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US-Europa-Handelsstreit verschärft sich, sichere Häfen legen zu

Die zunehmenden Handelsspannungen zwischen den USA und Europa prägten zum Wochenauftakt das Marktgeschehen. US-Präsident Donald Trump drohte mit drastischen neuen Zöllen auf französische Weine sowie breiteren Abgaben auf mehrere europäische NATO-Verbündete im Rahmen seines Bestrebens, die Kontrolle über Grönland zu erlangen. Europäische Aktien gaben am Montag deutlich nach, angeführt von handelsabhängigen Sektoren wie Autoherstellern, Technologie und Luxusgütern. Dagegen profitierten sichere Häfen: Gold markierte ein weiteres Rekordhoch und der Schweizer Franken wertete gegenüber wichtigen Währungen auf, da Anlegerinnen und Anleger ihr Engagement in risikoreicheren Anlagen reduzierten. In Asien notierten die Aktienmärkte am Dienstag tiefer, während die Renditen langlaufender japanischer Staatsanleihen deutlich anzogen. Die US-Börsen blieben am Montag aufgrund eines Feiertags geschlossen.

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  • Autor Shane Strowmatt, Senior Investment Writer
  • Lesezeit 5 Minuten

Zoll

US-Präsident Donald Trump drohte am Dienstag, Zölle von 200% auf französische Weine und Champagner zu verhängen, nachdem Berichte aufgekommen waren, wonach Frankreichs Präsident Emmanuel Macron einen Sitz in Trumps neuem "Board of Peace" für Gaza, einem von der UNO unterstützten Gremium zur Überwachung des Waffenstillstands zwischen Israel und der Hamas, ablehnen will. Trump sagte in einer Stellungnahme gegenüber Journalistinnen und Journalisten in Miami, dass solche Zölle Macron unter Druck setzen würden, dem Gremium beizutreten, fügte jedoch hinzu, dass der französische Staatschef nicht teilnehmen müsse. Europäische Regierungen erwägen Vergeltungszölle und weitergehende wirtschaftliche Gegenmassnahmen, nachdem Trump am Samstag separat damit gedroht hatte, Zölle von bis zu 25% auf acht europäische Länder, darunter das Vereinigte Königreich, zu verhängen, bis sich die USA die Kontrolle über Grönland gesichert haben. Gold stieg auf ein weiteres Rekordhoch und wurde am Dienstag bei rund USD 4710 je Unze gehandelt, während Silber kurzzeitig ein Allzeithoch von über USD 94 je Unze erreichte. Der Schweizer Franken wertete weiter auf, da Anlegerinnen und Anleger sich vom US-Dollar und anderen riskanteren Anlagen abwandten. Der Franken legte am Montag um rund 0.7% gegenüber dem Greenback zu, erreichte ein Zwei-Monats-Hoch gegenüber dem Euro und notierte nahe einem Rekordstand gegenüber dem Yen, was ihren Status als bevorzugter sicherer Hafen untermauerte.

China hält Zinsen trotz nachlassenden Wachstums unverändert

Die chinesische Zentralbank beliess ihre einjährigen und fünfjährigen Kredit-Referenzzinssätze am Dienstag unverändert bei 3% bzw. 3.5% und hält sie damit bereits den achten Monat in Folge konstant, obwohl die wirtschaftliche Dynamik nachlässt. Die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt wuchs im Schlussquartal um 4.5% gegenüber dem Vorjahr und damit so langsam wie seit dem Ende der strikten Covid-Massnahmen Ende 2022 nicht mehr, während das nominale BIP-Wachstum im dritten Jahr in Folge unter 4% blieb und der BIP-Deflator das elfte Quartal in Folge negativ war, was anhaltenden deflationären Druck verdeutlicht. Das Wachstum der Einzelhandelsumsätze sank im Dezember um 0.9% auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren, da eine anhaltende Immobilienflaute, ein schwacher Arbeitsmarkt und mangelndes Vertrauen auf die Haushalte drückten. Dies veranlasst Peking dazu, auf gezielte Instrumente wie günstigere Refinanzierungsfazilitäten, neue Programme für Privatunternehmen und Tech-Firmen sowie niedrigere Mindestanzahlungen für Hypotheken statt auf breite Zinssenkungen zu setzen. Offizielle Stellen signalisierten, dass im weiteren Jahresverlauf weiterhin Spielraum für Senkungen der Mindestreservesätze und Leitzinsen besteht. Sie verwiesen dabei auf einen festeren Renminbi und sich stabilisierende Bankenmargen, die zusätzlichen Raum für Lockerung schaffen, auch wenn sich die Industrieproduktion und die Exporte behaupteten: Die Industrieproduktion stieg 2025 um 5.9% und die Exporte um 5.5%. Die chinesischen Börsen notierten am Dienstag im Minus und folgten damit der allgemein negativen Stimmung an den Märkten der Asien-Pazifik-Region. Der Leitindex CSI 300 auf dem chinesischen Festland verlor 0.5%, während der Hang Seng Index in Hongkong 0.3% tiefer gehandelt wurde.

Japanische Langfristrenditen erreichen Rekordstände

Die Rendite 40-jähriger japanischer Staatsanleihen kletterte am Dienstag um mehr als fünf Basispunkte auf ein Rekordhoch von 4%, da Anlegerinnen und Anleger Staatsanleihen vor dem Hintergrund von Sorgen verkauften, geplante Senkungen der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel könnten die öffentlichen Finanzen schwächen. Die Renditen zogen über die gesamte Kurve hinweg an: Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen erreichte mit etwa 2.3% den höchsten Stand seit 1999, und die 20-jährige Rendite stieg auf rund 3.35%, nachdem Premierministerin Sanae Takaichi am Montag angekündigt hatte, das Parlament am Freitag aufzulösen und für Anfang Februar Neuwahlen anzusetzen. Die Renditen ultralanglaufender japanischer Staatsanleihen werden durch Angebots-Nachfrage-Ungleichgewichte sowie eine Neubewertung von Termin- und Risikoprämien in die Höhe getrieben, da die Märkte eine expansivere Fiskalpolitik und anhaltende Inflation einpreisen. Dies belebt den sogenannten "Takaichi-Trade" aus stärkeren Aktien, schwächeren Anleihen und einem weicheren Yen. Der japanische Nikkei 225 folgte der allgemein schwächeren Stimmung in der Region und lag am Dienstag 1% im Minus, während der koreanische Kospi 0.4% nachgab und der australische S&P/ASX 200 um 0.7% fiel.

Europäische Aktien geben nach neuen US-Zolldrohungen nach

Die wichtigsten europäischen Aktienindizes schlossen am Montag deutlich im Minus, nachdem US-Präsident Trump im Streit um Grönlands neue Einfuhrzölle auf mehrere NATO-Verbündete angedroht hatte. Der EuroStoxx 50 fiel um 1.7% auf 5925.82 Punkte und damit klar unter die 6000-Punkte-Marke, die er in der Vorwoche überschritten hatte, während der Schweizer SMI 1% verlor. Trumps Plan, zunächst Strafzölle von 10% und später 25% auf Importe aus acht europäischen Ländern zu verhängen, traf vor allem Auto-, Technologie- und Luxusgüterwerte. Sektorindizes und Aktien wie Stellantis, Renault, Kering, Richemont, Hermès und LVMH gerieten unter Druck. Während derzeit ein EU-Sondergipfel vorbereitet wird, um eine Antwort auf die Drohungen zu formulieren – vor dem Hintergrund von Sorgen über eine Eskalation und die wirtschaftliche Verwundbarkeit Europas –, ist es wichtig zu beachten, dass Trump ähnliche Drohungen in der Vergangenheit bereits wieder zurückgezogen hat und möglicherweise einen stabilen Aktienmarkt im Vorfeld der US-Midterm-Wahlen im November anstrebt.

Kanadische Inflation steigt leicht, Kernraten geben nach

Die Verbraucherpreisinflation in Kanada beschleunigte sich im Dezember auf 2.4% im Jahresvergleich nach 2.2% im November, was hauptsächlich auf einen Basiseffekt durch eine vorübergehende Senkung der Umsatzsteuer ein Jahr zuvor zurückzuführen ist. Auf Monatssicht sanken die Preise um 0.2%. Die bevorzugten Kerninflationsmasszahlen der Bank of Canada, VPI-Median und VPI-Trim, gingen den dritten Monat in Folge auf 2.5% bzw. 2.7% zurück und erreichten damit den niedrigsten Stand seit rund einem Jahr. Dies stützt die Erwartung, dass die Zentralbank den Leitzins bis 2026 unverändert lassen werden.

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Redaktion: Alessandro Fezzi
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG