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Anlagestrategien

Die Zukunft des Private Banking: Der Faktor Mensch im Zeitalter der KI Im Gespräch mit S.D. Prinz Max von und zu Liechtenstein, Chairman LGT

Künstliche Intelligenz verändert Branchen mit ausserordentlicher Geschwindigkeit - Private Banking bildet keine Ausnahme. Für S.D. Prinz Max von und zu Liechtenstein, Chairman LGT, eröffnet dieser Wandel enorme Chancen, wirft aber auch grundlegende Fragen auf: Was erwarten Kundinnen und Kunden heute von ihren Banken?

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Prinz Max von und zu Liechtenstein
Chairman S.D. Prinz Max von und zu Liechtenstein im Gespräch über den immensen Wert zwischenmenschlicher Beziehungen im Private Banking, die Rolle der nächsten Generation an Vermögensinhaberinnen und -inhaber und die Auswirkungen von Investments auf Gesellschaft und Umwelt. © LGT

Durchlaucht, Sie haben den Aufstieg der KI aufmerksam verfolgt. Was ist Ihre persönliche Reaktion auf die Entwicklungen: Optimismus, Skepsis oder Besorgnis?

Ich bleibe grundsätzlich optimistisch - aber mit offenen Augen. Die Geschichte lehrt uns, dass technologische Revolutionen oft in Wellen verlaufen, begleitet von Phasen der Überinvestition und hoher Erwartungen, bis schliesslich Korrekturen erfolgen. Bei der KI ist das nicht anders. Transformative Technologien haben per definitionem weitreichende Folgen - viele davon sind positiv, andere hingegen schwierig oder gar gefährlich. Diese Entwicklung erfordert Optimismus, aber auch Realismus und Vorsicht.

Wie spiegelt sich diese Einstellung in der Denkweise der LGT wider?

Bei der LGT verfolgen wir einen proaktiven und zielgerichteten Ansatz. Seit mehreren Jahren untersuchen wir, wo KI unseren Kundinnen und Kunden sowie unseren Mitarbeitenden einen echten Mehrwert bietet - von der Portfoliozusammensetzung und -analyse bis hin zur Verbesserung unserer gesamten Prozesslandschaft. So werden KI-Agenten unsere Relationship Managers vermehrt unterstützen, um unsere Beratung noch individueller zu gestalten. Für grosse, komplexe Firmen wird der effektive Einsatz von KI zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor werden, doch wir stehen noch am Anfang dieser Entwicklung und werden unsere Überlegungen weiter vorantreiben, während sich KI-gesteuerte Anwendungen weiterentwickeln.

Aktuell sprechen Fachpersonen viel davon, wie KI die Erwartungen der Kundinnen und Kunden an ihre Banken verändert. Beobachten Sie denselben Wandel?

Ja, das tue ich. Ich sehe einen tiefgreifenden Wandel, der in der Demokratisierung von Informationen begründet ist. Hochwertige Erkenntnisse - Portfolioanalysen, Risikodiagnosen, Makroforschung - sind mit einem Mausklick für alle zugänglich...

... während der exklusive Zugang zu komplexen Informationen jahrzehntelang ein entscheidender Vorteil von Privatbanken war.

Das war er, aber diese Ära neigt sich dem Ende zu. Wenn der Unterschied zwischen einer KI-generierten Portfolioanalyse und einem Gespräch mit Ihrem Relationship Manager zu gering wird, werden Sie zu Recht fragen: Wo liegt der Mehrwert? 

Und wie lautet Ihre Antwort?

Die LGT wird natürlich weiterhin den Anspruch haben, an Anlage-Informationen zu gelangen, die nur schwer zugänglich sind. Die Situation variiert hier je nach Anlageklasse und -strategie: So ist Private Equity, das von exklusiven Informationen und Beziehungen geprägt bleibt, viel marginaler betroffen als öffentliche Wertpapiere. Den zentralen Mehrwert sehe ich jedoch in unserem Urteilsvermögen, unserer Erfahrung und unserer vertrauensvollen Beratung.  Ich bin davon überzeugt, dass unsere Kundinnen und Kunden weiterhin den persönlichen Kontakt zu ihren Relationship Managers suchen, um Themen zu besprechen und wichtige Entscheidungen zu treffen.

Aktuell ist Private Equity, das von exklusiven Informationen und Beziehungen geprägt bleibt, viel marginaler betroffen von KI als öffentliche Wertpapiere.

S.D. Prinz Max von und zu Liechtenstein Chairman LGT 

Mit anderen Worten: Für Privatbanken sind menschliche Beziehungen das Unterscheidungsmerkmal in einer KI-gesteuerten Welt?

Menschliche und persönliche Beziehungen werden auch weiterhin im Mittelpunkt unserer Aktivitäten stehen. KI wird in vielen Bereichen sehr hilfreich sein, aber sie versteht keine persönlichen Emotionen und Ambitionen, Werte oder Familiendynamiken. Sie begleitet Menschen nicht durch Unsicherheiten oder Konflikte. Es gibt Situationen, in denen unsere Kundinnen und Kunden es sehr schätzen, einen vertrauenswürdigen Berater an ihrer Seite zu haben. In einer Welt, die immer komplexer, polarisierter und kurzfristiger wird, gewinnt diese Art der langfristigen, vertrauensbasierten Beratung noch stärker an Bedeutung.

Das klingt besonders relevant für Familien.

Das ist es. Viele der wichtigsten Gespräche finden in Zeiten des Wandels statt: bei der Vorbereitung von Kindern auf mehr Verantwortung, beim Verkauf eines Unternehmens oder beim Erhalt einer Erbschaft. Dies sind entscheidende Kapitel im Leben einer Familie, die Kontinuität, Einfühlungsvermögen und echte Partnerschaft erfordern.

Apropos Generationswechsel: Die LGT ist ausgezeichnet worden für ihre Arbeit mit der nächsten Generation, der "Next Generation". Warum ist das Thema für Sie so wichtig?

Jeder Generationswechsel ist komplex - sowohl finanziell als auch emotional. Vermögen ist mehr als nur Kapital: Es bedeutet Identität, Verantwortung und Zukunftspotenzial. Als Familienbank verstehen wir diese Dynamik aus erster Hand. Wir begleiten Familien ganzheitlich - dabei betrachten wir nicht nur Investitionen, sondern auch Governance, Strukturierung, Kommunikation und Purpose.

Der Unternehmensclaim der LGT lautet "Vorausschauend für Generationen". Was bedeutet "vorausschauend" für Sie persönlich?

Wir agieren in einer Welt, die von mächtigen Kräften neu gestaltet wird - dazu gehören der rasante technologische Fortschritt, der Übergang zur Dekarbonisierung, der demografische Wandel, die zunehmende geopolitische Fragmentierung und das wachsende fiskalische Ungleichgewicht in vielen grossen Volkswirtschaften. Weitsicht bedeutet für mich die Fähigkeit, diese Trends und ihre weitreichenden Auswirkungen tiefgreifend zu verstehen und sich in diesem Umfeld so zu engagieren und zu investieren, dass gute finanzielle Renditen erzielt werden und gleichzeitig positive Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und die Umwelt entstehen.

Letztes Jahr haben Sie Ihr zwanzigjähriges Jubiläum bei der LGT gefeiert. Wie hat sich das Unternehmen in dieser Zeit verändert?

Es war eine bemerkenswerte Entwicklung. Als ich vor zwei Jahrzehnten zur LGT gestossen bin, war das Unternehmen noch eine relativ kleine Privatbank, die hauptsächlich im Offshore-Privatkundengeschäft tätig und stark vom Bankgeheimnis geprägt war. Heute sind wir mehr als fünfmal so gross, verfügen über eine breitere internationale Präsenz, gestärkte Kompetenzen und ein deutlich diversifizierteres Geschäftsmodell. Mit der Grösse kommt natürlich auch die Komplexität. Die Herausforderungen sind nicht verschwunden, sie haben lediglich eine andere Form angenommen. Aber unsere Stärken - Familienbesitz, langfristiges Denken, eine starke Kultur und mehr als 6000 hoch engagierte Kolleginnen und Kollegen weltweit - geben uns ein solides Fundament, um Unsicherheiten zu meistern.

Unser Eigentümer

900 Jahre Fürstenhaus Liechtenstein im Zeitraffer

Die LGT befindet sich seit mehr als 100 Jahren vollständig im Besitz der Fürstlichen Familie von Liechtenstein. Werte sind für die Familie heute genauso wichtig wie vor neun Jahrhunderten. Dazu gehören Respekt, Freundlichkeit, unternehmerisches Engagement, eine langfristige und ganzheitliche Perspektive sowie das unermüdliche Streben nach Qualität, Innovation und Verbesserung. Diese Werte prägen auch die LGT.  

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