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LGT Private Banking Europe House View – September 2021

1. September 2021

Die «Tauben» bleiben bei der US-Notenbank am Ruder. Fed-Chef Powell bekräftigte am Jackson-Hole-Symposium die geduldige Haltung des Fed angesichts steigender Corona-Risiken. Auf Stufe Vermögensallokation bleiben unsere zwei «Key-Convictions» bestehen. Wir präferieren Aktienanlagen gegenüber Anleihen und erwarten, dass Rohstoffe einen besseren Ertrag abwerfen als Liquidität. Im Aktienbereich empfehlen wir, einen Teil der Gewinne im Gebrauchsgütersektor, insbesondere bei Luxusgüteraktien, zu realisieren. Wir passen zudem unsere Einschätzung bei Unternehmens- und Hochzinsanleihen an und erhöhen damit unsere «Qualitätsquote».

LGT Private Banking Europe House View

In der Sprache der Finanzindustrie unterscheidet wir hinsichtlich der Ausrichtung der Geldpolitik der Zentralbanken zwischen «Falken» und «Tauben». Erstere tendieren jeweils zu einer eher «härteren» Gangart in Sachen Zinspolitik. Letztere stehen für eine tendenziell «sanftere» Geldpolitik. Jerome Powell, der Vorsitzende der US-Notenbank ist dem Lager der «Tauben» zuzuordnen, und dieses Lager behält auch nach dem diesjährigen Jackson-Hole-Zentralbankensymposium das Ruder fest in der Hand. Die an die Finanzmärkte gerichtete Kernbotschaft des Fed ist klar: Die Wirtschaft hat zwar erfreuliche Fortschritte gemacht, jedoch sorgt insbesondere die Entwicklung der Corona-Pandemie weiterhin für einen hohen Grad an Unsicherheit. Das heisst, dass das Fed die monetäre Ausrichtung zwar zu gegebenem Zeitpunkt anpassen wird, jedoch scheint eine Reduktion der quantitativen Massnahmen (QE) nicht unmittelbar – sprich an der nächsten FOMC-Sitzung am 22. September – bevorzustehen. Das Fed könnte zwar noch vor Ende dieses Jahres mit dem «Tapering», also der Reduktion der Wertpapierkäufe, beginnen, mit einem ersten Zinsschritt wird aber wohl noch für längere Zeit nicht zu rechnen sein – wahrscheinlich frühestens 2023. Dies garantiert den Unternehmen und den Aktienmärkten ein weiterhin positives Umfeld.

An den Kapitalmärkten wird weiterhin mit einem ersten Zinsschritt erst in 18 Monaten gerechnet. Diese Erwartungshaltung hat bereits seit zwei Quartalen Bestand, was impliziert, dass der Beginn des US-Zinszyklus kontinuierlich in die Zukunft geschoben wird. Somit bleiben auch die Finanzierungskonditionen weiter tief und deshalb ist es auch wenig erstaunlich, dass die Anleger gelassen auf die Aussagen von Fed-Chef Powell an der Jackson-Hole-Konferenz reagiert haben. Der amerikanische Aktienmarkt konnte sogar ein neues Allzeithoch erklimmen und die langen Zinsen sind leicht gesunken.

Wachstums- und Inflationsmix bietet weiter Rückenwind

Aus volkswirtschaftlicher Sicht dürfte der Wachstums- und Inflationsmix positiv bleiben. Wie können zwar beobachten, dass die Vorlaufindikatoren in den USA (Einkaufsmanagerindizes im Industrie– und Dienstleistungssektor) vorläufig bereits ihre Höchststände überschritten haben, jedoch weiterhin einen Expansionskurs und ein BIP-Wachstum über Potenzial signalisieren. In eine ähnliche Phase scheint nun auch die Eurozone einzutreten, nachdem der deutsche Geschäftsklimaindex des Ifo nun offensichtlich auch an Momentum verloren hat. Gleichzeitig erhöhte sich der Inflationsdruck beidseits des Atlantiks und notiert über dem langfristigen Durchschnitt der letzten 20 Jahre. Für den Moment sieht es aber danach aus, dass sich die Inflation nicht weiter beschleunigt. Die grosse Frage bleibt aber nach wie vor, wie gross die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine überschiessende Inflation nur ein vorübergehendes Phänomen ist oder sich über die kommenden Jahre die Sockelinflation erhöhen wird.

Hoher «Leverage» stellt Herausforderung dar

Sollte das Fed in absehbarer Zeit mit dem «Tapering» beginnen, stellt sich zwangsläufig die Frage nach dem Grad des «Leverage» an den Börsen. In den letzten Jahren wurde ein kontinuierlicher Anstieg auf noch nie gesehene Höchststände beobachtet. Per se ist ein hoher «Leverage» nicht beunruhigend, jedoch kann es problematisch werden, falls die Marktakteure aufgrund einer steigenden Volatilität diesen nicht bedienen können oder wenn am Gesamtmarkt nicht ausreichend Liquidität zur Verfügung steht. Aufgrund des derzeitigen «Leverage» erwarten wir, dass bei einem schnellen Anstieg der Volatilität der «Leverage» die Marktschwankungen zusätzlich verstärken dürfte.

Zu Beginn des letzten Drittels des Jahres empfehlen wir, die Qualität im Portfolio in allen Anlageklassen zu erhöhen. Wir sind weiter der Überzeugung, dass im aktuellen makroökonomischen Umfeld der private Investor tendenziell einen «Risk-on-Bias» im Portfolio halten sollte. Die «Trüffel» werden angesichts des derzeitigen Bewertungsniveaus aber in allen Anlageklassen rarer. Wir empfehlen, weiter auf den Qualitätsanteil der Allokation zu fokussieren. Die Saisonalität – September bis Mitte Oktober – dürfte eine erhöhte Volatilität an den Börsen mit sich bringen. Im derzeitigen Setup bleiben mögliche Rückschläge Kaufgelegenheiten.

Auf Stufe Vermögensallokation bleiben unsere zwei «Key-Convictions» bestehen. Wir präferieren Aktienanlagen gegenüber Anleihen und erwarten, dass Rohstoffe einen besseren Ertrag abwerfen als Liquidität. Die Aktienrisikoprämie entschädigt auch nach der jüngsten Rally relativ besser als der Obligationenbereich, wobei die absolute Bewertung bei Aktien jederzeit eine höhere Volatilität rechtfertigen würde. Die Selektion wird bis zum Jahresende der Schlüssel zur Alpha-Generierung sein.

Das globale Gewinnwachstum hat wohl im Sommer 2021 den Höchststand erreicht. Dies ist aber per se nicht negativ, da wir wie bei den volkswirtschaftlichen Vorlaufindikatoren lediglich dem Basiseffekt sowie der relativen Veränderungsrate Tribut zollen müssen. Das derzeitige makroökonomische Umfeld bleibt auch für das restliche Jahr positiv, jedoch trennt sich mehr und mehr die Spreu vom Weizen. Für uns stehen Umsatzwachstum, stabile Margen und somit ein Garant für Gewinnwachstum im Zentrum. Wir favorisieren weiterhin Europa, und auf Sektorenebene stehen Verbrauchsgüter sowie Versorger im Rampenlicht. Der Fokus wird also auf Qualität gelegt und die Zeit für Experimente ist beim derzeitigen Bewertungsniveau und der Ausrichtung der Geldpolitik nicht empfehlenswert.

Unternehmensanleihen lösen Hochverzinsliche ab

Im Fixed-Income-Bereich erwarten wir am langen Ende der Zinskurve in den G7-Ländern einen stetigen Druck nach oben. Dennoch gehen wir nicht davon aus, dass im derzeitigen Umfeld die zehnjährige US-Staatsanleihenrendite gegen 2% tendieren wird. Das Zinsumfeld bleibt tief und damit sind auch die Investitionsmöglichkeiten für Privatkunden begrenzt. Unsere Favoriten bleiben Schwellenländerobligationen in Lokalwährung und hybride Anleihen. Hingegen passen wir unsere Einschätzung bei Unternehmensanleihen an – von «unattraktiv» auf «neutral». Bei hochverzinslichen Anleihen von «neutral» auf «unattraktiv». Mit dieser Rating-Anpassung erhöhen wir auch unsere «Qualitätsquote». Das durch den Verkauf freigewordene Risikobudget würden wir auf der Aktienseite in die genannten Sektoren – Verbrauchsgüter oder Versorger – investieren.

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Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Autor: Thomas Wille, Head Research & Strategy, Email: thomas.wille@lgt.com 
Redaktion: Alessandro Fezzi, E-Mail: alessandro.fezzi@lgt.com
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG

 
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