LGT Navigator

Japan erhöht den Leitzins

Die Bank of Japan (BoJ) hat am Dienstag den Leitzins auf den höchsten Stand seit Mitte der 1990er-Jahre angehoben. Der Yen und die Anleihenrenditen legten zu, während auch Japans Aktienmarkt nach dem weithin erwarteten Schritt leicht höher schloss. Asiatische Aktienindizes notierten uneinheitlich, da Investorinnen und Investoren auch den Entscheid der Reserve Bank of Australia beurteilten, nachdem die RBA die Zinsen unverändert belassen hatte, sowie eine weitere Reihe an schwachen chinesischen Daten; wie beispielsweise die Einzelhandelsumsätzem, die im Mai gefallen sind. US-Aktien legten am Montag kräftig zu, nachdem eine Rahmenvereinbarung zwischen den USA und Iran die Ölpreise sinken liess und die Inflationssorgen vor dem geldpolitischen Entscheid der US-Notenbank am Mittwoch dämpfte. Gold notierte am Dienstag etwas höher bei rund USD 4320, während sich der US-Dollar leicht festigte.

  • Datum
  • Autor Shane Strowmatt, Senior Investment Writer
  • Lesezeit 5 Minuten

Tokyo
© Shutterstock

Japans Zentralbank hob ihren Leitzins am Dienstag von 0.75% nach der Anhebung im Dezember auf 1% an und brachte damit die Kreditkosten auf ein Niveau, das zuletzt 1995 erreicht worden war. Der Entscheid fiel mit 7 zu 1 Stimmen, wobei Ratsmitglied Toichiro Asada für keine Änderung votierte, während die Währungshüterinnen und Währungshüter den 2024 begonnenen Normalisierungsprozess wieder aufnahmen. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund, dass ein schwacher japanischer Yen und höhere Energiekosten auf die Verbraucherinnen und Verbraucher durchzuschlagen drohen, auch wenn staatliche Unterstützung die Kerninflation im April bei 1.4% hielt und damit unter dem Zielwert von 2%; die Produzentenpreise stiegen im Mai um 6.3% und damit so stark wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Der Nikkei 225 gewann nach der Ankündigung 0.5%, während der Yen gegenüber dem US-Dollar auf über 160 zulegte und die Rendite 10-jähriger japanischer Staatsanleihen auf leicht über 2.6% stieg.

Asiatische Börsen uneinheitlich

Asiatische Aktien handelten am Dienstag im Zuge der Zentralbankentscheide uneinheitlich. Australiens S&P/ASX 200 notierte praktisch unverändert, nachdem die Reserve Bank of Australia ihren Leitzins am Dienstag unverändert bei 4.35% beliess, nachdem sie ihn seit Februar bereits kumuliert um 75 Basispunkte angehoben hatte. Die australische Zentralbank erklärte, die Wirtschaftsaktivität verlangsame sich unter restriktiveren Finanzierungsbedingungen, warnte jedoch, dass die Inflation weiterhin zu hoch sei und bei Bedarf weitere Zinserhöhungen möglich seien. Unterdessen sprang Koreas Kospi um 2% nach oben, gestützt von Kursgewinnen bei den Chipherstellern Samsung und SK Hynix. Indiens Nifty 50 lag 0.4% höher. Chinesische Aktienindizes veränderten sich nach einer Flut makroökonomischer Datenveröffentlichungen kaum, während Hongkongs Hang Seng Index 1.3% tiefer handelte.

Chinas Einzelhandelsumsätze geben im Mai nach

Chinas Einzelhandelsumsätze fielen im Mai gegenüber dem Vorjahr um 0.6%, nachdem sie im April um 5.1% gestiegen waren, wie am Dienstag veröffentlichte Daten zeigten. Damit wurde der erste Rückgang seit Dezember 2022 verzeichnet, was die schwache Konsumnachfrage unterstreicht. Die städtischen Anlageinvestitionen gingen im Zeitraum Januar bis Mai um 4.1% zurück, nach einem Rückgang von 1.6% in den ersten vier Monaten, während die Industrieproduktion im Mai um 4.5% zunahm, nach 4.1% im April. Die Schwäche im Immobiliensektor blieb ein wesentlicher Bremsfaktor: Die Immobilieninvestitionen sanken in den ersten fünf Monaten um 16.2%, und auch die Investitionen im verarbeitenden Gewerbe rutschten in den kontraktiven Bereich. Die Zahlen mehren die Anzeichen einer Erholung mit zwei Geschwindigkeiten, bei der sich Industrie und Exporte besser halten als der Konsum, selbst nachdem die Behörden Eintauschsubventionen und andere Massnahmen zur Stärkung der Binnennachfrage ausgeweitet hatten.

US-Aktien steigen nach Iran-Vereinbarung

Aktienindizes an der Wall Street legten am Montag kräftig zu, nachdem eine Rahmenvereinbarung zwischen den USA und Iran die Risikobereitschaft erhöhte und die Ölpreise sinken liess, was die Inflationssorgen vor dem geldpolitischen Entscheid der Federal Reserve am Mittwoch dämpfte. Der Dow Jones Industrial Average stieg um 0.9% auf den Rekordstand von 51'671.03 Punkten, während der S&P 500 um 1.7% auf 7554.29 Punkte zulegte und der Nasdaq 100 um 3.1% auf 30'543.92 Punkte sprang. Energieaktien folgten den Ölpreisen nach unten, wobei Brent-Rohöl bis Dienstagmorgen unter USD 83 pro Barrel und West Texas Intermediate (WTI) unter USD 81 gehandelt wurde.

Schweizer Produzentenpreise sinken

Der schweizerische Produzenten- und Importpreisindex fiel im Mai gegenüber April um 0.4%, nachdem er im Vormonat unverändert geblieben war, teilte das Bundesamt für Statistik am Montag mit. Gegenüber Mai des Vorjahres lag der Index um 1.8% tiefer, vor allem weil pharmazeutische Produkte, Erdöl und Erdgas sowie Elektrizität günstiger wurden. Die inländischen Produzentenpreise wurden durch Pharmazeutika und Elektrizität für Grossverbraucher nach unten gezogen, während die Importpreise aufgrund günstigerer Energieprodukte, pharmazeutischer Erzeugnisse und einiger Chemikalien sanken. Die meisten europäischen Aktienindizes schlossen am Montag höher, wobei der Euro Stoxx 50 um 0.8% stieg, während der Swiss Market Index mit einem Plus von 0.1% hinterherhinkte.

Unternehmens- und Wirtschaftskalender

Unternehmensnachrichten im Fokus: Es stehen heute keine wichtigen Unternehmensnachrichten an.

Konjunkturdaten im Fokus: Verbraucherpreisindex Italien (10:00), ZEW-Konjunkturerwartungen Deutschland (11:00), US-Baugenehmigungen (14:30).

Treffen Sie fundierte Anlageentscheide mit LGT

Globale Markt- und Wirtschaftsentwicklungen auf einen Blick

Folgen Sie uns auch auf Facebook oder LinkedIn – oder besuchen Sie Insights und entdecken Sie spannende Hintergrundartikel. Bei Fragen steht Ihnen ein Berater der Bank gerne zur Verfügung.

Impressum
Herausgeber: LGT Bank (Schweiz) AG, Glärnischstrasse 36, CH-8027 Zürich
Redaktion: Alessandro Fezzi
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG