LGT Private Banking House View

November 2026 - das Wichtigste in Kürze

Eine konstruktive Anlageperspektive lässt sich durchaus mit einem klaren Bewusstsein für Risiken vereinbaren. Die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit und die soliden Unternehmensgewinne sprechen nach wie vor für eine Risikobereitschaft, auch wenn eine wieder anziehende Inflation, höhere Finanzierungskosten und geopolitische Unsicherheiten das Umfeld anspruchsvoller machen. Bei der Portfolioausrichtung muss die Wahl nicht zwangsläufig zwischen der Teilhabe am Wachstum und der Suche nach Absicherung liegen. In diesem Monat halten wir an unserer Überzeugung hinsichtlich Aktien fest und stärken gleichzeitig den defensiven Teil unserer Allokation.

  • Datum
  • Autor Patrick Huber, Investment Solutions Europe, LGT Private Banking
  • Lesezeit 7 Minuten

House View August 2024
© Shutterstock

Wir behalten daher unsere moderate risikofreudige Haltung bei: Wir «Übergewichten» Aktien und «Untergewichten» festverzinsliche Wertpapiere. Die USA bleiben unser bevorzugter Aktienmarkt, gestützt durch eine solide Binnenkonjunktur und eine stärkere Gewinndynamik. Europa sieht sich hingegen einer weniger günstigen Kombination aus Wachstum und Inflation gegenüber, da hohe Energiekosten und politische Unsicherheiten die Aussichten belasten. Dies rechtfertigt weiterhin einen selektiven regionalen Ansatz anstelle eines pauschalen Rückzugs aus Aktien. 

Die wichtigste Änderung in unserer Allokation betrifft Gold, das wir von «Neutral» auf «Übergewichten» anheben, während wir gleichzeitig die Liquidität auf «Untergewichten» reduzieren. Gold wurde durch höhere reale Renditen in den USA und einen stärkeren Dollar belastet. Die jüngste Schwäche ändert aber nichts an seiner Rolle als Absicherung gegen Inflationsunsicherheit, geopolitische Risiken und Zweifel an der Kaufkraft von Währungen. Der Gegenwind durch die Realrenditen dürfte begrenzt oder vorübergehend sein, und wir betrachten die Korrektur als Chance, diesen Schutz zu stärken. 

Im Aktienbereich reduzieren wir angesichts der relativen «Outperformance» von US-Aktien unsere Position, bleiben aber innerhalb unserer taktischen Zielallokation und sehen US-Aktien weiterhin positiv. Auch unsere Präferenzen mit Blick auf die Sektoren verbinden Partizipation und Widerstandsfähigkeit: Industrie und Grundstoffe profitieren von Investitionsausgaben und der Nachfrage nach Infrastruktur, während das Gesundheitswesen durch Innovation und nicht-diskretionäre Nachfrage Unterstützung bietet.

Diese Anpassungen zeigen, wie wir an unserer Anlageüberzeugung festhalten und auf ein anspruchsvolleres Umfeld reagieren. Der Einsatz von Gold ist weder eine Prognose, dass Aktien fallen müssen, noch verspricht dies Schutz vor jedem Rückschlag. Gold ergänzt ein Portfolio, das weiterhin auf widerstandsfähiges Wachstum ausgerichtet ist, und berücksichtigt gleichzeitig, dass Inflation und geopolitische Risiken bei dessen Zusammenstellung ausdrücklich berücksichtigt werden müssen.

Makroökonomisches Umfeld

Das Wachstum in den USA bleibt robust und wird durch die Binnennachfrage sowie Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) gestützt, auch wenn sich sowohl die Konsumausgaben als auch die KI-Investitionen verlangsamen könnten. Für den Euroraum sind die Aussichten weniger stabil, da Energiekosten und strengere Finanzierungsbedingungen sowie politische Unsicherheiten das Vertrauen belasten. Die Inflation ist in den USA auf 3.7% und im Euroraum auf 3.8% gestiegen. Vor diesem Hintergrund rechnen wir im Dezember mit einer weiteren Zinserhöhung durch die Federal Reserve (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB), gefolgt von einer Pause bis Mitte 2027. Eine breiter angelegte Inflation könnte aber auch weitere Straffungsmassnahmen erforderlich machen. Wir gehen davon aus, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Zinsen in der zweiten Jahreshälfte 2027 zweimal auf 0.5 % anheben wird.

Anlagestrategie

Wir bekräftigen unsere moderat risikofreudige Haltung angesichts eines robusten Wirtschaftswachstums, anhaltenden Inflationsdrucks und höherer Zinsen. Im Vergleich zur strategischen Gewichtung behalten wir ein «Übergewicht» bei Aktien und ein «Untergewicht» bei festverzinslichen Wertpapieren bei. Alternative Anlagen heben wir von «Neutral» auf «Übergewichten» an, indem wir Gold auf «Übergewichten» setzen, während wir die Liquidität von «Neutral» auf «Untergewichten» reduzieren.

Aktienstrategie

Die Aktienmärkte haben sich seit August weitgehend seitwärts bewegt, wobei höhere Zinsen, hohe Energiepreise und geopolitische Unsicherheiten die Börsen belastet haben. Fragen zur Finanzierung der KI-Infrastruktur-Investitionen und, ob diese eine angemessene Rendite abwerfen werden, haben den Druck noch verstärkt. Andererseits sind die Unternehmensgewinne weiterhin solide, und die Prognosen werden nach oben korrigiert, was den Börsen Halt gibt. Unserer Ansicht nach bleiben die Gewinne stark, auch wenn sich das Gewinnwachstum von einem sehr hohen Niveau aus wahrscheinlich abschwächen wird. Angesichts der sich verbessernden Konjunkturaussichten und der stärkeren Gewinndynamik in den USA behalten wir unsere Einschätzung für den US-Markt bei «Attraktiv». Für die Eurozone bleiben wir aufgrund politischer Unsicherheiten (insbesondere Frankreich) sowie hoher Energiekosten bei «Unattraktiv». Auf Sektorebene hat sich unsere positive Einschätzung des Gesundheitssektors ausgezahlt, und wir halten an unserer Einschätzung «Attraktiv» fest. Auch die zyklischen Sektoren Industrie und Rohstoffe bleiben «Attraktiv», während wir die Konsumsektoren weiterhin als «Unattraktiv» einstufen.

Anleihenstrategie

Wir haben unsere Renditeprognosen angehoben, rechnen aber weiterhin mit einem Rückgang der Renditen über die gesamte Kurve hinweg. Wir bevorzugen eine leichte Durationsneigung am kurzen Ende der Kurve bzw. eine «2s10s Bull Steepener»-Position: Da ein Wechsel von einer Straffung zu Zinssenkungen immer glaubwürdiger wird, dürften die Zweijahresrenditen schneller fallen als die Zehnjahresrenditen. Inflationsunsicherheit, das Anleiheangebot und fiskalische Risiken könnten den Rückgang am langen Ende begrenzen. Das Risiko französischer Staatsanleihen hat zugenommen, während die CHF-Duration kurzfristig weniger Chancen bietet als die USD-Duration. Im Kreditbereich bevorzugen wir Investment-Grade-Anleihen in Euro gegenüber solchen in US dollar, gestützt durch solide Unternehmensfundamentaldaten und attraktive Renditen.

Währungsstrategie

Der Dollar profitierte von der starken Dynamik der US-Realrenditen und der Aussicht auf eine Zinserhöhung der Fed im Dezember. Andere Währungen stehen weiterhin unter Druck: der Euro aufgrund der fiskalischen Risiken in Frankreich und der Yen aufgrund strukturell unattraktiver Realrenditen. Einzig der Schweizer Franken und die norwegische Krone konnten sich in letzter Zeit behaupten. Generell legten die Rohstoffwährungen und der US-Dollar seit Jahresbeginn zu, da der erneute Anstieg der Energiepreise und dessen Auswirkungen auf die Rohstoffe ein günstiges Umfeld für diese Währungen schufen, zumal sich der Industrie- und Investitionszyklus über das Jahr 2026 hinweg bemerkenswert gut hielt.

Edelmetallstrategie

Gold litt erheblich unter den Realzinsen; dennoch bekräftigen wir unsere «Buy-the-dip»-Empfehlung und erwarten, dass sich ein Boden bildet und ein Aufschwung einsetzt, sobald sich die Realzinsen abkühlen. Auch Silber dürfte sich parallel zu Gold stabilisieren können; wir halten es jedoch aufgrund seiner Eigenschaft als «High-Beta-Anlage» unter den Edelmetallen anfälliger für stärkere Kurseinbrüche während eines allfälligen Bodenbildungsprozesses.