LGT Private Banking House View

August 2026 - das Wichtigste in Kürze

Die Märkte profitieren von einer günstigeren Kombination aus Wachstum und Inflation, auch wenn die geopolitischen Risiken hoch bleiben. Sinkende Energiepreise haben die Inflation deutlich gedämpft und damit das Vertrauen von Verbrauchern und Unter­nehmen teilweise wiederhergestellt. Die US-Wirtschaft bleibt dank robustem Konsum und Investitionen in KI-Infrastruktur dynamisch, während Europa sich langsamer erholt. Gleichzeitig halten der erneute Konflikt zwischen den USA und dem Iran sowie Ein­schränkungen des Schiffsverkehrs durch die Strasse von Hormus die Unsicherheit an den Energiemärkten hoch. 

  • Datum
  • Autor Patrick Huber, Investment Solutions Europe, LGT Private Banking
  • Lesezeit 7 Minuten

House_View_August_2026
© Shutterstock

Dieses Umfeld rechtfertigt eine moderat positivere Haltung gegenüber Risikoanlagen. Wir stufen Aktien gegenüber der strategischen Allokation auf "Übergewichten" hoch, insbesondere über eine höhere Allokation in US-Aktien. Anleihen bleiben "Unterge­wichtet" und Liquidität "Neutral". Zudem schliessen wir unsere taktische "Überge­wichten"-Position in Gold und stufen alternative Anlagen auf "Neutral" herab. Die strukturelle Attraktivität von Gold bleibt intakt, doch kurzfristige Gegenwinde machen eine Umschichtung von Kapital in Aktien attraktiver. 

Bei den Aktien bevorzugen wir weiterhin die USA, wo eine breitere Marktbeteiligung und solide Gewinnaussichten stützen. Gegenüber dem Euroraum bleiben wir wegen schwächerer Wachstumsaussichten und hoher Bewertungen vorsichtig. Zudem nehmen wir Gewinne im Technologiesektor mit und stufen den Sektor auf "Neutral" herab, da hohe Erwartungen und erhöhte Volatilität in der Berichtssaison nach der starken Kursentwicklung für Zurückhaltung sprechen. 

Insgesamt bleiben wir konstruktiv, aber selektiv: Wir erhöhen das Aktienengagement, insbesondere in den USA, und reduzieren es in besonders überlaufene Sektoren. Bei US-Investment-Grade-Anleihen bleiben wir wegen der engen Spreads vorsichtig. Der US-Dollar bietet eine taktische Diversifikationschance, da der Rückenwind für Gold nachlässt. 

In dieser "House View"-Ausgabe erläutern wir, warum nachlassende Inflation und ein robustes Wachstum in den USA ein höheres Aktienengagement stützen, während Ent­wicklungen am Energiemarkt und regionale Unterschiede weiterhin Selektivität erfordern. Wir erörtern zudem die taktische Chance bei der US-Dollar-Duration, unsere anhaltende Vorsicht gegenüber US-Investment-Grade-Anleihen, den ausgewogeneren Ausblick für den EUR/USD-Kurs und warum die strukturelle Attraktivität von Gold trotz kurzfristiger Gegenwinde intakt bleibt.

Makroökonomisches Umfeld

Da der Konflikt zwischen den USA und dem Iran ungelöst bleibt und der Transit durch die Strasse von Hormus wieder ein­geschränkt ist, bleiben die Energiepreise ein entscheidender Faktor für die konjunkturelle Dynamik. Die Inflation kühlt sich deutlich ab, und das Verhältnis von Wachstum und Inflation hat sich verbessert, was einen moderaten konjunkturellen Auf­schwung stützt; Versorgungsengpässe im Energiesektor bleiben jedoch ein klares Abwärtsrisiko. Die US-Wirtschaft befindet sich weiterhin auf der Überholspur, während Europa von einer weitaus ungünstigeren Ausgangslage aus vor einer eher schrittweisen als kraftvollen Erholung steht. Die Federal Reserve (Fed) dürfte ihre abwartende Haltung beibehalten, während die Europäische Zentralbank (EZB) im dritten Quartal 2026 die Geldpolitik erneut straffen dürfte.

Anlagestrategie

Aufgrund des unterstützenden makroökonomischen Umfelds haben wir unsere allgemeine Risikobereitschaft von neutral auf moderat risikofreudig angehoben. Auf der übergeordneten Al­lokationsebene erhöhen wir Aktien taktisch gegenüber der strategischen Gewichtung von "Neutral" auf "Übergewichtet", während Anleihen auf "Untergewichtet" bleiben und Liquidität bei "Neutral" verharrt. Die höhere Aktienallokation setzen wir um, indem wir das bestehende "Übergewicht" in US-Aktien aus­bauen. Umgekehrt schliessen wir das "Übergewicht" in Gold und neutralisieren damit die Allokation in alternativen Anlagen.

Aktienstrategie

Die globalen Aktienmärkte sind in eine Konsolidierungsphase eingetreten. Nach starken Kursgewinnen bei KI-bezogenen Titeln, insbesondere bei Halbleitern, in den ersten fünf Monaten des Jahres hat der Sektor zuletzt eine Korrektur erfahren. Die KI-Thematik war überhitzt, während erneute Unsicherheiten hin­sichtlich der Investitionen in KI-Rechenzentren und höhere An­leihenrenditen Gewinnmitnahmen auslösten. Erfreulicherweise hat die Schwäche im KI-Segment nicht zu einer breiteren Markt­korrektur geführt, da Kursgewinne in anderen Sektoren dazu beigetragen haben, den Rückgang auszugleichen. Vor diesem Hintergrund stufen wir den IT-Sektor auf "Neutral" herab und nehmen im Vorfeld der Berichtssaison Gewinne mit. Wir bleiben zwar hinsichtlich des langfristigen Wachstumspotenzials des Sek­tors positiv gestimmt, doch die hohen Erwartungen lassen Raum für Enttäuschungen, insbesondere bei den Prognosen. Wir belassen unsere Einschätzung für US-Aktien bei "Attraktiv", während wir mit Blick auf die Eurozone aufgrund schwächerer Wachstumsaus­sichten und höherer Bewertungen vorsichtig bleiben.

Anleihenstrategie

Wir stufen die US-Dollar-Duration taktisch von "Neutral" auf "Attraktiv" hoch. Die restriktive Haltung des neuen Fed-Vor­sitzenden Warsh stärkt die geldpolitische Glaubwürdigkeit und begrenzt das Risiko weiter steigender langfristiger Inflationser­wartungen. Gleichzeitig hat die erneute Eskalation im Mittleren Osten die Renditen am langen Ende der US-Zinskurve deutlich ansteigen lassen. Dies verbessert das Chancen-Risiko-Profil einer Durationsausweitung, insbesondere bei zehnjährigen US-Staats­anleihen. Die Anpassung ist taktischer Natur und beschränkt sich ausschliesslich auf USD-Sovereigns; EUR- und CHF-Duration bleiben "Neutral". Für USD-Investment-Grade-Unternehmens­anleihen bleiben wir dagegen vorsichtig. Die hohe Emissions­tätigkeit, insbesondere durch Hyperscaler zur Finanzierung der KI-Infrastruktur, dürfte bei rückläufigen Fälligkeiten zu einem deutlich höheren Nettoangebot führen. Gleichzeitig weisen der Distress Index der New York Fed und die verhaltene Aufnahme der jüngsten Amazon-Emission auf eine nachlassende Markt­aufnahmefähigkeit hin. Bei weiterhin engen Spreads und einer saisonal schwächeren Periode von August bis Oktober bestätigen wir unsere "Unattraktive" Einschätzung für US-Dollar Invest­ment Grade.

Währungsstrategie

Wir nehmen eine weitgehend neutrale Devisenposition ein: Das Wachstum in den USA bleibt sowohl absolut als auch im Ver­gleich zur Eurozone solide und stützt den US-Dollar. EUR/USD haben wir auf "Neutral" herabgestuft, mit sechs- und zwölf-Monats-Zielen bei 1.15; Carry-Effekte und eine begrenzte Auf­wärtsdynamik sprechen gegen eine Aufwertung. Der Ausblick für den Schweizer Franken bleibt leicht positiv, für das britische Pfund neutral, während der japansiche Yen unterbewertet ist, jedoch durch Zinsdifferenzen gebremst wird, wobei die Inter­ventionswahrscheinlichkeit für USD/JPY ein "Tail-Risiko" nach unten darstellt.

Edelmetalle

Gold dürfte kurzfristig volatil bleiben, da erhöhte Zinsen, sich verändernde Erwartungen in Bezug auf den Fed-Zinspfad, die Stärke des US-Dollars, ETF-Zuflüsse und die allgemeine Risiko­stimmung die Preise weiterhin beeinflussen. Der jüngste Aus­verkauf spiegelt eher eine Glattstellung von Positionen wider als einen Zusammenbruch der strukturellen Anlageargumente für Gold. Die Nachfrage der Zentralbanken und die Diversifizierung der Währungsreserven wirken weiterhin stützend, und wir peilen innerhalb von sechs und zwölf Monaten Ziele von USD 4700 und USD 5000 pro Unze an.