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LIBOR Transition bei der LGT

Der Referenzzinssatz LIBOR wird Ende 2021 abgeschafft. Ein Projektteam kümmert sich um die Auswirkungen der Umstellung von Prozessen, Systemen und Produkten innerhalb der LGT und setzt die notwendigen Massnahmen um. Auf dieser Seite finden Sie sämtliche relevanten Informationen rund um die LIBOR Abschaffung. Die Seite wird laufend aktualisiert.

FAQ

1. Was ist der LIBOR?

Interbank Offered Rates (IBORs), zu welchen auch der LIBOR (London Interbank Offered Rate) gehört, sind Referenzzinssätze, die seit 1986 publiziert und zur Berechnung der Kosten kurzfristiger, unbesicherter Fremdmittel herangezogen werden. Eine definierte Gruppe von Banken (die sogenannten Contributor Panel Banks) stellt auf täglicher Basis Schätzungen ihrer Zinssätze für eine Reihe von Währungen und Laufzeiten zur Verfügung, deren Durchschnittswert berechnet und veröffentlicht wird. Sie werden als Referenzzinssatz für Finanzprodukte genutzt. Dazu zählen Hypotheken, andere Kredite, variabel verzinste Anleihen, strukturierte Produkte und Derivate. Sie dienen häufig auch als Bewertungs- oder Berechnungsgrundlage, zum Beispiel für performanceabhängige Vergütungen bei Anlagefonds. Die zu erwartenden Zinsbeträge am Ende der Laufzeit von länger laufenden IBOR basierten Kontrakten sind bereits am Abschlusstag des Geschäfts bekannt. Detaillierte Informationen zu den Berechnungsmethoden finden Sie unter Punkt 1.5.

2. Warum wird der LIBOR abgelöst?

Im Jahr 2011 wurden Manipulationen der Referenzzinssätze LIBOR, Euro Interbank Offered Rate (EURIBOR) und Tokyo Interbank Offered Rate (TIBOR) aufgedeckt. Der LIBOR basiert auf Marktschätzungen weniger Banken und kann daher leicht von den Marktgegebenheiten abweichen. Eine in 2013 durchgeführte Überprüfung der wichtigsten Referenzzinssätze ergab, dass auch nach Reformen zur Stärkung der Methodik gewisse Risiken in Bezug auf Stabilität und Zuverlässigkeit der IBORs nicht gänzlich ausgeschlossen werden konnten. Daher beschloss die britische Finanzmarktaufsicht 2017, die Panel-Banken ab Ende 2021 nicht mehr zu LIBOR Meldungen zu verpflichten. Mit der Ankündigung der britischen Aufsichtsbehörde Financial Conduct Authority (FCA) wurde der Prozess zur Ablösung der IBOR Referenzzinssätze angestossen.

Die neuen Referenzzinssätze werden im Auftrag der G20-Staaten vom Financial Stability Board (FSB) koordiniert. Neben Zentralbanken und Aufsichtsbehörden ist eine internationale Gruppe von Finanzmarktteilnehmern des Bankensektors beteiligt. Letztere untersucht alternative Referenzzinssätze, welche die Bedürfnisse des Marktes und die Anforderungen der Aufsichtsbehörden längerfristig besser erfüllen. Im Vordergrund steht die Verbesserung der Transparenz, Methodik und Aufsicht von Referenzzinssätzen, um somit letztlich die Repräsentativität und das Vertrauen der Marktteilnehmer wiederherzustellen.

3. Was sind die Alternativen zu IBORs?

Statt der IBORs werden neu sogenannte Alternative Referenzzinssätze (ARRs)1 zur Anwendung kommen. Arbeitsgruppen verschiedener Nationen und Währungsräume beschäftigen sich damit, diese neuen Referenzzinssätze zu definieren und zu etablieren, deren Berechnungsmechanismus von Währung zu Währung variiert. 

Die ARRs beruhen im Gegensatz zu den IBORs nicht mehr auf Schätzungen, sondern sind an aktiv und tatsächlich gehandelte Tagesgeldsätze gekoppelt und gelten somit als robust, transparent und kaum manipulierbar. Allen neuen Zinssätzen ist gemein, dass die Zinsbeträge erst am Ende einer Zinsperiode bekannt wird, falls diese länger ist als ein Tag. Dieser Sachverhalt führt zu umfangreichen Umstellungsaufwendungen, welche das Projektteam für den Kunden umsetzen wird. 

Hier finden Sie eine Übersicht der neuen ARRs:

Die Schweizerische Nationalbank und die Börsenbetreiberin SIX werden künftig den SARON (Swiss Average Rate Overnight) herausgeben und verwenden. Der Durchschnittszinssatz wird basierend auf gepreisten Transaktionen im Orderbuch der SIX Repoplatform berechnet. Die Festlegung des Zinses wird stetig kontrolliert. Im Euroraum sollen LIBOR, EURIBOR und der Euro OverNight Index Average (EONIA) von ESTER (Eurozone Short Term Rate) abgelöst werden. In den USA wird der USD LIBOR durch den Secured Overnight Financing Rate (SOFR) ersetzt. Der SOFR ist ein Zinssatz, der für Kreditaufnahme über Nacht gegen Besicherung mit US-Staatsanleihen bezahlt wird. Er wird von der Federal Reserve in New York in Kooperation mit dem Office of Financial Research berechnet und täglich publiziert. Grossbritannien setzt auf den Sterling Overnight Index Average (SONIA), den der Londoner Brokerverband schon 1997 lanciert hatte. 

Für den Kunden bieten die neuen ARR Zinssätze Vorteile, da sie sich – anders als die IBORs – an Markttransaktionen orientieren und entsprechend überwacht werden.

1 Die Bezeichnung variiert je nach Region. In Grossbritannien ist die Bezeichnung "Risk-free rate" (RFR) geläufig, in den USA die Bezeichnung "Alternative reference rate" (ARR). Im Folgenden werden die Alternativen Referenzzinssätze "ARRs" genannt. 

4. Ab wann gelten die neuen ARRs?

Die britische Finanzmarktaufsicht 2017 verpflichtet die Panel-Banken ab Ende 2021 nicht mehr zu LIBOR Meldungen. Spätestens ab dann werden also die neuen alternativen Zinssätze gelten; sie können aber bereits früher eingesetzt werden. Es bestehen bereits Empfehlungen, ab sofort keine auf LIBOR basierten Kontrakte mehr zu lancieren.

5. Wie werden die ARRs berechnet?

Auch wenn die ARRs den LIBOR als Benchmark auf den globalen Finanzmärkten funktional ersetzen werden, ist es wichtig zu verstehen, dass sie auf grundlegend unterschiedliche Weise berechnet werden.

Die neuen ARR basierten Kontrakte werden täglich basierend auf eben diesen ARRs berechnet – das bedeutet, dass der exakte Zinswert am Ende der Laufzeit des Kontraktes vorliegt. Damit sind die abschliessenden Bewertungen am Ende der Laufzeit der Kontrakte immer erst rückwirkend verfügbar – das ist ein zentraler Unterschied zum bisherigen IBOR Verfahren.

6. Welches sind die grössten Herausforderungen der Umstellung?

Bevor die Umstellung von IBORs auf ARRs erfolgen kann, müssen noch einige Punkte gelöst werden. Die folgenden sind die grössten Herausfoderungen: Bevor die Umstellung von LIBOR auf ARRs erfolgen kann, müssen noch einige Punkte gelöst werden. Hier eine nicht abschliessende Aufzählung der Herausforderungen: 

  • Fallback language: 
    In Verträgen muss noch eine sogenannte "fallback language" definiert werden: Teilweise fehlen in gegenwärtigen Verträgen, die sich auf IBORs beziehen, Bestimmungen für den Fall, dass der IBOR ausläuft oder nicht mehr repräsentativ ist. 
    Konkret fehlt also eine Antwort auf folgende Frage: Welche Zinssätze gelten für die laufenden Verträge, wenn der IBOR nicht mehr publiziert wird und durch durch einen neuen Wert ersetzt werden muss?
  • Regionen ohne ARRs: 
    Für zwei asiatische Referenzzinssätze fehlen mögliche ARRs noch komplett; namentlich für Indien und die Philippinen. 
  • Der Vorbereitungsstand der betroffenen Parteien:
    Nicht alle Banken haben den exakt gleichen Terminplan hinsichtlich Umstellung – daher ist es wichtig, frühzeitig mit den jeweiligen Gegenparteien in Kontakt zu treten und die betroffenen Kontrakte hinsichtlich Umstellung zeitnah zu besprechen. 

7. Wie bereitet sich die LGT auf die Abschaffung vor?

Der Wechsel zu neuen Referenzzinssätzen stellt die Finanzinstitute weltweit vor eine grosse Herausforderung – das macht auch vor der LGT nicht Halt. Es gilt, Verträge, Produkte, Dokumente, Berechnungsmethoden und die benötigten Stammdaten zu identifizieren, die auf die neuen Zinssätze angepasst werden müssen, um eine qualitativ hochwertige Verarbeitung für LGT Kunden zu garantieren. Betroffen sind Prozesse, Daten und Dokumente. Fachabteilungen und IT arbeiten eng koordiniert im LIBOR Transition Projekt zusammen, um die notwendigen Massnahmen umzusetzen und die Führung der LGT regelmässig über den Stand im Projekt zu informieren.

Die LGT ist eng im Transitionsprozess involviert und steht in regem Austausch mit externen Stakeholdern: Sie ist Mitglied der Nationalen Arbeitsgruppe für Referenzzinssätze der Schweiz sowie Liechtensteins. Mitarbeitende sind ausserdem in Arbeitsgruppen der SIX vertreten.

Zusammenfassend ist Folgendes festzuhalten:

  • Ab 2021 sollen keine IBOR basierten Kontrakte mehr ausgegeben werden.
  • Ab 2021 sollen die sogenannten Panelbanken den LIBOR nicht mehr ermitteln.
  • Bereits bestehende, IBOR basierte Kontrakte sollen rechtzeitig umgestellt bzw. durch neue ARR basierte Kontrakte ersetzt werden.
  • Im Gegensatz zu IBOR Kontrakten werden ARRs durch eine transparente tägliche Berechnung bewertet.
  • Hier die wichtigsten Unterschiede zusammengefasst: Die neuen ARRs enthalten keine Bankkredite und Laufzeitprämien. Bei den neuen ARRs handelt es sich um Tagesgeldsätze – es gibt noch keine zukunftsorientierten risikofreien Zinssätze. Bei den neuen ARRs handelt es sich um die Verwendung von täglich fixierten Zinssätzen (Aufzinsung über Nacht im Verzug), was bedeutet, dass der endgültige Zinsbetrag des Kontraktes erst am Ende der Zinsperiode bekannt sein wird. Zukunftsgerichtete Zinssätze für ARRs könnten bei speziellem Bedarf – wie z.B. der Bewertung der Kontrakte am Jahresende – noch verfügbar werden, der Zeitpunkt der Bereitstellung solcher ARRs ist jedoch noch durch den Regulator zu definieren. Je nach Markt sind die ARRs besichert oder unbesichert.
  • Branchengremien und Aufsichtsbehörden bieten Orientierungshilfe, doch vor einer erfolgreichen Umstellung müssen noch viele Punkte gelöst werden. Die Regulatoren und die Branchengremien stehen dazu in engem Austausch.