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Roberto Arnaboldi von der LGT Bank Schweiz nimmt uns mit auf Spaziergänge am Lago di Lugano, zu Risotto auf der Piazza und dem Haus seiner Grosseltern.
Meine Beziehung zu Lugano ist tief und stark. Ich bin hier geboren, mein Vater kam in Lugano zur Welt, und auch meine Grosseltern väterlicherseits. Meine Familie mütterlicherseits stammt aus der Westschweiz. Zwei Sprachwelten in einer Person - typischer könnte ein Tessiner kaum sein.
Wer Lugano verstehen will, muss beim See beginnen - und das sage ich als jemand, der von Natur aus kein besonders guter Schwimmer ist. Aus dem Wasser ragen die Berge: beidseits der Promenade der Monte Brè und Monte Boglia sowie der San Salvatore, gegenüber der Monte Generoso und der Monte San Giorgio, und wer sich umwendet, sieht hinter der Stadt den Monte Lema und den Monte Bar. Dieser See verleiht der eindrücklichen Landschaft Harmonie, strahlt Ruhe aus, duftet nach Natur. Ohne ihn wäre Lugano eine ganz andere Stadt.
Lugano ist angenehm, lebenswert, nicht übermässig gross. Eine seiner grossen Stärken ist die Harmonie des Stadtbildes, das weitgehend ohne störende Bauten auskommt - ohne jene Betonmauern, die anderswo Aussicht und Charme verstellen. Dabei fehlt es an nichts. Unser Kulturzentrum LAC, seit 2015 am Seeufer, beherbergt das Kunstmuseum der italienischen Schweiz und ist längst ein Anziehungspunkt weit über den Kanton hinaus. Und im Sport bricht gerade eine neue Zeit an: Nach 75 Jahren hat unser altes Cornaredo einem Neubau Platz gemacht, der AIL-Arena - ein kleines, aber feines Stadion, in dem der FC Lugano auch wieder international spielt.
Und die Luganesi? Wir öffnen uns nicht sofort. Anfangs ist der Umgang freundlich, aber eher formell; wir sind pragmatisch und organisiert, planen gern im Voraus und halten uns an Zeiten und Regeln. Ein echter Luganese gilt als zurückhaltend, zuverlässig, bodenständig, in den Umgangsformen recht elegant und stark mit seinem Umfeld verbunden. Wer von aussen kam, nannte uns früher gern "sbroja". Heute tragen wir den Spott mit Stolz: Re Sbroja ist die zentrale Figur unserer Fasnacht - für ein paar Tage bekommt er die Schlüssel der Stadt und führt durch Umzüge und Feste.
Am meisten am Herzen liegt mir aber unser Dialekt. Für mich hat er den Klang des Hauses meiner Grosseltern: Dort wurde nur Dialekt gesprochen. Heute macht es mich etwas traurig zu sehen, wie er verschwindet - in den Städten sprechen ihn die Jugendlichen kaum noch. Dabei ist er ein Zeichen der Zugehörigkeit: Wenn Menschen untereinander Dialekt reden, ist gleich hörbar, dass man sich hier nicht in einer allgemein-italienischen Kultur bewegt, sondern in einem ganz bestimmten, tessinischen Kontext.
Auch das Tessiner Dolce Vita gibt es bei uns - aber nicht im Postkarten-Sinn. Es besteht aus kleinen Dingen: dem See, den Spaziergängen, den Apéros im Freien, der Möglichkeit, bis spät draussen zu sitzen, und das in aller Ruhe. Zugleich ist Lugano stark von der Arbeit und vom schweizerischen Rhythmus geprägt. Das echte Dolce Vita spürt man deshalb vor allem am Wochenende, im Sommer und bei Festen; werktags bleibt die Stadt für viele eher ernst und gut organisiert.
Zu unseren Traditionen gehören Risotto auf der Piazza Riforma während der Faschingszeit, im Sommer das LongLake Festival und Estival Jazz, gegen Jahresende die Autonassa und die Weihnachtsmärkte. Einige Veranstaltungen sind leider verschwunden, wie etwa der berühmte und wunderschöne Weinlese-Umzug Corteo della Vendemmia, der seit mindestens 25 Jahren nicht mehr stattfindet. Heute wird er teilweise durch das genauso schöne Weinfest Festa della Vendemmia ersetzt.
Am Ende ist es ein bisschen wie in dem Lied, das hier alle kennen, "Lugano addio": Man kann die Stadt verlassen - aber sie bleibt einem.