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Anlagestrategien

Demografischer Wandel bietet Anlagechancen

Mit der zunehmenden Alterung der Weltbev√∂lkerung ben√∂tigen Rentnerinnen und Rentner bessere Gesundheits- und Sozialleistungen, mehr betreutes Wohnen und flexible Rentenl√∂sungen. Gute Nachrichten f√ľr Anlegerinnen und Anleger.

Datum
Autor
Maggie Elliott, Gastautorin
Lesezeit
4 Minuten
Mann und Frau, beide ergraut, tanzen in einem Park
Die Menschen in den Industriel√§ndern werden immer √§lter, und die "Silver Ager" sind auch verm√∂gend - ein Anlagetrend, der noch Jahrzehnte anhalten d√ľrfte, sagt Dr. Tilman Dumrese von LGT Private Banking. ¬© Shutterstock/Kostiantyn Voitenko

Wir werden immer älter und auch immer reicher, zumindest in den Industrieländern. In den letzten 75 Jahren ist die Weltbevölkerung explodiert: Bestand sie 1950 noch aus 2.5 Milliarden Menschen, so sind es heute mehr als acht Milliarden. Bis 2080 könnten es 10.4 Milliarden sein.

Das Bev√∂lkerungswachstum verl√§uft aber keineswegs einheitlich, obwohl die Sterblichkeit weltweit abgenommen hat. In Teilen Asiens und Afrikas sind die Geburtenraten nach wie vor hoch und somit auch die Bev√∂lkerung deutlich j√ľnger. In Europa, Nordamerika und Japan hingegen sind die Geburtenraten eingebrochen, und die Bev√∂lkerung altert unaufhaltsam.¬†

Ein Kleinkind begr√ľsst sein neues Geschwisterchen, ein neugeborenes Baby
Das neue Geschwisterchen: In Europa, Nordamerika und Japan seltener als in Asien und Afrika, wo die Geburtenraten nach wie vor hoch sind. © istock/Koh Sze Kiat

2050 wird die Zahl der weltweit √ľber 65-J√§hrigen voraussichtlich mehr als doppelt so hoch sein wie die Zahl der unter F√ľnfj√§hrigen. Dr. Tilman Dumrese, Senior Equity Analyst bei der LGT, veranschaulicht die Entwicklung mit einem Vergleich: "Stellen Sie sich eine Lawine vor, die sich in Zeitlupe zu Tal bewegt."

Gesundheitsbed√ľrfnisse im hohen Alter

Die Bevölkerungsalterung stellt Regierungen und Unternehmen vor gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen. Wer länger lebt, leidet mit höherer Wahrscheinlichkeit an chronischen Krankheiten wie Diabetes, Herzkrankheiten oder Krebs. Ein längeres Leben bedeutet auch einen längeren Ruhestand, und damit bessere Altersvorsorge und altersgerechtere Wohnungen.

Ein Mann in Anzug und Krawatte lehnt an einem Geländer und lächelt freundlich in die Kamera.
Dr. Tilman Dumrese, Senior Equity Analyst at LGT Private Banking

Unternehmen vieler Branchen stellen sich auf diese Herausforderungen ein. Ein Beispiel ist die Pharmaindustrie: Wissenschaftliche Fortschritte, insbesondere in der Genomik, veranlassen die Medikamentenhersteller, neue Diagnosetests und Therapien zu entwickeln, die konkret zur Personalisierung der Medizin beitragen. 

Eine der bis anhin erfolgreichsten Entwicklungen: Wenn sich jemand einer Krebstherapie unterzieht, kann man neuerdings vor der Behandlung vorhersagen, wie hoch die Erfolgschancen f√ľr diese Person sind - statt ihre Wirkung durch Trial und Error auszuprobieren. F√ľr Betroffene, Pharmaunternehmen, Gesundheitsversorger und Krankenversicherer ist diese Analyse angesichts der hohen Gesundheitskosten nat√ľrlich ein massiver Vorteil.

Die "Silver Society" ist zunehmend mit gesundheitlichen Herausforderungen konfrontiert.

Dr. Tilman Dumrese, Senior Aktienanalyst

Nicht nur bei Medikamenten und Diagnostika gibt es riesige Fortschritte, sagt Dr. Dumrese. Hersteller medizinischer Ger√§te, einschliesslich solcher, welche die Behandlung nicht √ľbertragbarer Krankheiten wie Herz- und Augenkrankheiten unterst√ľtzen, arbeiten an der Entwicklung von Behandlungen, die mit Hilfe von Softwarel√∂sungen und k√ľnstlicher Intelligenz skaliert werden k√∂nnen. Der Schwerpunkt liegt auf dem Einsatz von Technologien zur Bew√§ltigung der gesundheitlichen Herausforderungen, mit denen die sogenannte "Silver Society" zunehmend konfrontiert ist.

Mit der Entwicklung neuer und besserer M√∂glichkeiten zur F√∂rderung der langfristigen Lebensqualit√§t steigen auf Seiten der Gesundheitsversorger die entsprechenden Kosten immer weiter. In den Industriel√§ndern rechnet die Organisation f√ľr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) damit, dass die Gesundheitsausgaben rascher zunehmen als das BIP. Nichtstaatliche Gesundheitsversorgung und Pflegeeinrichtungen d√ľrften von dieser Entwicklung profitieren.

Automatisierung und Robotik auf dem Vormarsch

Eine ältere Person interagiert mit einem Roboter
Der Weltmarkt f√ľr Industrie- und Servicerobotik wird 2030 voraussichtlich √ľber USD 500 Mrd. betragen - Industrieunternehmen mit einem klaren Schwerpunkt im Maschinenbau d√ľrften davon profitieren. ¬© Murat Tueremis/laif

Im Gesundheitswesen herrscht bereits heute Fachkr√§ftemangel. Die Alterspyramide stellt sich allm√§hlich auf ihre Spitze, da immer weniger Menschen im erwerbsf√§higen Alter immer mehr Rentnerinnen und Rentnern gegen√ľberstehen, sodass sich dieser Trend noch versch√§rft. Damit steigt auch die Nachfrage nach Robotern und k√ľnstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen und in zahlreichen weiteren Branchen - eine strukturelle Ver√§nderung, die vor allem Unternehmen mit automatisierten Arbeitsprozessen zugutekommt.

Die Alterung der Erwerbsbev√∂lkerung stellt die Politik vor besondere Herausforderungen. Wenn weniger junge Arbeitskr√§fte zur Verf√ľgung stehen, m√ľssen immer mehr Branchen Wege finden, wo m√∂glich repetitive und schwere Arbeit zu ersetzen. Die Robotik bietet eine Alternative zu oft st√§rker umstrittenen L√∂sungen wie der F√∂rderung der Zuwanderung oder der Anhebung des Rentenalters. Der Weltmarkt f√ľr Industrie- und Serviceroboter wird 2030 voraussichtlich √ľber USD 500 Milliarden betragen, verglichen mit USD 45.3 Milliarden im Jahr 2020. Industrieunternehmen mit einem klaren Schwerpunkt im Maschinenbau d√ľrften davon profitieren.

Ein gesunder Lebensstil hat seinen Preis

Das wachsende Bewusstsein f√ľr einen gesunden Lebensstil beg√ľnstigt weiterhin das Marktwachstum von Produkten, die diesen Trend unterst√ľtzen. Medikamente gegen Fettleibigkeit sind seit der Pandemie eine Erfolgsgeschichte. Und der Weltmarkt f√ľr Bio-Lebensmittel und -Getr√§nke soll bis 2030 um durchschnittlich 13 Prozent wachsen, ausgehend von derzeit USD 200 Milliarden. Auch Nahrungserg√§nzungsmittel d√ľrften von einem beschleunigten Wachstum profitieren.

Zwei Wanderer, von hinten gesehen, blicken von einer Anhöhe auf einen See
Reiselust plus Finanzkraft: Die langfristigen Aussichten f√ľr die Reisebranche bleiben gut, sagt Dr. Tilman Dumrese. ¬© istock/AscentXmedia

Sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenl√§ndern verf√ľgen die Rentnerinnen und Rentner zunehmend √ľber mehr Freizeit und h√§ufig auch √ľber wachsende Verm√∂gen. F√ľr die von der Covid-Krise besonders betroffene Reisebranche geht Dr. Dumrese davon aus, dass "die Reiselust nach wie vor anh√§lt und auch in Zukunft f√ľr Nachfrage sorgen d√ľrfte. Damit sind die langfristigen Aussichten f√ľr diese Branche unver√§ndert gut."

Betreutes Wohnen als Wachstumsbranche

Anlegerinnen und Anleger sollten sich auch bewusst sein, dass der Bedarf an finanziellen L√∂sungen zur Vorbereitung eines m√∂glicherweise 25 bis 30 Jahre w√§hrenden Ruhestands und allenfalls auch der Pflege am Lebensende zunimmt. Unternehmen, die Renten- und Lebensversicherungsprodukte anbieten, d√ľrften vom h√∂heren Sicherheitsbedarf im Alter profitieren. Da nicht alle L√§nder √ľber moderne Sozialversicherungssysteme verf√ľgen, geh√∂rt die Nachfrage nach privaten Rentenl√∂sungen zu den Wachstumstreibern in der Finanzdienstleistungsindustrie.

Menschen in einem Wohnumfeld sitzen um einen Tisch und unterhalten sich bei Kaffee und Tee
Es bilden sich Gemeinschaften von selbst√§ndig lebenden "jungen Alten" ab 55 Jahren √ľber die ambulante medizinische Versorgung bis hin zur Pflege und Betreuung am Lebensende. ¬© Maria Feck/laif

Die Wohnbed√ľrfnisse √§lterer Menschen unterscheiden sich von denjenigen Studierender oder junger Familien. In den USA und Grossbritannien richten sich bereits einige Immobilienunternehmen auf den Sektor "Betreutes Wohnen" aus. Ihre Kundinnen und Kunden finanzieren sich zum gr√∂ssten Teil selbst. Die Tr√§gerunternehmen schaffen Gemeinschaften, die eine durchgehende Betreuung bieten, angefangen bei selbstst√§ndig lebenden "jungen Alten" ab 55 Jahren √ľber ambulante medizinische Betreuung bis hin zur Pflege und Betreuung am Lebensende. So k√∂nnen auch √§ltere Paare mit ganz unterschiedlichen Bed√ľrfnissen weiterhin zusammenleben. Andere Unternehmen richten sich auf spezifische Segmente aus, etwa in den Bereichen des betreuten Wohnens, der Hospizbetreuung oder der Pflege.

Langfristig goldene Aussichten f√ľr die "Silver Society"

Ob im Gesundheitswesen, der Automatisierung, dem Wellness-Sektor, der Reisebranche, dem Finanzdienstleistungssektor oder dem Immobilienwesen - die "Silver Ager" sind finanzkr√§ftig. Wer diesen Aspekt beim Anlegen vernachl√§ssigt, tut es auf eigene Gefahr. Denn Trends, die vom demographischen Wandel getrieben werden, d√ľrften noch Jahrzehnte Bestand haben.

Marktinformationen unserer Research-Experten

So sehen wir die Märkte

Die LGT Experten analysieren laufend die globale Markt- und Wirtschaftsentwicklung. Mit unseren Research-Publikationen zu den internationalen Finanzmärkten, Branchen und Unternehmen treffen Sie fundierte Anlageentscheide.

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