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Wealth & purpose

Anlegen in Kunst? Warum die schönste Anlageklasse nicht immer die einfachste ist

Ist Kunst die schönste Anlageform? Ja, wenn sie jemandem wirklich Freude bereitet - nur aus finanziellen Gründen sollte man sie nicht erwerben, sagt Jennifer Greenland-Pessina, Art Advisory Spezialistin der LGT. Sie erklärt, worauf Sammlerinnen und Sammler achten sollten.

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Gemälde, Skulpturen und Wertgegenstände werden bewundert, bestaunt, geliebt und manchmal auch gehasst - bei der Vermögens- und Nachfolgeplanung gehen sie aber zuweilen vergessen. © Giorgio Perottino/Getty Images

"Meine Mutter hat unglaublich viel Kunst zu Hause. Und vermutlich ist nichts davon versichert. Was sollen wir unternehmen?" Das fragt eine Kundin fast beiläufig in einem Beratungsgespräch, in dem es um die Nachlassplanung ihrer Familie geht. Jennifer Greenland-Pessina spitzt die Ohren. Sie arbeitet im Wealth Planning der LGT - und hat sich auf Art Advisory, die Kunstberatung, spezialisiert.

"Es ist wichtig, dass genau solche Situationen frühzeitig zur Sprache kommen", sagt Greenland-Pessina. "So können wir prüfen, welche Abklärungen sinnvoll sind - und wo Risiken lauern könnten." Aus Erfahrung weiss sie: Bei Kunstbesitz kann schon ein Domizilwechsel ins Ausland langwierige Abklärungen in Jurisdiktionen nach sich ziehen.

Erbstreit wegen Kunst?

Jennifer Greenland-Pessina, Art Advisory Spezialistin der LGT
Jennifer Greenland-Pessina, Art Advisory Spezialistin der LGT, versteht sich als unabhängige Sparringpartnerin. © Anna Lange

Gemälde, Skulpturen und Wertgegenstände werden bewundert, bestaunt, geliebt und manchmal auch gehasst - bei der Vermögens- und Nachfolgeplanung gehen sie aber zuweilen vergessen. Dabei kann Kunst mehr als Emotionen auslösen: Kunstwerke können nämlich als eigene Anlageklasse einen Vermögenswert darstellen - neben Finanzanlagen, Immobilien und Unternehmensbeteiligungen.

"Wenn ich Kunden eine Einschätzung abgebe, kommt es allerdings oft zu Überraschungen", räumt Greenland-Pessina ein. Manchmal sind Kunden enttäuscht, weil sie zum Beispiel bei einer Zinnfigurensammlung nicht mehr mit einer grossen Nachfrage rechnen können. Oder weil das Silberbesteck, das sie nur an Ostern nutzen durften, nicht mehr dem heutigen ästhetischen Empfinden entspricht. 

Umgekehrt wird vielen auch erst bewusst, mit welchen Schätzen sie aufgewachsen sind.

Sinn für Kunst und Kapital

Jennifer Greenland-Pessina hat schon als Kind viel gemalt und später Kunstgeschichte und Management studiert. Sie arbeitete lange bei einem renommierten Auktionshaus und betreute eine private Sammlung, bevor sie 2022 zum Wealth Planning der LGT wechselte. Hier ist sie verantwortlich für das Art Advisory.

"Schade finde ich, wenn jemand hochwertige Kunst nur deshalb verkaufen muss, um Miterben auszuzahlen - und eine harmonische Sammlung dadurch auseinanderbricht", sagt Greenland-Pessina. Sie versteht sich als unabhängige Sparringpartnerin. Denn die LGT gibt keine spezifischen Kauf- oder Verkaufsempfehlungen ab. Ebenso wenig finanziert sie Kunst - Art Financing - oder beleiht sie - Art Lending.

"Meine Aufgabe ist es, mit Kunden sicherzustellen, dass der Mosaikstein Kunst ins Bild des ganzen Vermögensplans passt - nicht nur heute, sondern auch morgen: bei der nächsten Generation."

Ein Auge für Kunst und Kapital

Jennifer Greenland-Pessina malte schon als Kind leidenschaftlich gern und studierte später Kunstgeschichte und Management. Bevor sie 2022 in die Vermögensplanung der LGT eintrat, arbeitete sie viele Jahre bei einem renommierten Auktionshaus und verwaltete eine private Kunstsammlung. Bei der LGT ist sie für den Bereich Kunstberatung zuständig.

Rekordpreis - mit mässiger Rendite

Was hält die Kunstexpertin, die selbst lange bei einem renommierten Auktionshaus gearbeitet hat, von den Rekordsummen, für die manche Werke heute den Besitzer wechseln?

Erstaunlich wenig. "Sogar wenn ein Gemälde bei einer Auktion für ein Vielfaches des Erwerbspreises über den Tisch geht, blendet man oft die angefallenen Kosten aus - für die fachgerechte Lagerung, Restaurierung, Transport und Versicherung", betont Greenland-Pessina. Studien zeigen: Rechnet man alle Kosten über die Jahre ein, liegt die Rendite sogar bei Topwerken unter sechs Prozent jährlich. Mit Aktien liesse sich statistisch betrachtet oft mehr herausholen.

Sogar wenn ein Gemälde bei einer Auktion für ein Vielfaches des Erwerbspreises über den Tisch geht, blendet man oft die angefallenen Kosten aus. © Sotheby’s

"Kunst bereichert das Leben, aber man sollte sie nicht als gewöhnliche Anlageklasse behandeln", stellt Greenland-Pessina klar. Wer sich nur für Kunst interessiere, um sein Portfolio zu diversifizieren, sei mit einem Kunstfonds besser bedient als mit einem direkten Einstieg in den Markt.

Übung macht den Meister

Umso mehr freut sie sich, dass sich immer wieder auch junge Kunstbegeisterte bei ihr melden. "Viele wollen selbst Kunst sammeln, wissen aber nicht, wie sie beginnen sollten - und fürchten sich vor Fehlinvestitionen", erklärt Greenland-Pessina. Für alle diese Personen hat sie einen einfachen Rat: "Kaufe, was dir gefällt!"

Ein paar praktische Faustregeln hält sie dennoch bereit. So lassen sich kleinere Formate im eigenen Zuhause aufhängen - und einfacher wieder verkaufen. Und klassische Techniken wie die Ölmalerei überstehen Jahrhunderte, während man bei neuartigen Techniken und Materialien nicht weiss, wie sie altern.

Kunst bereichert das Leben, aber man sollte sie nicht als gewöhnliche Anlageklasse behandeln, empfiehlt Greenland-Pessina. © Michael Bowles/Getty Images

Auktionen empfiehlt Greenland-Pessina als Lernorte - um das Auge zu schulen, den Markt hautnah zu erleben und ein Gefühl für Techniken und Preise zu gewinnen. Mitbieten sollten Einsteigerinnen und Einsteiger allerdings noch nicht. Sinnvoller sei es, kleine Galerien aufzusuchen. "Oft verkaufen Nachwuchstalente ihre Werke für wenig Geld. Und wer sammelt, kann eine Beziehung zu ihnen aufbauen und sie über verschiedene Schaffensphasen begleiten." Viele grosse Sammlungen sind so entstanden.

Galerien schlagen Instagram

Und wie sieht es aus mit Werken, die auf Instagram feilgeboten werden? Greenland-Pessina schmunzelt: "Es spricht nichts dagegen, ein Bild zu kaufen, wenn es einem gefällt." Wenn Künstlerinnen und Künstler sich ausschliesslich selbst vermarkten und managen wollen, müssen sie sich allerdings sehr gut aufstellen und dokumentieren. "Erfahrungsgemäss bieten Galerien da mehr Halt und Perspektiven. Denn sie sind daran interessiert, die Karriere ihrer Künstlerinnen und Künstler langfristig zu entwickeln."

Hoch im Kurs sind hingegen die Alten Meister. Je unsicherer die Zeiten, desto mehr besinnt sich der Markt auf bewährte Werte. Ein Thema zieht sich dabei fast durch jedes Beratungsgespräch: die Provenienz.

"Ohne lückenlos dokumentierte Herkunft lässt sich ein Werk heute kaum mehr seriös verkaufen - egal, wie berühmt der Name dahinter ist", sagt Greenland-Pessina. Sie erinnert sich an eine Anfrage rundum eine Sammlung chinesischer Kunst: "Da musste ich meinem Gegenüber aufzeigen, wie wichtig es ist, dass Objekte ihr Ursprungsland auf nachweislich legalem Weg verlassen haben."

Je nachdem verbindet Greenland-Pessina ihre Kundschaft auch mit externen Spezialisten aus dem Netzwerk der LGT. In ihrer Jugend hat sie selbst leidenschaftlich gemalt - heute beherrscht sie eine andere Kunst: Familien - wie jene der eingangs erwähnten Tochter - zu einer Lösung zu begleiten, die alle Beteiligten überzeugt. 

Wie Kunst sammeln? Tipps für den Einstieg

  1. Kaufen, was das Auge begehrt: Kunst als reines Renditeobjekt zu betrachten, führt meist zu Enttäuschungen. Kaufen Sie deshalb die Werke, die Ihnen gefallen.
  2. Auf die Form kommt es an: Kleinere Formate und bewährte Techniken (etwa Öl auf Leinwand) lassen sich einfacher - und günstiger - pflegen, aufhängen und wiederverkaufen als sperrige Installationen und Werke aus kaum erprobten Materialien.
  3. Junge Talente fördern: Der Grossteil des Primärmarkts läuft über Galerien: Hier können Sie junge Künstlerinnen und Künstler entdecken - und Karrieren über Jahre begleiten.
  4. Herkunft dokumentieren: Wer heute Kunst sammelt, sollte von jedem Werk lückenlos nachweisen können, woher es stammt. Ohne nachvollziehbare Provenienz ist ein Werk später kaum verkäuflich.
  5. Am Puls des Markts: Nutzen Sie Auktionen anfänglich zum Lernen, nicht zum Kaufen. Auktionshäuser sind ein hervorragender Ort, um das Auge zu schulen und ein Gefühl für den Markt zu entwickeln.

Die Fürstlichen Sammlungen

In den letzten 500 Jahren hat das Fürstenhaus eine der bedeutendsten privaten Kunstsammlungen mit Meisterwerken von der Frührenaissance bis zur österreichischen Romantik zusammengestellt - darunter Werke von Lucas Cranach dem Älteren, Frans Hals, Raffael, Rembrandt, Peter Paul Rubens, Anthonis van Dyck, Rudolf von Alt, Friedrich von Amerling und Ferdinand Georg Waldmüller. Diese Meisterwerke sind im Gartenpalais Liechtenstein und im Stadtpalais Liechtenstein in Wien, aber auch in Ausstellungen vieler bedeutender Museen weltweit für die Öffentlichkeit zugänglich.

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