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Februar 2024 - das Wichtigste in Kürze

Die wichtigsten Anlageklassen sind auf unterschiedlichen Pfaden ins neue Jahr gestartet, ohne ein einheitliches makroökonomisches Umfeld für 2024 einzupreisen. Zur Absicherung gegen das Szenario einer "harten Landung" würden wir auf Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten setzen. Insgesamt erachten wir die Chancen und Risiken als ausgewogen und bleiben bei unserer neutralen Einstufung für Aktien.

Datum
Autor
Gérald Moser, CIO & Head Investment Services EMEA
Lesezeit
7 Minuten
 House View Februar
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Das Jahr 2024 hat ähnlich begonnen, wie das Jahr 2023 endete: Die Geopolitik beherrscht weiterhin die Schlagzeilen, die Zentralbanken ziehen viel Aufmerksamkeit auf sich, während sich die Finanzmärkte weiterhin stark auf kurzfristige Inflations- und Konjunkturdaten konzentrieren.

Vor diesem Hintergrund haben wir beschlossen, einen Blick auf die Bewertung verschiedener Anlageklassen zu werfen. Während Aktien ein nahezu perfektes Szenario - rasch sinkende Inflation bei zweistelligem Gewinnwachstum - einpreisen, scheinen die Anleihenmärkte fünf bis sechs Zinssenkungen der US-Notenbank zu erwarten, was nur mit einer "harten Landung" auf der wirtschaftlichen Seite zu vereinbaren wäre. Wir sind überzeugt, dass sich Kaufgelegenheiten für Aktien ergeben werden, bevorzugen aber derzeit eine neutrale Haltung. Bei Staatsanleihen sind wir der gleichen Meinung und erwarten, dass diese Anlageklasse an Attraktivität gewinnen wird.

In unserem makroökonomischen Beitrag vergleichen wir die Wirtschaftsleistungen der USA und Europas. Wir stellen fest, dass die Pro-Kopf-Produktivität in den USA seit 2010 deutlich schneller gewachsen ist als in Europa und dass sich dieser Trend in den Jahren nach der Pandemie noch beschleunigt hat. Auf der Währungsseite sind wir in Bezug auf den japanischen Yen positiv gestimmt. Der Yen ist derzeit historisch niedrig bewertet. Die divergierenden geldpolitischen Dynamiken - die US-Notenbank plant Zinssenkungen, während die Bank of Japan mit Zinserhöhungen beginnen dürfte - schaffen ein günstiges Umfeld für eine Aufwertung des JPY gegenüber dem USD.

Unser Artikel zu den Aktienmärkten konzentriert sich auf die jüngsten Erfolge des S&P 500 und des japanischen Aktienmarktes. Zudem beleuchten wir den Rohstoffsektor und geben einen Überblick über Markttrends und potenzielle Anlagechancen. Wir sehen weiterhin Chancen bei Goldminenaktien. Die jüngste Abweichung vom Goldpreis ist äusserst selten, und die positiven Katalysatoren, die wir zum Zeitpunkt unserer positiven Entscheidung für Goldminenaktien als Treiber identifiziert hatten, bleiben intakt. Was schliesslich die festverzinslichen Wertpapiere betrifft, so erwarten wir, dass die Kurve in einem Umfeld, in dem die Renditen zu sinken scheinen, steiler werden dürfte. Am langen Ende sehen wir begrenztes Potenzial und würden bei Staatsanleihen das drei- bis fünfjährige Segment bevorzugen, das eine Kombination aus attraktiven Renditen und potenziellen Kursgewinnen bei fallenden Zinsen bietet.

Alles in allem sind wir in Bezug auf die wichtigsten Anlageklassen "Neutral" eingestellt, sind aber in jenen Bereichen, in denen sich Chancen bieten, von den einzelnen Anlageklassen überzeugt.

Makroökonomisches Umfeld

Während die Finanzmärkte kurz- bis mittelfristig eher schlechte Indikatoren für die fundamentale Einschätzung sind, wirkt sich die Schwerkraft der Fundamentaldaten spätestens langfristig deutlich aus. Neben der langfristigen strukturellen Betrachtung hat sich zuletzt auch der mittelfristige Konjunkturzyklus gegen Europa gewendet. Auch wenn der weit verbreitete Pessimismus gegenüber Europa angesichts der fundamentalen Divergenzen gerechtfertigt ist, sollte betont werden, dass sich langfristige wirtschaftliche und finanzielle Chancen ergeben können, sobald die "Kapitulation" der wirtschaftlichen Stimmung beendet ist und sich die Rahmenbedingungen wieder verbessern.

Anlagestrategie

Die Finanzmärkte scheinen das Jahr 2024 mit unterschiedlichen Aussichten für die verschiedenen Anlageklassen zu beginnen. Während die Aktienmärkte auf ein Goldlöckchen-Szenario mit optimistischen Konjunkturannahmen setzen, konzentrieren sich die Anleihenmärkte auf einen raschen Rückgang der Inflation und eine mögliche "harte Landung" auf der Konjunkturseite. Auch 2024 dürften die geldpolitischen Entscheidungen des Fed die Gesamtperformance von Vermögenswerten bestimmen, jedoch wird auch der Zustand der Wirtschaft eine Rolle dabei spielen, in welche Richtung sich die Märkte bewegen. Derzeit sind wir gegenüber Aktien und Staatsanleihen "Neutral" positioniert.

Aktienstrategie

Der Leitindex S&P 500 hat ein neues Allzeithoch erreicht. Treibende Kraft ist die anhaltende Bewertungsexpansion, insbesondere im Technologiesektor. Dagegen notiert der breitere Russell 2000 weit abgeschlagen. Auch in Japan nehmen die Indizes nach rund 34 Jahren ein neues Allzeithoch ins Visier. Strukturellen Vorteilen wie einer deutlich aktionärsfreundlicheren Unternehmenspolitik stehen neue Risiken einer möglichen Trendwende in der japanischen Zentralbankenpolitik und damit potenziell mehr Gegenwind von der Währungsseite gegenüber. Insgesamt erachten wir die Chancen und Risiken als ausgewogen und bleiben bei unserer neutralen Einstufung für Aktien.

Anleihenstrategie

Nach dem starken Rückgang der Renditen langfristiger Staatsanleihen in den letzten Wochen des Jahres 2023 halten wir eine gewisse Gegenbewegung für wahrscheinlich. Abgesehen vom Segment der Hochzinsanleihen, in dem wir insbesondere die schwächsten Emittenten meiden, sind wir derzeit in allen anderen Fixed-Income-Bereichen "Neutral" positioniert. Bei Staatsanleihen bevorzugen wir den Laufzeitbereich von drei bis fünf Jahren, wo wir das beste Risiko-Rendite-Profil erwarten, während wir bei Unternehmensanleihen noch etwas kürzere Laufzeiten bevorzugen würden, um das Kreditrisiko zu begrenzen. Zur Absicherung gegen das Risikoszenario "harte Landung" würden wir auf Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten setzen.

Währungsstrategie

Unsere Markteinschätzung zeigt, dass der japanische Yen (JPY) derzeit historisch niedrig bewertet ist und daher eine attraktive Wahl darstellt. Darüber hinaus sprechen Unterschiede in den externen ökonomischen Fundamentaldaten für den JPY gegenüber dem US-Dollar. Aus geldpolitischer Sicht führen die geplanten Zinssenkungen der US-Notenbank und die erwarteten Zinserhöhungen der Bank of Japan zu einer Situation, in der der USD gegenüber dem JPY voraussichtlich schwächer werden dürfte. Darüber hinaus besteht Optimismus für eine nachhaltige Aufwertung des JPY, wenn sich die Renditen in den Vereinigten Staaten stabilisieren.

Alternative Anlagen

Geopolitische Spannungen haben die Unsicherheiten an den Kapitalmärkten verstärkt und der Diversifikationsfaktor von Gold bleibt wichtig. Die Anlegerinnen und Anleger sehen das Edelmetall nach wie vor als sicheren Hafen und so ist es nicht verwunderlich, dass es auch in den letzten Jahren ein attraktiver Vermögenswert geblieben ist.

 

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