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China belässt Zinsen unverändert, Märkte verdauen Zoll- und KI-Risiken

Die chinesische Zentralbank hat am Dienstag ihre wichtigsten Leitzinsen unverändert gelassen, während sie dem Yuan eine schrittweise Aufwertung erlaubt hat. Die weltweiten Aktienmärkte starteten dennoch verhalten in die Woche: US- und Europa-Indizes schlossen am Montag tiefer, da Anlegerinnen und Anleger nervös auf die wiederaufgeflammte Unsicherheit über die US-Zollpolitik sowie auf neue Bedenken hinsichtlich des disruptiven Potenzials von künstlicher Intelligenz für Unternehmensgewinne reagierten. In Asien zeigten sich die Aktienmärkte am Dienstag widerstandsfähiger: Die börsennotierten Märkte in Festlandchina nahmen nach der Unterbrechung durch das Mondneujahrsfest den Handel mit Kursgewinnen wieder auf, und der Leitindex in Südkorea erreichte ein Rekordhoch. Die Goldpreise gaben am Dienstag nach; der Spotpreis fiel um 1.1% auf USD 5170 je Unze, da Anlegerinnen und Anleger nach einem Anstieg von 2.5% in der vorangegangenen Sitzung Gewinne mitnahmen und der US-Dollar leicht zulegte. Die Ölpreise stiegen, wobei Brent und die US-Referenzöle ihre höchsten Stände seit Ende Juli bzw. Anfang August erreichten. Ausschlaggebend waren vor allem zunehmende geopolitische Risiken, während sich die Märkte auf eine dritte Runde der Atomgespräche zwischen den USA und Iran am Donnerstag in Genf einstellen.

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  • Autor Shane Strowmatt, Senior Investment Writer
  • Lesezeit 5 Minuten

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Die chinesische Zentralbank liess am Dienstag ihre einjährigen und fünfjährigen Loan Prime Rates unverändert bei 3% bzw. 3.5% und hielt damit die Referenzsätze für Unternehmenskredite und Hypotheken bereits den zehnten Monat in Folge konstant - trotz nachlassender wirtschaftlicher Dynamik. Die Entscheidung erfolgt vor dem Hintergrund einer sich abkühlenden Konjunktur: Das Wachstum ging im Schlussquartal des vergangenen Jahres auf 4.5% gegenüber dem Vorjahr zurück, und die Detailhandelsumsätze stiegen im Dezember nur um 0.9% - ein Dreijahrestief - belastet durch deflationäre Kräfte, eine anhaltende Immobilienflaute und eine schwächere Lage am Arbeitsmarkt. Die Verantwortlichen in der Wirtschaftspolitik konzentrieren sich zunehmend darauf, den Konsum im Dienstleistungssektor - etwa in den Bereichen Altenpflege, Freizeit und Tourismus - zu stimulieren, um die verhaltene Nachfrage nach Gütern zu kompensieren. Gleichzeitig hat die People’s Bank of China dem Yuan eine schrittweise Aufwertung erlaubt, obwohl eine stärkere Währung zusätzlichen Druck auf die Exporte ausübt, die bereits durch US-Zölle und den globalen Wettbewerb belastet sind.

Asiatische Aktien steigen trotz Gegenwind für Technologiewerte

Die meisten Aktienmärkte in Asien legten am Dienstag zu, nachdem die chinesischen Indizes nach der neuntägigen Unterbrechung durch das Mondneujahrsfest mit kräftigen Gewinnen in den Handel zurückkehrten. Unterstützt wurde dies von einem freundlichen Umfeld für exportorientierte Sektoren und von der Hoffnung auf möglicherweise niedrigere US-Zölle auf Importe aus der Region. Chinas Shanghai Shenzhen CSI 300 und Shanghai Composite stiegen um 1.3% bzw. 1.1%. Der Hang Seng Index in Hongkong hinkte hingegen hinterher und brach um 2.1% ein, da grosse Technologie- und Pharmawerte unter Druck gerieten. Auslöser waren Sorgen, dass rasche Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz - einschliesslich neuer Werkzeuge von Anthropic - traditionelle Software- und IT-Dienstleisterinnen und -Dienstleister beeinträchtigen könnten. Der südkoreanische KOSPI gewann 2% und markierte dank Kursgewinnen bei Halbleiterherstellerinnen und -herstellern ein Rekordhoch, getrieben von Erwartungen einer KI-bedingten Nachfragebelebung im Vorfeld der Quartalszahlen von Nvidia am Mittwoch. Der australische S&P/ASX 200 bewegte sich kaum, während der indische Nifty 50 um 0.9% nachgab.

US-Aktien geben wegen KI- und Zollbedenken nach

Die US-Aktienmärkte verzeichneten am Montag deutliche Verluste, da wiederaufkommende Sorgen über die Ertragsauswirkungen von künstlicher Intelligenz und anhaltende Unsicherheit rund um US-Zölle die Risikobereitschaft dämpften. Der Dow Jones Industrial Average fiel um 1.7% auf 48'804.06 Punkte und erreichte damit den tiefsten Stand seit drei Wochen. Der S&P 500 verlor 1% auf 6'837.75 Punkte, und der technologieorientierte Nasdaq 100 sank um 1.2% auf 24'708.94 Punkte. Die Stimmung der Investorinnen und Investoren litt unter der Verunsicherung über die künftigen Handelsregeln zwischen den USA und der EU, nachdem ein Gerichtsurteil die rechtliche Grundlage für viele der bestehenden Zölle von US-Präsident Donald Trump aufgehoben hatte. Gleichzeitig erwägt Washington neue Zölle von rund 15% auf zahlreiche Importe aus der EU, während das Europäische Parlament ein ausgehandeltes Zollabkommen vorläufig auf Eis gelegt hat. Finanztitel gerieten besonders unter Druck, nachdem ein Bericht von Citrini Research auf KI-bezogene Risiken und Zweifel an der Rendite der hohen KI-Investitionen hinwies. Ausserdem gaben mehrere IT- und Cybersicherheitswerte nach, belastet durch Wettbewerbsbefürchtungen im Zusammenhang mit einem neuen Sicherheitswerkzeug von Anthropic.

Deutsche Unternehmensstimmung hellt sich auf

Das Geschäftsklima in Deutschland hat sich im Februar verbessert: Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg von 87.6 Punkten im Januar auf 88.6 Punkte und signalisiert laut den am Montag veröffentlichten Daten erste Anzeichen einer Erholung der Wirtschaft. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage günstiger und äusserten sich etwas optimistischer zu den Erwartungen. Insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe verbesserten sich die Einschätzungen zur aktuellen Situation und zur Auftragslage, auch wenn die Erwartungen leicht nachgaben. Der deutsche Leitindex DAX schnitt am Montag schlechter ab als andere Märkte in der Region und verlor 1.1%, während der Euro Stoxx 50 um 0.2% nachgab.

Schweizer Produzentenpreise gehen erneut zurück

Die Produzenten- und Importpreise in der Schweiz sind im Januar weiter gesunken. Der Gesamtindex verringerte sich gegenüber Dezember um 0.2% auf 99.8 Punkte, wie das Bundesamt für Statistik am Montag mitteilte. Das Preisniveau für sämtliche inländischen und importierten Güter lag damit 2.2% unter dem Wert vom Januar des Vorjahres. Ausschlaggebend waren vor allem günstigere Mineralölprodukte und pharmazeutische Erzeugnisse. Der Swiss Market Index schloss den Handel am Montag leicht im Minus.

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Redaktion: Alessandro Fezzi
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG