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Silbersturz und KI-Sorgen belasten Risikoanlagen

Der dramatische Kursrutsch von Silber nach einer Rekord-Rally setzte sich am Donnerstag fort, während sich Gold vergleichsweise stabil hielt. Die Risikoaversion nahm weiter zu, da Bitcoin und Öl fielen und die globalen Aktienmärkte nachgaben. Hintergrund sind wachsende Befürchtungen, dass schnelle Fortschritte bei der künstlichen Intelligenz bestehende Geschäftsmodelle durcheinanderbringen könnten, was eine Rotation aus Technologiewerten auslöste. Die europäischen Märkte zeigten sich robuster: Der Schweizer SMI erreichte ein Rekordhoch, selbst wenn der EuroStoxx 50 vor den mit Spannung erwarteten Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank und der Bank of England später am Donnerstag etwas nachgab. Auf Unternehmensseite richten Anlegerinnen und Anleger den Blick auf die Zahlen von Amazon, die die Stimmung an den Märkten bis zum Wochenschluss prägen könnten.

  • Datum
  • Autor Shane Strowmatt, Senior Investment Writer
  • Lesezeit 5 Minuten

Silber

Die Achterbahnfahrt bei den Silberpreisen setzte sich gegen Ende der Woche fort: Die Kassapreise fielen am Donnerstag um rund 12% auf weniger als USD 80, nachdem die kräftige zweitägige Gegenbewegung abrupt zum Stillstand gekommen war. Der Rückgang folgt auf einen beinahe 30%igen Einbruch am vergangenen Freitag, der eine Rekord-Rally unterbrach, in deren Verlauf Silber im Jahr 2025 rund 146% zugelegt hatte. Steigende Margin-Anforderungen an den Metallbörsen, einschliesslich jüngster Erhöhungen durch die CME Group nach dem starken Ausverkauf in der Vorwoche, zwingen Spekulantinnen und Spekulanten zum Rückzug und verstärken die Kursbewegungen, da das Hedging der Händlerinnen und Händler prozyklisch wird und Stop-Loss-Orders von Investorinnen und Investoren ausgelöst werden. Die Goldpreise zeigten sich relativ robust und gaben lediglich um 1% auf rund USD 4920 je Feinunze nach. Bitcoin fiel am Mittwoch unter USD 71'000 je Token und setzte damit einen jüngsten Abwärtstrend fort, der die weltweit grösste Kryptowährung seit Jahresbeginn um rund 20% gedrückt hat. Auslöser waren Äusserungen des US-Finanzministers Scott Bessent, wonach weder das Finanzministerium noch der Financial Stability Oversight Council die Befugnis haben, Bitcoin oder andere Kryptowährungen zu kaufen, was Erwartungen auf eine staatliche Absicherung dämpfte. An den Energiemärkten gaben die Ölpreise am Donnerstag um mehr als 2% nach, nachdem die Vereinigten Staaten und Iran bestätigten, dass sie sich am Freitag zu Gesprächen in Oman treffen wollen, was Befürchtungen milderte, ein militärischer Konflikt könnte das Angebot aus dem Nahen Osten beeinträchtigen.

Asiatische Aktien geben wegen Tech-Volatilität nach

Die Aktienmärkte in Asien gaben am Donnerstag nach einem starken Ausverkauf bei US-Technologiewerten nach. Sorgen, dass schnelle Fortschritte bei der künstlichen Intelligenz bestehende Geschäftsmodelle durcheinanderbringen und die Gewinnmargen schmälern könnten, veranlassten Anlegerinnen und Anleger zu Gewinnmitnahmen. Der südkoreanische KOSPI führte die Verluste an und fiel um mehr als 4% von jüngsten Rekordhochs, nachdem Schwergewichte aus dem Chipsektor wie Samsung Electronics und SK Hynix deutlich einbrachen. In Japan gab der Nikkei 225 um 0.8% von seinen eigenen Rekordständen nach, wobei jedoch solide Ergebnisse des Industriekonzerns Panasonic und des Chipherstellers Renesas Electronics stärkere Verluste begrenzten, sodass sich der TOPIX kaum veränderte. Der australische S&P/ASX 200 lag 0.4% tiefer und der Hang Seng Index in Hongkong notierte 0.8% im Minus. Auch der CSI 300 in Festlandchina und der indische Nifty 50 lagen im negativen Bereich und gaben jeweils rund 0.5% nach.

US-Aktienmärkte entwickeln sich unterschiedlich, Dow nahe Rekordhoch

Die US-Aktienmärkte schlossen am Mittwoch uneinheitlich: Der Dow Jones Industrial Average stieg um 0.5% auf 49'501.30 Punkte und näherte sich damit wieder seinem Rekordhoch vom Vortag, während der S&P 500 um 0.5% auf 6882.72 Punkte fiel und der technologieorientierte Nasdaq 100 um 1.8% auf 24'891.24 Punkte nachgab, den tiefsten Stand seit November 2025. Die Entwicklungen spiegeln eine anhaltende Sektorrotation wider: Anlegerinnen und Anleger trennten sich vor dem Hintergrund der Sorge, dass Fortschritte bei der künstlichen Intelligenz Geschäftsmodelle infrage stellen könnten, von Software- und IT-Werten, während zyklische und defensive Titel gefragt waren. Der Chipproduzent AMD verlor 17.3%, nachdem das Unternehmen einen enttäuschenden Umsatzausblick vorgelegt hatte, der als Hinweis auf langsamer als erwartete Fortschritte im KI-Bereich gewertet wurde. Demgegenüber stützten US-Pharmawerte den Markt: Eli Lilly sprang um 10.3% nach oben und erreichte dank einer starken Prognose für Gewichtsreduktionsprodukte wieder eine Marktkapitalisierung von über USD 1 Billionen, während Amgen nach deutlich besser als erwarteten Quartalsergebnissen um 8.2% zulegte. Das makroökonomische Umfeld war weniger unterstützend: Die Beschäftigung im US-Privatsektor stieg im Januar laut am Mittwoch veröffentlichten Daten des Arbeitsmarkt-Dienstleisters ADP nur um 22'000 Stellen, nach einem nach unten revidierten Zuwachs von 37'000 im Dezember und deutlich unter den Markterwartungen eines stärkeren Anstiegs.

Alphabet plant deutlichen Anstieg der KI-Investitionen

Der Google-Mutterkonzern Alphabet kündigte am Mittwoch einen kräftigen Investitionsschub an und stellte für 2026 Investitionsausgaben von USD 175 Milliarden bis USD 185 Milliarden in Aussicht, wobei das obere Ende mehr als dem Doppelten der Ausgaben von 2025 entspricht. Die Ausgaben, die die Investitionspläne anderer grosser Cloud-Anbieter übertreffen, sollen vor allem in die Rechenkapazitäten für künstliche Intelligenz bei Google DeepMind, den Ausbau der Cloud-Infrastruktur zur Deckung der starken Kundennachfrage sowie in ausgewählte "andere Wetten" fliessen, nachdem der Cloud-Umsatz im vierten Quartal im Jahresvergleich um nahezu 48% gestiegen war und der Auftragsbestand sequenziell um 55% auf USD 240 Milliarden zulegte.

Europäische Aktien uneinheitlich, Schweizer Index auf Rekord

Die europäischen Aktienmärkte schlossen am Mittwoch uneinheitlich: Der EuroStoxx 50 für den Euroraum gab um 0.4% auf 5970.47 Punkte nach, während der Schweizer SMI um 1% auf ein neues Rekordhoch im Tagesverlauf knapp unter 13'590 Punkten stieg, bevor er bei 13'508.12 schloss. Die Hoffnung, dass die EU ihr Emissionshandelssystem lockern könnte, stützte die Chemie- und Automobilwerte und verhalf Titeln wie BASF, Air Liquide, BMW, Mercedes und VW zu Kursgewinnen, während Schwäche bei Technologiewerten breitere Anstiege begrenzte. Der anstehende Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank am Donnerstag löste zunächst kaum Reaktionen aus, doch dürfte der Druck auf Zinssenkungen angesichts sinkender Inflation und eines stärkeren Euro zunehmen.

Unternehmens- und Wirtschaftskalender

Konjunkturdaten im Fokus: Detailhandelsumsätze Eurozone (11:00), Zinsentscheidung der Bank of England (13:00), Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (14:15) und wöchentliche Erstanträge Arbeitslosenhilfe USA (14:30).

Unternehmensnachrichten im Fokus: Quartalszahlen von Amazon, BBVA, BNP Paribas, Bristol-Myers Squibb, Cigna, ConocoPhillips, Linde, Mitsubishi, Siemens Healthineers, Unilever und Vinci.

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Redaktion: Alessandro Fezzi
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG