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Streit um Grönland befeuert neuen Zollkonflikt zwischen den USA und der EU

Die Spannungen zwischen Washington und Brüssel haben sich am Wochenende erneut verschärft, nachdem US-Präsident Donald Trump mit drastischen neuen Zöllen auf Importe aus acht europäischen NATO-Mitgliedstaaten gedroht hat, sofern nicht eine Einigung über den "vollständigen und totalen" Kauf Grönlands erzielt wird. In der Folge bereitet die EU potenzielle Vergeltungszölle auf ein grosses Volumen von US-Gütern vor. Der wieder aufgeflammte Zollstreit trieb Gold und Silber auf neue Rekordhochs und belastete den US-Dollar, während die Risikobereitschaft an den Aktienmärkten fragil blieb. US-Aktien schlossen die vergangene Woche leicht im Minus und die asiatischen Märkte starteten mit Gegenwind in die neue Woche, wobei Südkorea positiv hervorstach. Zu Beginn der Woche dürften die Handelsumsätze wegen des Martin-Luther-King-Jr.-Feiertags in den USA am Montag eher dünn ausfallen, während sich die Aufmerksamkeit der Anlegerinnen und Anleger wohl auf die Kommentare von Staats- und Regierungschefinnen und -chefs am Weltwirtschaftsforum in der Schweiz richten wird.

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  • Autor Shane Strowmatt, Senior Investment Writer
  • Lesezeit 5 Minuten

The Strategist EU trade
© Shutterstock

Trump warnte am Samstag, dass Importe aus acht europäischen NATO-Mitgliedstaaten ab dem 1. Februar neuen US-Zöllen von zunächst 10% und ab dem 1. Juni von 25% unterliegen werden, sofern keine Vereinbarung über den "vollständigen und totalen" Kauf Grönlands zustande kommt. Die Massnahmen, die für Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, das Vereinigte Königreich, die Niederlande und Finnland gelten würden und aufgrund der gemeinsamen Handelspolitik faktisch die gesamte Europäische Union betreffen, gefährden das kürzlich vereinbarte EU-US-Handelsabkommen und kommen zu den bereits erhöhten Zöllen auf sensible Sektoren wie Metalle und Autos hinzu. Im Gegenzug begannen die Regierungen der Europäischen Union am Montag, über die Einführung von Vergeltungszöllen in Höhe von bis zu USD 107.71 Milliarden auf US-Güter zu beraten. Der US-Dollar gab nach den Zollankündigungen nach, der US-Dollar-Index notierte 0.2% tiefer. Gleichzeitig handelte Gold in der Nähe von USD 4670 je Unze und Silber stieg um 3.8% auf über USD 94, womit beide Edelmetalle neue Allzeithochs erreichten.

US-Inflation und japanische Geldpolitik im Fokus

Abseits der Geopolitik nimmt der Handel zu Beginn dieser Woche einen verhaltenen Start, da die US-Märkte am Montag wegen des Martin-Luther-King-Jr.-Feiertags geschlossen bleiben, während in der Schweiz die ganze Woche über das Weltwirtschaftsforum stattfindet und die Aufmerksamkeit der Anlegerinnen und Anleger auf den globalen Konjunktur- und Politik-Ausblick lenkt. In den USA liegt der Fokus am Donnerstag auf den Daten zum Bruttoinlandprodukt für das dritte Quartal und den Konsumausgaben (Personal Consumption Expenditures) für November, die zusammen mit den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe veröffentlicht werden. Gegen Ende der Woche liefern die Einkaufsmanagerindizes (Purchasing Managers' Indices, PMI) ein aktualisiertes Bild der Geschäftstätigkeit in den wichtigsten entwickelten Volkswirtschaften; in Frankreich, Deutschland, dem Vereinigten Königreich und den USA stehen die Daten jeweils am Freitag an. In Japan fällt der Zinsentscheid der Bank of Japan am Freitag mit der Veröffentlichung frischer landesweiter Inflationszahlen zusammen und bietet damit zusätzliche Einblicke in die Überlegungen der Notenbank zur weiteren Ausrichtung der Geldpolitik. Auf Unternehmensseite geht die Berichtssaison für das vierte Quartal in dieser Woche weiter, unter anderem mit Zahlen von Netflix (Dienstag), Intel (Donnerstag), Procter & Gamble (Donnerstag) und KLA (Donnerstag).

Asiatische Aktien geben wegen Zollsorgen rund um Grönland nach

Die meisten asiatischen Aktienmärkte haben am Montag nachgegeben, nachdem der Streit um Grönland die Sorgen über den globalen Handel wiederbelebt hat, wobei Südkorea positiv hervorstach. Japans Nikkei 225 fiel um 0.6%, der Hang Seng Index in Hongkong gab 1.1% nach und der australische S&P/ASX 200 verlor 0.3%, während der indische Nifty 50 um 0.7% nach unten drehte. Chinesische Indizes bewegten sich dagegen kaum: Der Shanghai Shenzhen CSI 300 und der Shanghai Composite schwankten in einer engen Spanne, nachdem Daten gezeigt hatten, dass das BIP im vierten Quartal im Jahresvergleich um 4.5% gewachsen ist. Damit ergab sich für das Gesamtjahr ein Wachstum von 5%, womit das Ziel Pekings erreicht wurde, wenngleich die Dezember-Daten weiterhin auf eine anhaltende Schwäche bei den Anlageinvestitionen und den Einzelhandelsumsätzen hindeuteten - trotz robuster Exporte und politischer Unterstützung. Der südkoreanische Kospi widersetzte sich dem regionalen Trend und stieg um 1.3% auf ein Rekordhoch. Getrieben wurde der Anstieg von starken Kursgewinnen bei Hyundai Motor, das um über 12% zulegte, gestützt auf Optimismus hinsichtlich der Strategie des Unternehmens in den Bereichen künstliche Intelligenz und Robotik sowie potenzieller Partnerschaften. Zudem verzeichneten die Chipproduzenten SK Hynix und Samsung Electronics Kursgewinne vor dem Hintergrund branchenspezifischer Nachrichten und jüngst solider Ergebnisse des Branchenführers TSMC.

US-Aktien beenden Woche leicht tiefer

US-Aktien schlossen am Freitag nahezu unverändert, da die Unsicherheit zunahm, nachdem Trump seine Zurückhaltung signalisiert hatte, die weithin erwartete Nominierung von Kevin Hassett als Nachfolger von Fed-Präsident Jerome Powell zu unterstützen - und dies trotz besser als erwarteter US-Industrieproduktion im Dezember. Der Dow Jones Industrial verlor 0.2% auf 49'359.33 Punkte und verzeichnete damit ein Wochenminus von 0.3%, während der S&P 500 und der technologielastige Nasdaq 100 jeweils um 0.1% nachgaben; letzterer büsste im Wochenverlauf nahezu 1% ein. Aktien aus den Sektoren Bau und Immobilien entwickelten sich besser als der Gesamtmarkt, während Versorger zurückblieben.

Deutsche Inflation 2025 stabil bei 2.2%

Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im Jahresdurchschnitt 2025 gegenüber 2024 um 2.2% gestiegen und haben damit die Inflationsrate des Vorjahres bestätigt, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Die jährliche Inflationsrate ging im Dezember auf 1.8% zurück, nach 2.3% im November. Energiepreise sanken um 1.3%, während die Nahrungsmittelpreise im Vergleich zu Dezember 2024 lediglich um 0.8% stiegen. Die Kerninflation ohne Nahrungsmittel und Energie lag 2025 im Jahresdurchschnitt bei 2.8%, während die Dienstleistungspreise um 3.5% anzogen, getrieben von deutlichen Preissteigerungen im kombinierten Personenverkehr, bei sozialen Dienstleistungen und Versicherungen. Der Euro Stoxx 50 gab um 0.2% nach, während der deutsche DAX, der französische CAC 40 und der Swiss Market Index um 0.2%, 0.7% bzw. 0.5% fielen.

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Redaktion: Alessandro Fezzi
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG