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Können wir die Welt retten? Zum Stand der SDGs in der Finanzwirtschaft

November 16, 2017

Mit viel Pomp und medialer Aufmerksamkeit haben die 193 UNO-Mitgliedstaaten vor zwei Jahren die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Um die ambitionierten Ziele zu erreichen, braucht es Investitionen im Billionenbereich – eine Chance für den Schweizer Finanzplatz.

Michael Gerber zeigt auf, welche Massnahmen von der Finanzindustrie gefordert sind, um die Sustainable Development Goals umzusetzen – und welche Chance sich eröffnen.

Kern der neuen, universell gültigen Nachhaltigkeitsagenda bilden 17 sogenannte Sustainable Development Goals (SDGs) und 169 Unterziele in allen Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung (Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt). Seit ihrer Verabschiedung am Gipfeltreffen in New York im September 2015 hat das mediale Interesse zwar nachgelassen, doch viele Staaten haben inzwischen mit der Umsetzung der Agenda begonnen und zahlreiche Unternehmen, zivilgesellschaftliche Organisationen und Forschungsinstitutionen arbeiten seit geraumer Zeit mit den SDGs.

Die Ziele sind ambitioniert. Damit sie bis 2030 erreicht werden können, sind – gemäss Schätzungen der UNO – jährlich fünf bis sieben Billionen US-Dollar an Investitionen nötig. Die globale Finanzierungslücke beträgt rund 2.5 Billionen US-Dollar, oder in anderen Worten etwa drei Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts. Die Staaten können selbstredend nicht alleine für diesen Betrag aufkommen. Das benötigte Kapital ist jedoch vorhanden. Es fliesst allerdings grösstenteils im Rahmen nicht-nachhaltiger Investitionsflüsse. Um die mit den SDGs anvisierte Transformation zu schaffen, gilt es, diese Flüsse in nachhaltige Bahnen zu lenken. Hierfür müssen bestehende Investitionsgefässe für die nachhaltige Entwicklung maximiert sowie neue, innovative Finanzierungsinstrumente genutzt werden.

Investitionen in die SDGs lohnen sich!

Klar ist, dass sich mit den SDGs neue Märkte und Investitionsmöglichkeiten eröffnen. Die Business and Sustainable Development Commission geht davon aus, dass sich mit den SDGs allein in den Bereichen Energie, Urbanisierung, Gesundheit sowie Ernährung und Landwirtschaft bis 2030 neue Investitionsopportunitäten im Wert von mindestens zwölf Billionen US-Dollar ergeben. Finanzakteure haben diese Opportunitäten erkannt und nutzen die im Bereich der Sustainable Finance bereits bestehenden Finanzierungsinstrumente, um der weiterhin steigenden Nachfrage nach grünen und sozialen Anlagemöglichkeiten zu begegnen. So ist das Volumen nachhaltiger Finanzanlagen in der Schweiz 2016 um 39 Prozent auf 266 Milliarden Schweizer Franken angewachsen. Mit einem Marktanteil von sieben Prozent fristen nachhaltige Investmentfonds und Mandate zwar nach wie vor ein Nischendasein, doch wird diese Nische seit 2005 mit einem durchschnittlichen Jahreswachstum von 28 Prozent kontinuierlich grösser (Quelle: Swiss Sustainable Finance). Dieser Trend ist auch international erkennbar, wie das Beispiel der Green Bonds zeigt, deren Markt sich 2016 auf 95 Milliarden US-Dollar verdoppelt hat.

Obwohl das Angebot an Neuemissionen entsprechender Produkte steigt, kann es mit der ungebremsten Nachfrage nach nachhaltigen Finanzanlagen nicht mithalten. Die Climate Bonds Initiative schätzt, dass der Green Bonds-Markt bis 2020 auf eine Billion US-Dollar steigen könnte, allerdings nur, wenn das Angebot und die Diversifizierung von Emissionen aus dem öffentlichen und privaten Sektor ebenfalls zunimmt.

Nachhaltige Finanzanlagen: Eine Chance für die Schweizer Finanzwirtschaft

Viele Banken, institutionelle Anleger und Investoren zeigen sich heute gewillt, das grosse Potenzial der nachhaltigen Finanzanlagen künftig noch gezielter auszuschöpfen und damit die SDGs zu befördern. Hinzu kommt die von diversen Studien belegte Erkenntnis, dass die Produkte im Bereich der Sustainable Finance ebenso rentabel sind wie herkömmliche Anlageinstrumente – mit dem wichtigen Unterschied, dass sie eine positive ökologische und soziale Langzeitwirkung entfalten. Setzt sich dieses Bewusstsein durch und werden die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen, um nachhaltige Finanzierungsinstrumente weiter zu begünstigen, profitiert auch die umsatzstarke Schweizer Finanzwirtschaft. Für den Schweizer Finanzplatz bietet sich hier eine ausgezeichnete Möglichkeit, sich langfristig als nachhaltiges Finanzzentrum zu positionieren und zugleich einen Schlüsselbeitrag zu einer schnelleren Erreichung der SDGs zu leisten.
 

Michael Gerber wurde 2012 vom Bundesrat zum Botschafter und Sonderbeauftragten für globale nachhaltige Entwicklung ernannt. Er hat die Schweiz in den internationalen Verhandlungen zur Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung vertreten und zugleich den nationalen Konsultationsprozess zum internationalen Engagement der Schweiz begleitet. Michael Gerber studierte politische Philosophie, Ethik, Geschichte und Ethnologie an der Universität Bern und arbeitete über zehn Jahre bei der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA).

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie zum Thema "Nachhaltiges Investieren", die LGT in den kommenden Wochen in den Nachhaltigkeits-News veröffentlicht. Folgen Sie uns auf Linkedin, und Sie sind aktuell informiert, sobald ein neuer Beitrag erscheint.

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