LGT Private Banking House View

Oktober 2026 - das Wichtigste in Kürze

Während risikoreiche Anlagen ihre Attraktivität bewahrt haben, sind die Anforderungen an sie gestiegen. Das robuste Wachstum und die soliden Unternehmensgewinne stützen die Marktdynamik, doch der erneute Inflationsdruck und höhere Staatsanleihenrenditen haben dazu geführt, dass sich auch ohne Aktienrisiko höhere Renditen erzielen lassen. Die Hürde für das Eingehen von Aktienrisiken steigt: Solide Fundamentaldaten sind notwendig, reichen allein aber nicht mehr aus.

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  • Autor Patrick Huber, Investment Solutions Europe, LGT Private Banking
  • Lesezeit 7 Minuten

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Dieses anspruchsvollere Umfeld rechtfertigt aus unserer Sicht jedoch keinen Rückzug. Die Wirtschaftsaktivität zeigt sich weiterhin robust, die Kreditmärkte sind geordnet, und das Gewinnwachstum hat den Druck, den höhere Zinsen auf die Aktienbewertungen ausüben, bislang mehr als ausgeglichen. Daher bestätigen wir unsere moderat risikofreudige Positionierung, ohne unsere taktische Anlageallokation zu verändern: Aktien bleiben auf "Übergewichten" und festverzinsliche Anleihen auf "Untergewichten".

Eine höhere Hürde verlangt jedoch nach verstärkter Selektivität. Bei den Aktien stützen die höhere Profitabilität und günstigere Gewinnrevisionen weiterhin unsere Präferenz für die USA gegenüber dem Euroraum - trotz des Bewertungsaufschlags des US-Marktes. Dasselbe Prinzip gilt für die Sektoren: Kapital sollte gezielt dort eingesetzt werden, wo zyklische oder strukturelle Nachfrage eine ausreichende fundamentale Unterstützung bietet, statt Positionen undifferenziert auszubauen.

An den Anleihenmärkten zeigt sich die Herausforderung aus einem anderen Blickwinkel. Zentralbanken können ihre Glaubwürdigkeit stärken und Zweitrundeneffekte eindämmen, doch höhere Leitzinsen können weder mehr Energie bereitstellen noch andere Angebotsengpässe beseitigen. Straffen die Zentralbanken ihre Geldpolitik zu wenig, droht die Inflation hartnäckiger zu werden; straffen sie zu stark, steigt das Risiko eines "Policy Errors". Daher bevorzugen wir mittlere Laufzeiten: Sie reagieren weniger empfindlich auf erneute restriktive geldpolitische Überraschungen als das kurze Ende der Zinskurve und sind fiskalischen Risiken sowie Gefahren durch steigende Laufzeitprämien weniger stark ausgesetzt als lange Laufzeiten.

Die höheren Anforderungen sind kein Signal, sich gegen die Marktdynamik zu positionieren. Sie sind jedoch ein Grund, sicherzustellen, dass jede Position im Portfolio ihren Platz verdient, denn der Spielraum für Fehler ist kleiner geworden.

Makroökonomisches Umfeld

Die Weltwirtschaft erweist sich trotz erneuter Energieversorgungsengpässe als widerstandsfähiger als befürchtet. Das Wachstum in den USA wird durch KI-Investitionen und die Konsumausgaben gestützt, während Exporte und deutsche fiskalische Stimulierungsmassnahmen Europas Wirtschaft helfen, auch wenn Risiken bestehen bleiben. Höhere Energiekosten haben die Inflation in den USA jedoch auf 3.4% und im Euroraum auf 3.2% getrieben, was die Zentralbanken zu einer restriktiveren Reaktion veranlasst hat. In der Folge hob die US-Notenbank (Fed) die Zinsen an und signalisierte einen moderaten Straffungszyklus. Ein Grossteil der aktuellen Inflation ist auf Angebotsschocks, Zölle, die KI-getriebene Nachfrage nach Chips und einmalige Preisanstiege zurückzuführen, während die Kerninflation und die Löhne weiterhin gedämpft sind. Zukünftige Straffungsmassnahmen werden nun davon abhängen, wie sich die Kerninflation entwickelt, da übermässige Zinserhöhungen anfällige Teile der Wirtschaft belasten könnten.

Anlagestrategie

Das Investment-Komitee bekräftigt die moderat risikoorientierte Positionierung und nahm angesichts des aktuellen Marktumfelds, welches durch ein robustes Wachstum, erneuten Inflationsdruck und eine vorsichtigere Marktstimmung gekennzeichnet ist, keine Anpassungen an der taktischen Vermögensallokation vor. Aktien bleiben "Übergewichtet", Anleihen "Untergewichtet", während alternative Anlagen und Liquidität im Verhältnis zu ihrer strategischen Gewichtung "Neutral" bleiben. Im Aktiensegment bleiben US-Aktien "Übergewichtet" und Aktien der Eurozone "Untergewichtet", während Investment-Grade-Unternehmensanleihen weiterhin "Untergewichtet" sind.

Aktienstrategie

Nach der starken Entwicklung Anfang August verbuchten die Aktienmärkte eine Konsolidierung, getragen durch solide Gewinne im zweiten Quartal. Höhere Zinsen, gestiegene Energiepreise - insbesondere für Produkte wie Diesel -, anhaltende geopolitische Spannungen und die typischerweise schwache Saisonentwicklung im September belasteten die Anlegerstimmung. Dennoch bleibt das Gewinnwachstum solide, und die Prognosen werden weiterhin nach oben korrigiert, während die Bewertungen wieder auf attraktivere Niveaus zurückgekehrt sind. Aus regionaler Sicht behalten wir unsere Einschätzung "Attraktiv" für den US-Aktienmarkt und unsere Einschätzung "Unattraktiv" für Aktien aus der Eurozone bei. Der Hauptgrund dafür ist nach wie vor das solide Gewinnwachstum in den USA, das durch KI-Investitionen und eine sich ausweitende wirtschaftliche Erholung gestützt wird. Zwar ist das Gewinnwachstum auch in der Eurozone stark, doch ist das Risiko von Enttäuschungen aufgrund hoher Energiepreise und politischer Unsicherheit nach wie vor deutlich höher. Angesichts des soliden ökonomischen Umfelds behalten wir unsere prozyklische Sektorausrichtung bei und halten an unserer Einschätzung "Attraktiv" für Industrie und Grundstoffe sowie für den Gesundheitssektor - als defensive Absicherung - bei.

Anleihenstrategie

Die jüngsten Zinsschritte von Fed und EZB haben die Glaubwürdigkeit ihrer Inflationsbekämpfung gestärkt und insbesondere die Renditen am kurzen Ende steigen lassen. Wir erachten die markante Verflachung der Zinskurven in den USA und im Euroraum jedoch nicht als Hinweis auf einen längeren Straffungszyklus. Der aktuell eingepreiste Zinspfad erscheint uns weiterhin ambitioniert, zumal eine zu weit gehende Straffung das Risiko eines "Policy Error" erhöhen könnte. Am langen Ende der US-Kurve rechtfertigen hohe Defizite, steigende Zinslasten und der erhebliche Refinanzierungsbedarf weiterhin erhöhte Fiskal- und Laufzeitprämien. Aus taktischer Sicht bevorzugen wir deshalb mittlere Laufzeiten gegenüber kurzen und langen.

Währungs- und Edelmetallstrategie

Der US-Dollar hat seine Vertrauenskrise vorerst hinter sich gelassen und profitiert nun von einem wachsenden Zinsvorteil sowie einer wiedergewonnenen Glaubwürdigkeit der Fed, was die meisten Fremdwährungen unter Druck setzt. Bemerkenswert ist dabei, dass Gold dieser Dollarstärke trotz steigender Realrenditen kaum nachgibt - das Geldentwertungsnarrativ überlagert die klassischen Zusammenhänge. Dollar und Gold haben damit gleichzeitig die Nase vorn, gestützt durch ein Inflationsumfeld, das Fiat-Währungen strukturell belastet.