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Investment strategies

Währungen: Was sie für die Rendite bedeuten

Von Wechselkursen über Währungsrisiken bis hin zur Absicherung: Wer versteht, wie Währungen funktionieren, kann sich an den internationalen Märkten besser orientieren.

  • von Andrew Teevan, LGT Wealth Management
  • Datum
  • Lesezeit 5 Minuten

Andrew Teevan von LGT Wealth Management erklärt, wie Währungsbewegungen internationale Anlagen beeinflussen und weshalb der Umgang mit Währungsrisiken Teil der Anlageentscheidung ist. © Agoes Rudianto/NurPhoto/GeBy Images

Zusammenfassung

  • Wechselkurse können den Wert internationaler Anlagen in der Heimatwährung beeinflussen.
  • Zinsen, Inflation und Handel gehören zu den Faktoren, die den Wert einer Währung bewegen können.
  • Eine Absicherung kann Währungsrisiken reduzieren, ist jedoch mit zusätzlichen Kosten verbunden.
Von Kaurimuscheln bis zu Münzen: Geld hat viele Formen. © istock/mgfoto

Seit Jahrtausenden nutzen Menschen Währungen, um Waren und Dienstleistungen auszutauschen. Geld hat sich dabei von Kaurimuscheln über Münzen und Papiergeld bis hin zu digitalen Vermögenswerten entwickelt. Seit jeher dient es als Mittel zum Tausch und zur Zahlung, als Wertaufbewahrung und zur Recheneinheit. Doch an den heutigen Finanzmärkten leisten Währungen weit mehr, als lediglich den Austausch zu ermöglichen. Wie funktionieren sie im heutigen globalen Finanzsystem - und weshalb sind ihre Bewegungen für Anlegerinnen und Anleger so wichtig? Eine Währung ist das offizielle Zahlungsmittel eines Landes oder einer Region. In ihr werden Waren und Dienstleistungen bewertet, gekauft und verkauft. Anders als Aktien oder Anleihen erwirtschaften Währungen selbst keine Erträge. Veränderungen ihres Werts können die Anlagerendite jedoch erheblich beeinflussen, denn jeder Vermögenswert wird in mindestens einer Währung bewertet.

Was ist der Devisenmarkt?

Am Devisenmarkt - häufig auch als FX oder Forex bezeichnet - wird eine Währung gegen eine andere getauscht. Er bildet die Grundlage des gesamten internationalen Handels und der grenzüberschreitenden Investitionstätigkeit, denn die meisten Transaktionen über Landesgrenzen hinweg erfordern einen Währungsumtausch. Devisenkurse werden stets als Währungspaare angegeben: Der Wert einer Währung wird also im Verhältnis zu einer anderen ausgedrückt.

Der Wechselkurs zwischen britischem Pfund und US-Dollar zeigt beispielsweise, wie viele US-Dollar sich mit einem britischen Pfund kaufen lassen. Kauft ein Pfund heute mehr US-Dollar als gestern, hat es gegenüber dem US-Dollar aufgewertet. Kauft es weniger, hat es abgewertet.

Andrew Teevan, Senior Fund Analyst, LGT Wealth Management

Andrew Teevan

Andrew Teevan ist Senior Fund Analyst bei LGT Wealth Management. Sein Schwerpunkt liegt auf der Analyse von Aktienfonds im Bereich Investment Solutions.

Für Anlegerinnen und Anleger ist dies relevant, weil bei einer Auslandsanlage zwei Faktoren eine Rolle spielen: die Wertentwicklung der Anlage selbst und die Entwicklung der Währung, in der sie bewertet wird, gegenüber der Heimatwährung. Kauft beispielsweise eine Anlegerin oder ein Anleger aus Grossbritannien Aktien eines US-Unternehmens, wird die Rendite letztlich in britischen Pfund ausgewiesen. Der Aktienkurs des Unternehmens kann steigen - fällt jedoch gleichzeitig der US-Dollar gegenüber dem Pfund, kann ein Teil dieses Gewinns bei der Umrechnung in Pfund wieder verloren gehen. Gibt der US-Dollar stark genug nach, kann der Währungsverlust den Kursgewinn der Aktie sogar übersteigen. Die Anlage selbst hat sich dann nicht schlecht entwickelt. Vielmehr überwiegt, in Pfund gerechnet, der Währungsverlust den Anlagegewinn.

Was beeinflusst Wechselkurse?

Wechselkurse werden von Angebot und Nachfrage bestimmt. Privatpersonen, Unternehmen sowie Anlegerinnen und Anleger kaufen und verkaufen laufend unterschiedliche Währungen. Gleichzeitig können Zentralbanken die im Umlauf befindliche Geldmenge beeinflussen. 

Währungsbewegungen sind weniger Renditequelle als ein Risikofaktor, den es im Portfolio zu steuern gilt.

Da Währungen stets im Verhältnis zueinander bewertet werden, hängt ihr Wert von der relativen Nachfrage nach der jeweiligen Währung ab. Steigt beispielsweise die Nachfrage nach dem britischen Pfund im Verhältnis zum US-Dollar, wertet das Pfund gegenüber dem US-Dollar auf. Sinkt sie, verliert das Pfund an Wert.

Mehrere Faktoren können die Nachfrage nach einer Währung beeinflussen

Zinsen: Höhere Zinsen können Anlegerinnen und Anlegern attraktivere Erträge auf Sparguthaben oder Anleihen in der jeweiligen Währung bieten. Das kann ausländische Investorinnen und Investoren dazu bewegen, die Währung zu kaufen. Die Nachfrage kann dadurch steigen und die Währung gegenüber anderen Währungen potenziell an Wert gewinnen.

Inflation: Die Inflation gibt an, wie stark die Preise in einer Volkswirtschaft im Laufe der Zeit steigen. Eine höhere Inflation verringert die Kaufkraft einer Währung und kann sie damit weniger attraktiv machen.

Handel: Exportiert ein Land mehr, als es importiert, müssen ausländische Käuferinnen und Käufer möglicherweise dessen Währung erwerben, um die Waren und Dienstleistungen zu bezahlen. Dadurch kann die Nachfrage nach der Währung steigen.

In der Realität entstehen Wechselkurse aus dem Zusammenspiel all dieser Kräfte. Ein einzelner Faktor reicht in der Regel nicht aus, um ihre Richtung zu bestimmen. Deshalb lassen sich Währungsentwicklungen nur schwer vorhersagen - selbst für erfahrene Anlegerinnen und Anleger.

Der Schweizer Franken gilt in turbulenten Marktphasen als "sicherer Hafen". © Shutterstock/Mophoto.ch

Auch andere Faktoren können die Nachfrage nach einer Währung beeinflussen, darunter ihr Status als sogenannter "sicherer Hafen". Der US-Dollar, der Schweizer Franken und der japanische Yen gelten häufig als sichere Häfen, da sie in Phasen von Marktstress tendenziell ihren Wert halten und gegenüber den meisten anderen Währungen sogar aufwerten können. Weil sie als vergleichsweise verlässlich gelten, schichten Anlegerinnen und Anleger bei Sorgen über die Wirtschaft oder die Finanzmärkte möglicherweise Kapital in diese Währungen um. Das kann die Nachfrage zusätzlich stützen und ihren Wert potenziell erhöhen.

Andere Währungen wiederum sind enger mit den Preisen wichtiger Exportgüter verbunden. So können etwa die norwegische Krone und der brasilianische Real auf Veränderungen der Öl- und anderer Rohstoffpreise reagieren, weil der Export dieser Ressourcen für die jeweiligen Volkswirtschaften von grosser Bedeutung ist.

Wie lässt sich das Währungsrisiko steuern?

Da Wechselkurse schwer vorherzusagen sind und die Anlageperformance beeinflussen können, betrachten Anlegerinnen und Anleger Währungsbewegungen in der Regel weniger als mögliche Renditequelle. Vielmehr sind sie ein Risikofaktor, den es innerhalb eines Portfolios zu steuern gilt.

Eine Möglichkeit dazu ist die Absicherung, auch Hedging genannt. Sie zielt darauf ab, den Einfluss von Wechselkursbewegungen auf die Rendite zu reduzieren. Ein gängiger Ansatz sind Termingeschäfte, mit denen sich im Wesentlichen ein Wechselkurs für eine künftige Transaktion festlegen lässt. Eine solche Absicherung ist allerdings nicht kostenlos und kann zusätzliche Kosten verursachen - insbesondere bei weniger häufig gehandelten Währungen.

Währungsbewegungen können sich bis auf die Preise im Alltag auswirken. © unsplash/charlesdeluvio

Bei festverzinslichen Anlagen wie Anleihen werden Währungsrisiken häufig abgesichert. Anleihen sollen in der Regel stabilere, aber auch moderatere Renditen liefern als Aktien. Eine starke Wechselkursbewegung kann deshalb die Rendite der Anleihe selbst übersteigen.

Bei Anlageklassen mit höheren Renditeerwartungen wie Aktien hängt die langfristige Rendite hingegen stärker davon ab, wie sich die zugrunde liegenden Unternehmen über die Zeit entwickeln und wachsen. Währungsbewegungen können die Rendite weiterhin beeinflussen, wirken sich auf das Gesamtergebnis in der Regel aber weniger stark aus als bei Anleihen. Ob Währungsrisiken bei Aktienanlagen abgesichert werden sollten, hängt deshalb von den finanziellen Zielen der Anlegerin oder des Anlegers ab - etwa vom Einkommensbedarf, vom Anlagehorizont und davon, wie stark Währungsrisiken das Anlageergebnis beeinflussen dürfen.

Was bedeutet das für Anlegerinnen und Anleger?

Für die meisten Anlegerinnen und Anleger ist die Heimat- oder "Inlandswährung" besonders relevant - also jene Währung, in der sie ihr Einkommen beziehen, alltägliche Ausgaben und Steuern bezahlen sowie Verbindlichkeiten bedienen. Anlageportfolios werden deshalb in der Regel anhand ihrer Rendite in dieser Heimatwährung beurteilt. Das bedeutet nicht, dass ein Portfolio ausschliesslich Anlagen aus dem Heimatmarkt enthalten sollte. Entscheidend ist vielmehr, sich bewusst zu sein, wie sich Fremdwährungspositionen auf die Gesamtrendite auswirken können.

Marktinformationen unserer Expertinnen und Experten

So sehen wir die Märkte

Die Expertinnen und Experten der LGT analysieren laufend die globale Markt- und Wirtschaftsentwicklung. Mit unseren Publikationen zu den internationalen Finanzmärkten, Branchen und Unternehmen treffen Sie fundierte Anlageentscheide.

Wie viel Währungsrisiko akzeptabel ist, unterscheidet sich von Person zu Person. Eine gemeinnützige Organisation beispielsweise, die jedes Jahr regelmässige Zahlungen in ihrer Heimatwährung leisten muss, dürfte empfindlicher auf Währungsschwankungen reagieren als eine Person mit langfristigem Anlagehorizont und ohne feste Verbindlichkeiten.

Währungsrisiken sind kein Grund, internationale Anlagen zu meiden. Sie sind vielmehr einer der Faktoren, die Anlegerinnen und Anleger berücksichtigen sollten, wenn sie entscheiden, wie ein Portfolio ihre Ziele und finanziellen Verpflichtungen unterstützen soll.

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