Wir halten an unserer neutralen Durations-Positionierung fest. Innerhalb eines Fixed Income-Portfolios bevorzugen wir weiterhin hybride Anleihen sowie Schwellenländer Obligationen in Lokalwährung. Jedoch bleibt die Selektion in allen Kategorien entscheidend, wie wir unlängst an den kurzfristigen Marktverwerfungen in China miterleben konnten.

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Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Autor: Thomas Wille, Head Research & Strategy, Email: thomas.wille@lgt.com 
Redaktion: Alessandro Fezzi, E-Mail: alessandro.fezzi@lgt.com
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG

 
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