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Lifestyle

Museen entdecken Mode als Kunst Von Haute Couture bis zu Königsgewändern

Mode scheint die Museumswelt im Sturm zu erobern. Dabei spielte sie in der Kunst schon immer eine Hauptrolle: von den Porträts der alten Meister bis zu zeitgenössischen Fotografien.

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Mode und Macht im Museum: Auffällig viele Ausstellungen widmen sich aktuell der Mode, von L.A. über London bis nach Wien. Auch das New Yorker Metropolitan Museum weihte dieses Jahr sein erweitertes "Costume Institute" ein. © Anna-Marie Kellen, The Metropolitan Museum of Art

Bei einer der hochkarätigsten Ausstellungen dieses Jahres sagt der Titel alles: "Schiaparelli: Fashion Becomes Art". Die Ausstellung, die bis zum 8. November im Londoner Victoria & Albert (V&A) in Kensington zu sehen ist, würdigt das Werk der einfallsreichen italienischen Designerin Elsa Schiaparelli und ihr Modehaus. Die Verschmelzung zwischen Mode und Mesum mag neu scheinen - doch viele Galerien haben ihre Dauerausstellungen schon lange der Mode gewidmet.

Elsa Schiaparelli ist nicht die einzige Designerin, die derzeit im Rampenlicht steht. © Fox Photos/Getty Images

Für unsere Vorfahrinnen und Vorfahren war Kleidung ein Mittel, um unseren Körper vor den Elementen und unsere Nacktheit vor den Blicken der Öffentlichkeit zu schützen. Doch schon bald wurde die Kleidung zu einem wirkungsvollen Mittel, um Botschaften über alles Mögliche zu vermitteln - von Macht und Status bis hin zu Individualität und Kreativität. Heute zieht die Mode die Aufmerksamkeit aller auf sich, von den Magazinen über die Kinos (die Fortsetzung von "Der Teufel trägt Prada" hat weltweit bisher mehr als USD 676'000'000 an den Kinokassen eingespielt) bis hin zu den Fashion Weeks.

In den letzten Jahren haben Museen versucht, von dieser Aufmerksamkeit zu profitieren - durch sie Ausstellungen rund um die Mode. Schiaparelli ist nicht die einzige Designerin, die derzeit im Rampenlicht steht. Im Berliner Kunstgewerbemuseum beispielsweise präsentiert die Ausstellung "Many Shades of Grès" (bis zum 11. Oktober) das Werk der französischen Modedesignerin Madame Grès aus dem frühen 20. Jahrhundert, die für ihre skulpturalen Stoff-Drapierungen bekannt ist. Und in Antwerpen widmet sich die Ausstellung "The Antwerp Six" (im MoMu bis zum 17. Januar 2027) der Gruppe zeitgenössischer Modedesigner, die Antwerpen auf die Weltkarte der Mode gebracht haben.

Die Chanel-Ausstellung im Londoner Victoria & Albert zog rund 376'000 Menschen an. © Helen H. Richardson/The Denver Post/Getty Images

Doch die Museumskuratorinnen und -kuratoren müssen vorsichtig vorgehen. Da ihre Ausstellungen oft Designs globaler Marken würdigen, müssen sie kuratorisch streng bleiben und dürfen nicht den Anschein erwecken, die Grenze zwischen Kunst und Werbung zu überschreiten. "Von Museen wird erwartet, dass sie öffentlich, wissenschaftlich, zugänglich, inklusiv und konservatorisch ausgerichtet bleiben, sich aber gleichzeitig wie wettbewerbsfähige Kulturunternehmen verhalten", schreibt die Kunsthistorikerin und Dozentin an der Universität Cambridge, Ane Cornelia Pade, in einem Artikel zu diesem Thema.

Mode ist Publikumsmagnet

Wie Pade andeutet, ist es nicht einfach, die richtige Balance zu finden. Sicher ist jedoch, dass Mode für Museen ein Publikumsmagnet ist. Im Jahr 2019 zog die V&A-Ausstellung "Christian Dior: Designer of Dreams" in sieben Monaten fast 600’000 Besucherinnen und Besucher an - ein Rekord für das Museum -, während im Jahr 2023 eine weitere V&A-Ausstellung, "Gabrielle Chanel. Fashion Manifesto", die der französischen Couturière gewidmet war, rund 376’000 Menschen an. In Paris strömten im vergangenen Jahr mehr als eine Million in den Louvre zur Ausstellung "Louvre Couture", die Werke namhafter Designs und Modehäuser präsentierte.

Die Ausstellung "The Antwerp Six" widmet sich der Gruppe zeitgenössischer Modedesigner, die Antwerpen auf die Weltkarte der Mode gebracht haben. © Karel Fonteyne

Natürlich stehen nicht nur einzelne Modehäuser im Fokus der Kuratorinnen und Kuratoren. Im Los Angeles County Museum of Art präsentiert die Ausstellung "Fashioning Chinese Women: Empire to Modernity" (bis zum 12. Oktober) die Kleidung chinesischer Frauen von der Qing-Dynastie bis in die 1960er Jahre. Und in der King’s Gallery in London können Besucherinnen und Besucher in der Ausstellung "Queen Elizabeth II: Her Life in Style" (bis zum 18. April 2027) sehen, was Grossbritanniens am längsten regierende Monarchin trug.

Ansehen, Reichtum und Macht: Königin Elisabeth I. in der National Portrait Gallery. © National Portrait Gallery

Unterdessen haben viele Museen ihre Modesammlungen aus staubigen Kellern in beeindruckende Ausstellungen in den Galerien der oberen Stockwerke verlegt. Das V&A South Kensington gehört dazu - dort wird 2028 eine neue Modegalerie eröffnet. Und im Mai weihte das New Yorker Metropolitan Museum sein erweitertes "Costume Institute" ein. Auf einer Fläche von fast 11’500 Quadratmetern erstrecken sich die Ausstellungen mit mehr als 33’000 Objekten über sieben Jahrhunderte, von zeitgenössischen Entwürfen bis hin zu Kleidungsstücken und Accessoires aus dem 15. Jahrhundert.

Modegalerien und Blockbuster-Ausstellungen sind nicht die einzige Möglichkeit, wie Museen die Geschichte der Kleidung nachzeichnen: Auch ihre Sammlungen zeigen uns, was unsere Vorfahrinnen und Vorfahren trugen - mit Kunstwerken, die in Farbe, Bleistift, Druck und Marmor die Designs und Stoffe längst verlorener Kleidungsstücke festhalten. "Mode hat schon immer die Werte der Gesellschaft widergespiegelt. Was wir heute als individuellen Stil verstehen, war in früheren Jahrhunderten ein sorgfältig kodifiziertes System von Rang, Zugehörigkeit und Repräsentation", sagt Stephan Koja, Direktor der Fürstlichen Sammlungen. "Gemälde der Alten Meister zeigen, wie Kleidung die soziale Ordnung sichtbar machte. Auch heute noch werden unsere Vorstellungen von Stil und Eleganz von historischen visuellen Traditionen geprägt, die Mode und Design bis heute beeinflussen."

Die Fürstlichen Sammlungen

Das Fürstenhaus von Liechtenstein (die Eigentümerin der LGT) beherbergt in Österreich einen Grossteil der Kunstwerke aus den Fürstlichen Sammlungen. Im Gartenpalais und im Stadtpalais, beide in Wien, empfängt die Besucherinnen und Besucher eine Auswahl an Meisterwerken aus einer seit dem 16. Jahrhundert kontinuierlich aufgebauten Sammlung. Die mehr als 30'000 Objekte umfassende Sammlung mit bedeutenden Werken aus fünf Jahrhunderten europäischer Kunst - von Gemälden, Grafiken und Skulpturen über Porzellane, Möbel und Tapisserien bis hin zu historischen Jagdwaffen - ist eine der grössten privaten Kunstsammlungen der Welt.

Skulpturen und Gemälde, Toga und Taillen

Kleidung der Antike ist uns in Skulpturen erhalten. Für die Glyptotek in Kopenhagen war die Rolle der antiken Kleidung Inspiration für eine Ausstellung mit dem Titel "Die Macht der Mode im Römischen Reich". Die Ausstellung, die am 1. Oktober 2026 eröffnet wird, umfasst Marmor- und Bronzeskulpturen, die Männer und Frauen in unterschiedlichen Kleidungsformen darstellen.

"Die väterliche Ermahnung" von Gerard ter Borch © Rijksmuseum, Amsterdam

Die Kunstfertigkeit, mit der Maler Stoffe und Mode darstellen, ist atemberaubend. Dies gilt für Gerard ter Borch, einen Meister des Goldenen Zeitalters der Niederlande, der für seine Darstellungen von Satinkleidern bekannt ist. Man betrachte das Kleid, das eine Frau in "Die väterliche Ermahnung" im Amsterdamer Rijksmuseum trägt. Der Stoff schimmert, wenn das Licht auf die Oberfläche trifft, und offenbart die erstaunliche Fähigkeit des Künstlers, mit Leinwand, Pinseln und Ölfarben glänzende, fliessende Stoffe zu erschaffen. Doch über seine Virtuosität hinaus schenkt uns ter Borch noch etwas anderes. Mit der Darstellung schmaler Taillen, Laternenärmeln und voluminöser Röcke zeigen uns seine Kunstwerke in exquisiten Details, was die modebewusste Frau des 17. Jahrhunderts gerne trug.

Ebenso faszinierend sind die riesigen, gestärkten Rüschen, die auf den Gemälden von Königin Elisabeth I. in der Londoner National Portrait Gallery zu sehen sind. Die Spitzenkragen, die das blasse Gesicht und das feuerrote Haar der Königin umrahmten, waren mehr als nur modische Statements. Zusammen mit den mit Edelsteinen, Perlen und Goldfäden besetzten Kleidern zeugten sie von Status, Reichtum und Macht.

In den Fürstlichen Sammlungen in Wien bietet die umfangreiche Sammlung flämischer und niederländischer Meisterwerke einen reichhaltigen visuellen Einblick in die Botschaften, die Kleidung über sozialen Status und Reichtum vermittelte. Ein Beispiel: "Das sogenannte burgundische Schwarz der Renaissance war weit mehr als nur eine Farbe - es war ein Privileg", sagt Koja. "Der Begriff stammt vom burgundischen Hof Philipps des Guten im 15. Jahrhundert, wo sich schwarze Kleidung unter dem Adel durchsetzte. Nur wer sich die kostbaren, tiefschwarzen Stoffe leisten konnte, durfte sie tragen. In den Porträts von Anthony van Dyck und Frans Hals wird Schwarz zu einem visuellen Zeichen für Status, Reichtum und Eleganz. Dieses historische Verständnis von Schwarz als Prestigesymbol prägt die Mode bis heute."

Mode und Macht, damals und heute: "Das sogenannte burgundische Schwarz der Renaissance war weit mehr als nur eine Farbe." © LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna

Gemälde der Sammlung, wie das Porträt eines Mannes von Anthony van Dyck aus dem Jahr 1618, zeigen, dass nicht nur Frauen Rüschen bevorzugten, die sich von ihren tiefschwarzen Gewändern abheben. Rüschen für Männer konnten jedoch auch zurückhaltender sein, wie ein weiteres niederländisches Porträt aus dem 16. Jahrhundert der Fürstlichen Sammlungen zeigt. Auf einem Gemälde aus dem Jahr 1568 ist die dargestellte Person ebenfalls ganz in Schwarz gekleidet, abgesehen von dem weissen, gestärkten Stoff, der am oberen Rand seines Kragens zu zarten Achterfalten geformt wurde.

Ebenfalls in den Fürstlichen Sammlungen zeigt ein Porträt von Frans Hals einen weiteren schwarz gekleideten Mann. Wir wissen kaum etwas darüber, wer er war. Doch mit impressionistischen Pinselstrichen porträtiert Hals einen Mann, dessen Kleidung - insbesondere sein grosser, breitkrempiger Hut, der in einem lässigen Winkel sitzt - es dem Künstler ermöglicht, ein inneres Selbstbewusstsein zu vermitteln.

Kleidung als Persönlichkeit

Lady Sassoon, eine Frau in Bewegung.

Doch nicht alle Künstlerinnen und Künstler hielten nur die Kleidung fest, die sie sahen. Für einer der grössten Porträtmaler, John Singer Sargent, war Mode fester Bestandteil des kreativen Prozesses. Die Ausstellung "Fashioned by Sargent" im Museum of Fine Arts (MFA) in Boston (2023-2024) zeigte dies eindrücklich und präsentierte sowohl Gemälde als auch die darin getragenen Kleider. Sargent wählte die Kleidung seiner Modelle häufig selbst aus und veränderte Details, um etwas über die porträtierte Person auszudrücken.

Um dies zu veranschaulichen, verweist Erica Hirshler, die leitende Kuratorin für amerikanische Malerei am MFA, auf Sargents Porträt von Aline Rothschild Sassoon in einem schwarzen Opernmantel aus Seidentaft mit einem leuchtend rosa Futter - der Mantel war ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Was Sargent in dem Gemälde tut, erklärt Hirshler in einem Webinar, ist, "diesen Opernmantel in den Mittelpunkt zu rücken". Indem er ihn leicht öffnet, sodass das rosa Futter das Gesicht und die Hände der Porträtierten miteinander verbindet, schafft Sargent einen dramatischen Moment. "Dieser grossartige Schwung aus rosa Farbe verleiht dem Porträt Energie und Lebendigkeit", sagt sie, "und unterstreicht den Eindruck, dass dies eine Frau in Bewegung war."

Eines von Schiaparellis bekanntesten Werken: "The Lobster Dress". © Dominique Maître/WWD/Penske Media/Getty Images

Sargent nutzte Mode als Ausdrucksmittel. Kunst und Design waren schon immer eng miteinander verbunden: Schiaparelli arbeitete mit surrealistischen Künstlern zusammen. Im Jahr 1937 schuf sie gemeinsam mit Salvador "The Lobster Dress", ein Organza-Kleid mit einem riesigen, handgemalten Hummer auf der Vorderseite, das in der Ausstellung des V&A zu sehen ist und durch Wallis Simpson, die Herzogin von Windsor, verewigt wurde, deren Beziehung zu König Edward VIII. zu dessen Abdankung führte.

Von surrealistischen Entwürfen und Gemälden alter Meister bis hin zu Porträts, in denen Kleidung ein Ausdrucksmittel ist, das den Charakter der porträtierten Person vermittelt: Kunst und Mode lassen sich kaum voneinander trennen.

 

 

 

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