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Goldrally und Fed-Pause prägen die Stimmung

Der rekordbrechende Goldanstieg hat sich am Donnerstag beschleunigt, wobei die Preise weiter zulegten, da Anlegerinnen und Anleger inmitten zunehmender geopolitischer Spannungen und anhaltender Unsicherheit über den Zinsausblick nach sicheren Häfen suchten, nachdem die Federal Reserve am Mittwoch beschlossen hatte, die Zinsen unverändert zu lassen. Die US-Aktienmärkte schlossen den Handel am Mittwoch nahezu unverändert, während der nachbörsliche Handel in wichtigen Technologiewerten eine gemischte Reaktion auf die Quartalsergebnisse zeigte. Die asiatischen Aktienmärkte notierten am Donnerstag uneinheitlich, da die jüngsten, von Technologiewerten angeführten Kursgewinne nachliessen. Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf eine Flut von Ergebnissen grosser globaler Unternehmen, die heute berichtet werden, darunter Apple.

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  • Autor Shane Strowmatt, Senior Investment Writer
  • Lesezeit 5 Minuten

US Federal Reserve
© Shutterstock

Die Federal Reserve beliess ihren Leitzins am Mittwoch in einer Spanne von 3.5% bis 3.75% und legte damit nach drei aufeinanderfolgenden Senkungen, die mit einer Abschwächung des US-Arbeitsmarktes begründet worden waren, eine Pause ein. Der Entscheid erfolgte trotz anhaltenden Drucks von US-Präsident Donald Trump und folgte auf eine Sitzung des Offenmarktausschusses, die erneut Differenzen offenbarte: Zwei Notenbankräte plädierten für eine weitere Zinssenkung um einen Viertelpunkt, während Powell auf ein solides Wirtschaftswachstum, eine niedrige Arbeitslosenquote von 4.4% und eine weiterhin erhöhte Inflation von 2.8% verwies. Powell nutzte die Pressekonferenz, um die Bedeutung der Unabhängigkeit der Zentralbank zu bekräftigen, verteidigte seine Teilnahme an einer Verhandlung vor dem Obersten Gerichtshof zur Abberufung der Fed-Gouverneurin Lisa Cook und warnte, dass es sehr schwierig sei, das Vertrauen in die politische Neutralität der Fed wiederherzustellen, wenn es einmal verloren gegangen ist.

Goldrally gewinnt an Fahrt, da Nachfrage nach sicheren Häfen steigt

Gold stieg am Donnerstag auf ein neues Rekordhoch knapp unter USD 5600 je Unze und weitete damit eine Bewegung von mehr als 10% in dieser Woche aus, nachdem es am Montag erstmals die Marke von USD 5000 überschritten hatte. Anlegerinnen und Anleger suchten angesichts geopolitischer Spannungen, Käufen durch Zentralbanken und eines schwächeren US-Dollars verstärkt nach Sicherheit. Das Edelmetall ist in diesem Jahr bereits um über 27% gestiegen, nach einem Zuwachs von mehr als 60% im Jahr 2025, wobei einige Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer Gold zunehmend als neutralen Wertspeicher und Diversifikationsinstrument betrachten. Zusätzliche Unterstützung kam von der Ankündigung des Stablecoin-Emittenten Tether, einen Teil seines Portfolios in physisches Gold zu investieren, sowie von einer starken Nachfrage im Detailhandel in Shanghai und Hongkong. Silber markierte ebenfalls ein neues Hoch nahe USD 120 je Unze, begünstigt durch Anlegerinnen und Anleger, die nach einer günstigeren Alternative zu Gold suchen, durch Angebotsknappheit und durch momentumgetriebene Käufe. Unterdessen setzte der US-Dollar seine Talfahrt fort, wobei der US-Dollar-Index nahe 96 Punkten lag, während die Ölpreise nach einer nahezu 2%igen Verteuerung weiter zulegten, nachdem US-Präsident Donald Trump vor einem möglichen härteren Schlag gegen den Iran gewarnt und Teheran über soziale Medien zu einem neuen Atomabkommen aufgefordert hatte.

US-Aktien nach Fed-Entscheid kaum verändert

Die US-Aktienmärkte schlossen am Mittwoch nach dem Fed-Entscheid kaum verändert. Der S&P 500 gab um 0.01% auf 6978.03 Punkte nach, nachdem er zwischenzeitlich erstmals über 7000 Punkte gestiegen war. Der Dow Jones Industrial Average bewegte sich mit einem Plus von 0.02% auf 49'015.60 Punkte praktisch nicht, und der technologieorientierte Nasdaq 100 legte im Vorfeld der Quartalsergebnisse von Microsoft, Meta Platforms und dem Elektrofahrzeughersteller Tesla um 0.3% auf 26'022.79 Punkte zu. Chiphersteller entwickelten sich nach starken Ergebnissen und Ausblicken von Texas Instruments, ASML und SK Hynix überdurchschnittlich gut, was die Aktien von Texas Instruments um fast 10%, Micron um rund 6% und Intel um 11% steigen liess.

Kurse grosser Technologiewerte entwickeln sich nach Quartalszahlen unterschiedlich

Unterschiedliche nachbörsliche Kursreaktionen nach der Veröffentlichung von Quartalsergebnissen mehrerer Technologieunternehmen am Donnerstag machten deutlich, wie genau Anlegerinnen und Anleger das Gleichgewicht zwischen Wachstumschancen im Bereich künstliche Intelligenz und den höheren Kosten, die dafür nötig sind, analysieren. Die Aktien von Facebook-Muttergesellschaft Meta sprangen im nachbörslichen Handel am Mittwoch, nachdem das Unternehmen einen besser als erwarteten Umsatzausblick für das erste Quartal abgegeben hatte, obwohl gleichzeitig deutlich höhere Investitionen im Zusammenhang mit den Plänen für künstliche Intelligenz angekündigt wurden. Microsoft fiel um nahezu 7%, da ein langsameres Wachstum im Cloud-Geschäft sowie höhere Investitions- und Leasingausgaben auf die Stimmung drückten. Der Elektrofahrzeughersteller Tesla legte zu, nachdem er Quartalsergebnisse vorgelegt hatte, die über den Markterwartungen lagen. Apple ist der nächste Konzern aus der Gruppe der "Magnificent 7", der seine Ergebnisse vorlegt; der Bericht wird später am Donnerstag erwartet.

Asiatische Aktien nach techgetriebener Rally gemischt

Die asiatischen Aktienmärkte entwickelten sich am Donnerstag uneinheitlich, da die jüngsten Kursgewinne bei regionalen Technologiewerten nachliessen. Japans Nikkei 225 notierte 0.1% höher, während der koreanische Kospi um 1% zulegte. Australiens S&P/ASX 200 lag 0.1% tiefer. Der Hang Seng Index in Hongkong notierte 0.2% im Plus, und der chinesische Leitindex CSI 300 auf dem Festland gewann 0.7%, während Indiens Nifty 50 um 0.3% nachgab. Auf Unternehmensebene meldete Samsung Electronics am Donnerstag einen Rekordbetriebsgewinn im vierten Quartal von KRW 20.1 Billion, mehr als das Dreifache des Vorjahreswerts, da ein knappes Angebot an Speicherchips und eine starke Nachfrage nach KI-Servern die Preise und Volumen stützten. Die Aktie verlor am Donnerstag dennoch 0.7%.

Bank of Canada belässt Zinsen angesichts von Handelsrisiken unverändert

Die Bank of Canada liess ihren Tagesgeldsatz am Mittwoch unverändert bei 2.25% und erachtet die aktuelle geldpolitische Ausrichtung als angemessen, selbst wenn sie eine ungewöhnlich hohe Unsicherheit hinsichtlich Zeitpunkt und Richtung künftiger Schritte einräumt. Die Zentralbank erklärte, ihr Konjunkturausblick habe sich gegenüber Oktober kaum verändert: Die Gesamtinflation lag im Dezember bei 2.4% nach 2.2% im November, während die Kernraten nachgaben und jüngste Daten auf ein schwächeres Wachstum hindeuten, darunter ein monatlicher Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im Oktober um 0.3% sowie ein Anstieg der Arbeitslosenquote auf 6.8%. Die Währungshüterinnen und Währungshüter betonten, dass sich die kanadische Wirtschaft strukturell an die Handelskonflikte mit den Vereinigten Staaten und die anstehende Überprüfung des Kanada-United-States-Mexico-Agreements anpasst.

Deutsche Konsumlaune hellt sich leicht auf

Die Konsumentenstimmung in Deutschland hat sich zu Beginn des Jahres 2026 verbessert. Der GfK-Konsumklimaindikator dürfte den am Mittwoch veröffentlichten Daten zufolge im Februar um 2.8 Punkte auf minus 24.1 steigen. Auch die Konjunkturerwartungen hellten sich auf und stiegen gegenüber dem Vorjahr um 8.2 Punkte auf 6.6, was auf eine fragile Verschiebung hin zu einem moderaten Wachstum nach mehreren schwachen Jahren hindeutet. Die europäischen Aktienindizes schlossen am Mittwoch tiefer. Der Euro Stoxx 50 verlor 1%, während der deutsche DAX um 0.3% und der französische CAC 40 um 1.1% nachgaben. Der Swiss Market Index entwickelte sich schwächer und verlor 1.3%.

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Redaktion: Alessandro Fezzi
Quelle: LGT Bank (Schweiz) AG