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Anleiherenditen springen, Aktien geben nach

Die Renditen von US-Staatsanleihen stiegen am Dienstag stark an, da Anlegerinnen und Anleger den Ausblick für Inflation und Zinsen neu bewerteten. Dies drückte die Wall Street ins Minus und setzte asiatische Aktien am Mittwoch weiter unter Druck. Der Anstieg der Renditen langlaufender Anleihen hat zusammen mit den erhöhten Ölpreisen im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt den US-Dollar gestärkt und die Stimmung belastet, auch wenn China die Kreditzinsen unverändert liess. US-Aktien schlossen am Dienstag im Minus, während die asiatischen Märkte am Mittwoch überwiegend tiefer notierten. Anlegerinnen und Anleger richten ihren Blick nun auf Inflationsdaten aus dem Vereinigten Königreich und der Eurozone, das Sitzungsprotokoll der US-Notenbank Federal Reserve sowie die Quartalsergebnisse von Nvidia im weiteren Verlauf des Mittwochs.

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  • Autor Shane Strowmatt, Senior Investment Writer
  • Lesezeit 5 Minuten

USA Zinsen
© Shutterstock

Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg am Dienstag auf 5.2%, nachdem sie zuvor in der Sitzung bei 5.13% gelegen hatte, und erreichte damit den höchsten Stand seit 2007. Anlegerinnen und Anleger zeigten sich zunehmend besorgt über eine hartnäckige Inflation und die Aussicht auf höhere US-Zinsen. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen kletterte ebenfalls auf bis zu 4.7%, nach zuvor rund 4.6%, während die Verkaufswelle auf die Anleihemärkte in Europa und Japan übergriff und US-Aktien belastete. Auslöser der Bewegung waren zunehmende Sorgen über energiebedingten Inflationsdruck im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt sowie Bedenken hinsichtlich hoher Haushaltsdefizite und einer steigenden Emission von Staatsanleihen. Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer haben ihren Ausblick für die Federal Reserve zudem deutlich angepasst: Der Markt rechnet nun damit, dass der nächste Schritt später in diesem Jahr eine Zinserhöhung sein wird, statt mit mehreren Zinssenkungen im Jahr 2026. Der US-Dollar hielt sich am Mittwoch nahe einem Sechs-Wochen-Hoch, wobei der US-Dollar-Index knapp über 99 lag, nachdem er im Mai um mehr als 1% gestiegen war, da Anlegerinnen und Anleger die Möglichkeit höherer US-Zinsen einpreisten.

US-Aktien fallen nach Gewinnmitnahmen

US-Aktien schlossen am Dienstag tiefer, da Anlegerinnen und Anleger weitere Gewinne mitnahmen. Der Nasdaq 100 fiel um 0.6% auf 28'818.84 Punkte, der S&P 500 gab um 0.7% auf 7353.61 Punkte nach, und der Dow Jones Industrial Average verlor 0.7% auf 49'363.88 Punkte. Der Rückgang setzte die jüngste Korrektur von Rekordständen fort und deutete darauf hin, dass die KI-getriebene Erholung an den Aktienmärkten vorerst an Schwung verloren hat, auch wenn die Anlegerstimmung insgesamt konstruktiv bleibt. Neben höheren Treasury-Renditen belasteten Sorgen über den Konflikt im Nahen Osten und erhöhte Ölpreise die Märkte weiterhin. Brent-Rohöl und West Texas Intermediate (WTI) hielten sich zur Wochenmitte nahe hohen Niveaus und wurden bei rund USD 111 beziehungsweise USD 104 je Barrel gehandelt.

Asiatische Aktien fallen wegen Belastung durch Technologiewerte

Asiatische Aktien gaben am Mittwoch nach, da Technologiewerte den Verlusten der Wall Street vom Vorabend folgten. Der südkoreanische KOSPI fiel um 1.4%, und der japanische Nikkei 225 gab nach. Australiens S&P/ASX 200 sank um 1.3%. Die Verkaufswelle in der Region wurde durch die Nachricht verstärkt, dass die Gewerkschaft von Samsung Electronics nach dem Scheitern der Lohnverhandlungen am Donnerstag streiken will. Dies liess die Aktien des südkoreanischen Chipherstellers um bis zu 4% fallen. Höhere globale Anleiherenditen und anhaltende Inflationssorgen im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt belasteten die Stimmung ebenfalls.

China hält Kreditzinsen unverändert

China liess seine Referenzkreditzinsen am Mittwoch den zwölften Monat in Folge unverändert. Die einjährige Loan Prime Rate blieb bei 3%, der fünfjährige Satz bei 3.5%, was den Markterwartungen entsprach. Die Entscheidung deutet darauf hin, dass die People's Bank of China trotz schwacher Kreditvergabe und verhaltenerer Wirtschaftsdynamik keine Eile hat, die Geldpolitik zu lockern, da reichlich Liquidität und zunehmender Inflationsdruck das Argument für breit angelegte Zinssenkungen abgeschwächt haben. Jüngste Daten zeigten, dass Chinas Wachstum im April an Schwung verlor: Die Industrieproduktion verlangsamte sich, und die Einzelhandelsumsätze fielen auf den schwächsten Stand seit mehr als drei Jahren. Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer erwarten, dass Peking gezielte fiskalische Unterstützung, insbesondere für die Infrastruktur, einer breiteren geldpolitischen Stimulierung vorziehen wird. Der CSI 300 des chinesischen Festlands notierte im Wesentlichen unverändert, während der Hang Seng Index in Hongkong am Mittwoch 0.6% tiefer gehandelt wurde.

Handelsüberschuss der Eurozone schrumpft

Der Warenhandelsüberschuss der Eurozone sank im März gemäss den am Dienstag veröffentlichten Schätzungen auf EUR 7.8 Mrd., nach EUR 11.1 Mrd. im Februar und EUR 34.1 Mrd. ein Jahr zuvor. Die Exporte gingen im Jahresvergleich um 5.5% auf EUR 265.3 Mrd. zurück, während die Importe um 4.4% auf EUR 257.4 Mrd. zunahmen. Die Verschlechterung war hauptsächlich auf geringere Überschüsse bei Chemieprodukten sowie bei Maschinen und Fahrzeugen zurückzuführen, wobei der Überschuss im Chemiesektor von EUR 41.8 Mrd. ein Jahr zuvor auf EUR 18.9 Mrd. sank. Die europäischen Aktienindizes entwickelten sich am Dienstag uneinheitlich, die meisten wichtigen Benchmarks schlossen jedoch im positiven Bereich. Der Euro Stoxx 50 legte um 0.1% zu, während der deutsche DAX um 0.4% stieg und der französische CAC 40 kaum verändert war. Der Schweizer SMI entwickelte sich besser und stieg am Dienstag um 0.9%.

Arbeitslosigkeit im Vereinigten Königreich steigt, Lohnwachstum verlangsamt sich

Die Arbeitslosigkeit im Vereinigten Königreich stieg in den drei Monaten bis März gemäss den am Dienstag veröffentlichten Daten auf 5%, nach 4.9% im Februar und damit über den Markterwartungen, während sich das reguläre Lohnwachstum von 3.6% auf 3.4% abschwächte. Zeitnähere Lohndaten deuteten ebenfalls auf einen weicheren Arbeitsmarkt hin: Die Zahl der Beschäftigten auf Lohnlisten sank im April um 100'000, nachdem sie im März bereits um 28'000 zurückgegangen war, während die Zahl der offenen Stellen von Februar bis April um 28'000 auf 705'000 fiel, den tiefsten Stand seit fünf Jahren. Dem Bericht zufolge geraten Unternehmen durch höhere Energiekosten im Zusammenhang mit dem im Februar begonnenen Iran-Krieg unter Druck, obwohl die britische Wirtschaft im ersten Quartal um 0.6% wuchs.

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Redaktion: Alessandro Fezzi
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG